A 1903 Legend

Wir sind in York, PA. Der Ort geht auf die Zeit um 1700 zurück, dass älteste Haus aus dieser Zeit, die Golden Plough Tavern, erbaut von 1741 von einem deutschen Einwanderer Namens Martin Eichelberg steht noch immer im heutigen Zentrum der Kleinstadt.

Viel Getümmel ist in den Straßen nicht los und dennoch herrscht Betriebsamkeit in der Kleinstadt. Sehr auffällig sind üppige und gut erhaltene Bauwerke aus dem 18ten und 19ten Jh., welche darauf schließen lassen, dass die Kleinstadt bereits in früheren Zeiten mehr als ein Fleck auf der Landkarte war. Aus der Geschichte geht hervor, dass York sowohl im Unabhängigkeitskrieg, als auch im Bürgerkrieg strategisch bedeutsame Stellung eingenommen hat. Zudem profitierte die Stadt im 19ten und 20ten Jh. von der industriellen Fertigung.

Motorradfans unter meinen Lesern werden jedoch hellhörig, wenn sie den Namen York, PA lesen. Hier in York steht eine der größten Fertigungsanlagen des legendären Motorradherstellers, Harley-Davidson. Wer meinen Reiseblog verfolgt, der weiß, dass wir in jedem Jahr einem typisch amerikanischen Industriezweig einen Werksbesuch abstatten. Jawohl, in diesem Jahr ist es die Fertigung bei Harley-Davidson.

Eines sei zuvor erwähnt. Ich besitze keinen Motorradführerschein und habe bisher wenig Herzblut für Motorräder übrig gehabt. Wir schlüpfen in Warnwesten und tragen Sicherheitsüberschuhe, legen ein Headset an, folgen zunächst aufmerksam den Sicherheitsinstruktionen unseres Tourguides und bekommen einen Imagefilm zur Marke H-D zu sehen. Dann geht es los, die Tür öffnet sich und wir stehen in den Fertigungshallen.

Alles beginnt mit der Verformung des guten US-amerikanischen Stahls aus Ohio. Große Pressen verformen diesen in Schutzbleche und Tankhälften. Laser cutten den Überstand ab, die zwei Hälften des Tanks werden von Robotern zum Tank zusammengefügt. Weiter geht es zur Rahmenfertigung. Die Rohteile werden von einem Mitarbeiter in eine spezielle Form gespannt, den Rest übernehmen die Schweißroboter. Auf der anderen Seite der Maschine kommt der Rahmenrohling heraus. Es sind drei Grundrahmen, aus welchen hier in York die verschiedenen Motorradtypen gefertigt werden.

Nächster Stop ist die Lackiererei. Im Grunde gibt es nicht viel zu sehen, da alle Teile in Reinräumen zunächst gewaschen, grundiert und danach lackiert werden. Auf den Lack wird jedoch größten Wert gelegt und so erfahren wir, dass Bauteile in Multicolor-Ausführung 12 Stunden benötigen, bis diese zur Weiterverarbeitung freigegeben werden. Jedes lackierte oder pulverbeschichtete Bauteil wird aufwendig inspiziert und auf mögliche Mängel überprüft.

Der dritte Abschnitt der Fertigung, welchen wir besichtigen, dient der Endmontage. Wir werden Zeuge, wie sich der nackte Rahmen zum fertigen Kultobjekt verwandelt und sind stets hautnah und nur wenige Schritte vom Fertigungsprozess entfernt. Selbstverständlich arbeitet auch Harley-Davidson mit bereits vorgefertigten Baugruppen, welche teilweise am Standort York oder an anderen Standorten der USA gefertigt werden. H-D fertigt jedoch anders als beispielsweise deutsche Automobilhersteller die Baugruppen selbst.

Jedes Motorrad durchläuft am Ende des Fertigungsprozesses eine letzte Qualitätskontrolle, wobei ca. 1-2% der Motorräder tiefer gehenderen Qualitätschecks zugeführt werden. Ist die Qualitätskontrolle durchlaufen wird den Maschinen auf zweierlei Weise Leben eingehaucht. Die Elektronik erhält die Firmware, die Mechanik ihr Benzin. Dann heißt es für jede Maschine: Prüfstand. Auffällