Eureka und Samoa Island

Etwas verspätet, bin ich noch meinen gestrigen Blog-Beitrag schuldig. Wir verbringen einen 2. fahrt-freien Tag und nutzen die Gelegenheit in den selbigen hinein zu leben. Wie schon am Vortag starten wir gemütlich, schlafen länger, frühstücken ausgiebig. Mein Sohn Paul hat sich die Mühe gemacht und verwöhnt uns mit leckeren Avocado Toasties.😋

Humbold County, benannt nach Alexander von Humbold, welcher selbst niemals vor Ort gewesen ist, hat neben Arcata noch eine weitere kleine Stadt, welche wir heute besuchen. Eureka entstand in der Zeit der Goldsucher. Nachdem der Goldrauch beendet war, lebte die Stadt lange Zeit von der Holzindustrie. Eurekas Hafen war einer der zentralen Holzverschiffungshäfen an der Nordpazifikküste. Diese Zeiten sind lang vorbei. Heute lebt Eureka vom Tourismus und wiederum von Pensionären aus Nordkalifornien. Die Stadt hat noch einen recht guten Bestand an Häusern aus der Jahrhundertwende und lädt mit einigen Mode- und Kunstboutiquen zum Schlendern ein. 

Am Nachmittag lässt sich seit langem die Sonne wieder blicken. Es wird richtig schön warm und wir beschließen, uns in die Dünen auf Samoa Island zum Sonnen und Strandln zurückzuziehen. Den so schönen ruhigen Tag lassen wir mit einem leckeren Essen im Fischrestaurant „Salt“ in Arcata ausklingen.

Patricks Point State Park

Oh wie herrlich kuschelig sind wir heute morgen in unserem süßen, kleinen Häuschen mitten im Wald wach geworden. Ich bin husch einmal kurz aus dem Bett geschlüpft, habe die Gastherme angeschmissen, um dann noch einmal zu schlummern. Ein Halbes- oder vielleicht Dreiviertelstündchen später zieht bereits der Duft frischen Kaffees durch den Raum - hmmm. 

Wir gehen es heute etwas ruhiger an. Gemütliches Frühstücken, kein Ortswechsel und dennoch wollen wir uns bewegen und etwas von der Umgebung entdecken. Gegen Mittag brechen wir zu einer kleinen Wanderung in den Patricks Point State Park auf. Der Wanderweg ist als Rundweg angelegt und führt weitgehend entlang der Steilküste. Immer wieder gibt es die Möglichkeit nach einem Abstecher an den Strand hinunter oder auf Felsen hinauf. Wir nehmen alle mit, bleiben an schönen Aussichten stehen oder sitzen. Entdecken handtellergroße Seesterne, dösende Seehunde; beobachten Vögel und träumen ein wenig.

Nach der knapp dreistündigen Wanderung entschließen wir uns auch den Abend nicht auswärts zu verbringen, holen uns ein paar Dosen Dr.Pepper, Pizza, Obst und süße Schweinereien - alles was wir für einen gemütlichen Abend im kleinen Häuschen benötigen.  

Von Bandon, OR nach Arcata, CA

Unser letzter Morgen in Oregon beginnt mit einem frischen, warmen Kaffee und einem Cream-Chease-Bagel. Einfach aber lecker. Das kleine Café im Ort ist gut besucht - Anwohner, Urlauber, Durchreisende, Trucker - alle treffen sich hier in typisch amerikanischer Gemütlichkeit und Gastfreundschaft. An der Wand hängen Bilder, stumme Zeugen aus der Zeit um 1900, als Fisch- und Holzindustrie noch dominierten. Heute ist es, wie an allen anderen Ortschaften entlang des 101, der Tourismus.

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Das Wetter hat sich heute erneut gedreht. Es ist kühl, bewölkt und neblig. Unserer Reise- und Entdeckungslust schadet dies nicht. Kurz hinter Bandon sehen wir linker und rechter Hand Cranberry Farmen - die größten der USA. 15 Millionen Tonnen dieser Früchte werden hier jährlich geerntet und in der Mehrheit als Zutaten verarbeitet.

Der Küstenstreifen in Oregon wechselt heute weniger oft - es bleibt überwiegend Steilküste, meist schroffe Gesteine, das Landesinnere aber weiterhin Wald, Wald, Wald. Da unsere Fahrtstrecke heute etwas weiter ist und somit mehr Zeit in Anspruch nimmt, fallen Stops mit Strandspaziergängen heute eher kurz aus. Auch in den Orten an der Strecke halten wir weniger oft. Allerdings kommen wir an einem kleinen Landen mit überwiegend regional hergestellter Handwerkskunst aus Myrthelholz nicht vorbei. Wir erstehen eine Devotionalie für unsere heimische, offene Küche im Coffee Shop Style.

Während sich der Highway 101 auf einem längeren Abschnitt deutlich von der Küste entfernt, überqueren wir nahezu unbemerkt die Grenze nach Kalifornien. Fast ebenso schlagartig verändern sich die Bäume und wir haben plötzlich das Gefühl, wir, als auch die vor uns fahrenden Fahrzeuge sind geschrumpft und die uns umgebende Welt hat sich vergrößert. Kalifornische Küstenredwoods dominieren die Wälder und werden immer häufiger. Wir durchqueren erste Abschnitte des Reedwood National Park und gelangen an unser heutiges Etappenziel: Arcata, CA.

Für die kommenden 3 Nächte schlagen wir unser Quartier in einem süßen kleinen Häuschen, inmitten vom Wald auf. Die nächsten Tage stehen Reedwood-Wanderungen und Strandspaziergänge auf dem Programm.

Von Newport nach Bandon

Der Morgen startet im Hafen von Newport. Es riecht nach Meer, Salz und Fisch. Die Kutter sind am Morgen zurückgekehrt und im Hafen wird der Fang verarbeitet. Lachse, Tunfische und Krabben. Wir sitzen in einem Cafè, frühstücken und beobachten das Treiben. Heute muss auf jeden Fall noch frischer Fisch auf den Tisch!

Nach einem kleinen Spaziergang durch Newport geht es auf den 101. Die Straße hält heute für uns so unterschiedliche Eindrücke und Bilder bereit, wie ich sie mir nicht vorgestellt habe. Flache Küstenabschnitte mit breiten Sandstränden, wechseln auf steile und zerklüftete. Die Luft ist erstaunlich mild. Wir steigen oft ein und aus - genießen die Strandspaziergänge. Zwischendurch immer wieder endlos tiefe Wälder, soweit das Auge blicken kann.

Kleinere und größere Fischerdörfer begleiten uns auf dem Weg. Manche sind niedlich schön, laden zu einem Schaufensterbummel ein, andere lassen wir an der Straße zurück. Die Gegend war über viele Jahrzehnte hinweg von Fischfang und Holzindustrie bestimmt. Nicht jeder Ort hat den Umschwung in den Tourismus als Einnahmequelle geschafft. Solche, die den Weg frühzeitig in Richtung Tourismus eingschlagen haben, werden mit Urlaubern und Pensionären und deren Geld belohnt - das sieht man beispielsweise im kleinen Örtchen Florence.

Dicht hinter Florence beginnt die größte Dünenlandschaft der USA, der Oregon Dunes National Park. Schier endlos weit und hoch scheinen Dünen. Wir wandern durch einen Abschnitt dichter Vegetation. Herrliche Kiefernwälder und typische Dünensträucher. Im Hintergrund das Rauschen des Pazifiks. Herrlich frische, milde Luft. 

Entlang der Straße treffen wir auf ganz unterschiedliche Mitstreiter. Ein Pärchen junger Frauen, unterwegs von Kanada in einem alten VW Bus. Eine Familie aus Frankreich - auf einer 4 Jahre dauernden Weltreise. Urlauber wie wir und Städter auf Kurzurlaub. Was uns auffällt, die Menschen die wir auf der Straße, am Strand  oder in den kleinen Orten treffen sind ausgesprochen freundlich - wie hatten wir das in Seattle und Portland vermisst - das ist die USA, wie wir sie in den letzten 10 Jahren, auf unterschiedlichen Reisen kennengelernt haben.

Am frühen Abend treffen wir in Bandon ein. Das Thermometer ist von 75°F auf 57°F gesunken. Wir checken in unser süßes kleines Motel ein, machen uns frisch und schlüpfen in wärmere Kleidung. Danach kommt, was ich mir am Morgen vorgenommen hatte - frischer Fisch! Diese Nacht wird unsere letzte Nacht in Oregon sein - morgen wechseln wir nach Nordkalifornien.

Von Portland nach Newport

Von Portland geht es heute wieder zurück an die Pazifik Küste und damit auch wieder auf den Highway 101. Wir folgen zunächst dem Interstate 5, welcher uns rasch aus der Stadt in Richtung Salem bringt. Nur etwa 45 Minuten außerhalb von Portland streifen wir ein Simon Outlet. Da können wir einfach nicht vorbei 🤷🏼‍♀️- zu Hause wartet schließlich ein leerer Kleiderschrank 😬.

Nach erfolgreichem Shopping verwöhnt uns die Straße mit einer Fahrt durch die wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft von Oregon. Es geht durch Ebenen mit viel Landwirtschaft und Farmland. Angebaut werden: Birnen, Äpfel, Haselnüsse, Wein und Getreide. Auch etwas Viehwirtschaft ist zu sehen, insbesondere Rinder. Die Landschaft wechselt aus der Ebene in sanfte Hügellandschaft mit viel wunderbar duftenden Wäldern. Ich habe mich heute mal ganz dem Schauen und weniger dem Fotografieren hingegeben - daher gibt es von diesen Eindrücken heute nur Wort und kein Bild.

Am späten Nachmittag sind wir in Newport. Die warme, staubtrockene und immer noch rauchige Luft trifft auf die kühle, feuchte Meeresluft. Das Ergebnis: Eine dunstige Mischung ohne Panoramablick. Die schlechte Sicht kann uns nicht abhalten. Wir ziehen uns etwas wärmer an und spazieren noch gut eine Stunde am rauschenden Pazifikstrand entlang. Der Abschnitt "Agate Beach" verdankt seinen Namen nicht etwa einer Dame, er leitet sich aus den Achat Steinen ab, welche hier zu finden sind. Gefunden haben wir keine, dafür genossen, über so unendlich viele Sanddünen zu laufen. 

Nachdem wir bereits am Nachmittag mehr oder weniger Abend gegessen haben, uns aber noch ein kleines Hüngerchen plagt, entscheiden wir uns den Abend mit frischem Obst und Gemüse "Home-Grown in 🇺🇸" abzuschließen.

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Oregon

Landschaft und Natur pur! Der heutige Tag war ein Auszug aus Oregon at it`s best. Wir folgen dem Columbia River flussaufwärts und sind nicht verwundert, dass Lewis & Clark nach ihrer 18 monatigen Reise in den wilden Westen den Fluss in seiner Breite bereits für Buchten des Pazifiks hielten. Selbiger lag zur damaligen Zeit noch 10 Reisetage entfernt.

Den ersten Stop legen wir ca. 42 Minuten entfernt von Portland ein und bewundern herunterstürzende Wasser der Multnomah Falls. Leider ist der Trailhead gesperrt und die damit verbundene Aussicht in das Tal des Columbia River bleibt für uns verschlossen - schade.

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Bevor wir uns für eine Umrundung des Mount Hood entscheiden, lassen wir uns vom 1933 erbauten Bonneville Lock & Dam begeistern. Das Bauwerk kann komplett besichtigt werden. Besonders spannend, man kann sich die Fischtreppen sowohl unterhalb der Wasseroberfläche, als auch oberhalb anschauen. Da sind sie, die Lachse, welche flussaufwärts ziehen, um die kommende Generation zu sichern. Der Damm diente und dient der Stromerzeugung und wurde in den letzten Jahren durch neue Turbinen und Generatoren auf den neusten Stand der Technik gebracht.

Zirka 20 Kilometer hinter Bonneville biegt unsere Straße in Richtung Mount Hood ab. Wir erwarten tiefe Wälder, sind jedoch erstaunt, auf einer Hochebene Obstplantagen und kleine Weinanbaugebiete zu entdecken. Die Winter sind hier recht streng und schneereich, die Sommer allerdings warm und eher trocken. Der Boden aber ist es, der für Obst und Weinanbau interessant ist - Vulkangestein.

Mount Rainier in der Nähe von Seattle, Mount St. Helens und Mount Hood sind allesamt Vulkane. Wer jetzt glaubt, die sind erloschen, der irrt. Mount St. Helens hat sich am 10. Juli 2008 das letzte mal als noch immer aktiv gemeldet. Die größte Erruption liegt etwas länger zurück. Es war der 18. Mai 1980, als der Berg mit einer gewaltigen Erruption, einer darauffolgenden pyroklastischen Wolke und jeder Menge Lava ausbrach. Der Berg samt Ausbruch schaffte es ins Kino - Hollywood verfilmt den Ausbruch in Dante`s Peak.

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Wir umrunden Mount Hood (letzter Ausbruch 1907) und lassen die Szenerie aus verschiedenen Perspektiven auf uns wirken. Die Wälder duften herrlich nach Douglasien, Zedern und Pinien. Wir stoppen an einem der zahlreichen Gebirgsbäche, halten die Füße ins kalte Wasser und genießen den Tag in den Wäldern Oregons.

Portland, OR

Die gestrige Tag war eindrucksvoll, die Fahrt nach Portland lang, was den Zwischenstopps im Olympic National Park geschuldet war.  Der Morgen in Portland beginnt "in da hood". Wir wohnen in einem über airbnb angemieteten Haus. Die Gegend ist nett, so wie man es aus amerikanischen Filmen kennt. Wir holen uns einen Kaffee und Sandhexen (Sandwiches) in der Crocery von neben an, dann geht es los in Richtung Downtown.

Portland präsentiert sich aufgeräumter und sauberer wie Seattle. Es lungern kaum Obdachlose herum und es riecht nicht nach Urin - nicht einmal. An Samstagen bietet Portland entlang der Waterfront einen Künstlermarkt. Von hier aus starten wir die Erkundung der Stadt. Auffällig ist, dass es in Downtown Portland kein wirklich zusammenhängendes Viertel mit netten Geschäften und Straßencafès gibt. Obwohl für US Verhältnisse recht klein und kompakt, wirkt die Innenstadt etwas zerrissen. Es gibt den Pearl District, alte Lagerhäuser in neuem Chique beherbergen hippe Läden, Restaurants und Cafés. Einige Blocks weiter Pioneer Place - eher klassisch, mit Courthouse und den bekannten Markenboutiquen wie in jeder Großstadt.

Wir nehmen die Straßenbahn, fahren nach NOB HILL, hier endlich mal eine Straße mit Charakter. Kleinen Boutiquen, Cafés und Coffee Shops. Ja, in Portland darf ganz legal Cannabis konsumiert werden - das riecht man auch an jeder Ecke. Und wo wir schon dabei sind - dementsprechend gestaltet sich die Bevölkerung. Es gibt jede Menge Freaks, Nerds, eine sichtbare LGBT Szene und Hipster. Hierfür und für ihre Radfahrer ist die Stadt in den USA auch bekannt. Ansonsten fallen uns im Gegensatz zu Seattle wieder Familien mit Kindern auf.

Nach dem Bummel durch NOB HILL gönnen wir uns ein wenig Ruhe im Washington Park oberhalb der Stadt. Auf kurz geschnittenem Gras schlummere ich ein wenig unter den Cypressen ein - werde aber jäh aus meinem Nachmittagsschläfchen geweckt - Wespenstich (!) - autsch. Wir nehmen den Bus zurück nach Downtown, laufen zurück ins Parkhaus und fahren in unsere Neighborhood.

Den frühen Abend verbringen wir im ALBERTA ARTS DISTICT. Der Name ist Programm. Es riecht, nein es stinkt nach Pott, das Klientel wirkt leicht schmuddelig und ungepflegt (ist es aber nicht, dass ist hier so) und die Restaurants des Viertels wirken entweder extrem teuer oder verbreiten das Flair einer Schulhofkantine. Dementsprechend schwankt die angebotene Küche von eurasisch bis mexikanisch. Uns zieht es in ein Brauhaus mit amerikanischer Küche.

Brauhäuser gibt es in Portland einige. Die Bevölkerung möchte sich mit allem was geht vom Mainstream absetzen und braut in Micro- und Nanobreweries eigenes Bier. Bloß nicht kommerziell, bloß kein Mainstream. 🙄 Übrigens, das Geld für das hippe Non-Mainstreamleben wird bei Nike und Intel verdient, beide haben ihre Headquarter in Portland und gehören zu den Top-Arbeitgebern.

In Europa wird Portland, wie auch Seattle gehypt. Seattle ist in meinen Augen bereits durchgefallen. Portland fällt nicht durch, bekommt aber von mir ein "muss man nicht zwingend gesehen haben". Freaks, Künstler und Hippies gibt es in vielen Stadtvierteln amerikanischer Großstädte - auch nichts wirklich besonderes. Bleibt Pott rauchen, eine Stadt, die Radwege und eine sichtbare LGBT Szene hat. Ansonsten hat die Stadt mit den Steuereinnahmen aus meiner Sicht wenig gemacht. Die Verkehrsinfrastruktur und die Gebäude der Stadt sind im unteren Durchschnitt der bisher gesehenen US Städte. Es fehlt an städtebaulichem Einfallsreichtum und einer Vision für die Zukunft.

Olympic National Park

Der Morgen in Forks startet ziemlich unterkühlt - nicht unsere Stimmung - die Temperatur. Übrigens, ich hatte gestern gar nicht erwähnt, dass Forks, WA seit den Twilight Büchern einen sprunghaften Anstieg der Besucherzahlen zu verzeichen hat. Die Saga spielt in Forks, sowohl was die Schauplätze in den Büchern betrifft, als auch in den gleichnamigen Hollywood Filmen. Für den kleinen Ort war "ein kleines Konjunkturpaket", Zitat Bürgermeister der Stadt.

Bevor wir uns heute von der Olympic Halbinsel verabschieden und nach Portland, OR fahren, widmen wir uns noch einmal zwei faszinierend schönen Ausschnitten des Olympic National Parks. Wir beginnen im Hoh Rain Forest. Bereits gestern, mit der Ankunft in Forks haben wir bemerkt, dass die westliche, dem Pazifik voll zugewandten Seite der Halbinsel, sehr viel kühler aber auch feuchter ist. Die Natur wirkt längst nicht so von der Hitze der letzten Wochen ausgezehrt.

Auf der Fahrt tiefer in die Wälder verstärkt sich der Eindruck in einen unberührten Urwald zu fahren. Die Straße schlängelt sich entlang des Hoh River. Paul und ich spekulieren, ob wir hier wohl Lachse fangen würden. Die gibt es hier in jedem Fall und nicht nur Angler auf zwei Beinen. Vor Bären wird gewarnt bzw. der richtige Umgang bei einer Begegnung geschildert. Während ich aus dem Fenster starre, summt in meinem Kopf die Titelmelodie aus Brokeback Mountain.

Die Straße endet nach 15 Miles. Wir gehen zu Fuß weiter,  tiefer in den Hoh Rain Forest. Meine Bilder können, wenn überhaupt, nur einen kleinen Eindruck vermitteln. Der Wald wirkt auf mich wie einer der Urwälder aus meinem Geographie Schulbuch - ein Wald aus längst vergangener Zeit. Gigantisch hohe Bäume - Douglasien, Riesenlebensbäume, Oregon Ahorn und Sitkafichten ragen weit in den Himmel. Der Boden und die Bäume sind dicht bewachsen und behangen mit Moosen. Wir laufen durch mannshohe Farne. Alles bleibt wie es ist: Kein Mensch mischt sich in die Geschicke der Natur ein - Bäume wachsen, stürzten zu Boden, vergehen und sind Grundlage für Neues.

Langsam bricht auch die Sonne hinter dem Hochnebel hervor, verdrängt die Wolken, die Strahlen wärmen und verzaubern den Wald. Wir müssen weiter, fahren zurück auf den Highway 101 in Richtung Süden. Nach ca. 30 Minuten Fahrt sind wir wieder am Pazifik. Es bietet sich erneut ein Anblick zum Staunen: Ruby Beach. Große Mengen an Driftwood liegen am Strand. Die Ebbe lässt den Strand noch tiefer und breiter erscheinen. Wir können bis zu einigen der Felseninseln laufen. Vor wenigen Minuten hatten wir noch Waldduft in der Nase, nun ist es wieder frische, salzige Meeresluft.

Es zieht uns weiter. Der 101 bringt uns bis nach Aberdeen. Der Ort hat seine besten Zeiten schon einige Jahrzehnte - bald ein Jahrhundert - hinter sich. Fischfang und Holzwirtschaft sind nicht mehr einträglich und für recht viel mehr hat es bisher noch nicht gereicht.

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Umso erstaunter sind wir, dass wir in dem gottverlassenen Nest eine kleine Perle der Gastfreundschaft finden. The Jitter House ist ein kleines Café welches tatsächlich richtig guten italienischen Kaffee und köstliche Sandwiches zaubert. Gottverlassen ist es überhaupt nicht - der Inhaber ist bibelfest und offensichtlich sehr gläubig. Im Lokal stehen einige Pokale von Bibel Rezitierwettbewerben, nebst diversen Devotionalien und Bibelsprüchen an der Wand. Das Türschild verbindet Patriotismus und Glaube. 

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Von Port Angeles nach Forks - Olympic National Park

Der heutige Tag bringt uns nur 70 Miles weiter, bereichert uns aber um fantastische Eindrücke. Wir fahren von Port Angeles, WA nach Forks, WA und befinden uns im Olympic National Park, in Mitten der Olympic Halbinsel, eingerahmt vom Pazifischen Ozean.

Dieser US Nationalpark ist weniger bekannt aber nicht weniger interessant. Das faszinierende sind die unterschiedlichen Landschaften. Von der Alpinen Hurricane Ridge über tiefe, unberührte Urwälder, bis hin zur rauen zerklüfteten Nordpazifikküste. Alles in einem National Park.

Den Vormittag verbringen wir auf knapp 1.700m Höhe, wandern ein wenig entlang der Hurricane Ridge. Unsere Fahrt bringt uns, wie schon beschrieben durch urige und üppig, grün tiefe Wälder nach Forks. Wir lassen unser Reisegepäck rasch im Motel und machen uns auf den Weg an die Pazifikküste. Hat es heute Morgen nach Pinienwäldern gerochen, haben wir nun den frischen, salzig-fischigen Duft der Küste in der Nase.

Die Küste und ihre Strände sind rau, zerklüftet - Felseninseln, teilweise bewaldet, ragen heraus. Das Wasser sehr kühl und stark salzig. Wir befinden uns in dem kleinen Fischerdorf "La Push". Es beherbergt 350 indianische Seelen vom Stamm der Quileute. Eine kleine Marina, mit aktiven Fischerbooten und ein noch kleineres (leckeres) Fischrestaurant - das wars.

Es ist herrlich bereichernd hier gewesen zu sein!

Von Seattle nach Port Angeles

Wir lassen Seattle und seinen Großraum hinter uns, bewegen uns zunächst südlich nach Tacoma, um von hier aus in Richtung des Highway 101 zu steuern. Dieser bringt uns zu unserem heutigen Etappenziel, Port Angeles.

Tacoma hat seinen Namen der indianischen Bezeichnung des heutigen Mount Rainier zu verdanken. Sie nannten ihn Mount Tahoma. Der Berg gehört zu den aktiven Vulkanen der USA und ist an vielen Tagen sowohl von Seattle, als auch von Tacoma aus zu sehen. Wir haben den Vulkan seit unserer Ankunft noch nicht einmal zu Gesicht bekommen. Die Fernsicht ist extrem niedrig - die Region plagt sich mit dichten Rauchwolken der diversen Waldbrände in Oregon und Kalifornien.

Tacoma selbst verfügt über einen für die Region wichtigen Cargo Hafen, entsprechend nehmen wir die Optik beim Vorbeifahren als maritim-industriell war. Kurz hinter Tacoma bringt uns die Tacom-Narrow-Bridge über den Puget Sound auf die Halbinsel Kitsap. Die Natur übernimmt, das Landschaftsbild wird von größeren, urigen Waldgebieten bestimmt. Jetzt fühlen wir uns mehr und mehr im Norden der USA angekommen.

Von der Halbinsel Kitsap geht es weiter nach Olympic Peninsula. Der nächste Ort am 101 nennt sich Sequim und bezeichnet sich selbst als Lavendel-Hauptstadt. Von den Lavendelfeldern der vielen kleinen Farmen haben wir optisch nicht viel mitbekommen. Es ist zum einen keine typische Blütezeit, zum anderen war es auch im Norden der USA ungewöhnliche warm. Wiesen und Felder sind, wie in Europa, ziemlich ausgetrocknet.

Normalerweise wären wir die gesamte Fahrt über von den Olympic Mountains begleitet worden. Auch diese sind leider nicht zu sehen und verstecken sich hinter den Rauchschleiern. Sehr schade, da die Straßenführung optisch ein Schmankerl gewesen wäre. So fehlen mir auch schöne fotografische Elemente von unserer heutigen Fahrt.

Am Nachmittag erreichen wir Port Angeles. Ein Spaziergang hilft uns diesen keinen Ort zu erfassen. Port Angeles ist der nördlichste Punkt - in 90 Miles Entfernung befindet sich Kanada. Sequim und Port Angeles fungieren, zumindest in den Sommermonaten als Rückzugsort gut betuchter Bürger aus Seattle. Beide Ort sind klein aber gut gepflegt. Die Temperatur ist hier auch spürbar gesunken und sobald die Sonne untergegangen ist, muss man von kalten Temperaturen sprechen. Diese werden uns in den kommenden 2 Tagen bei der Umrundung der Olympic Halbinsel begleiten.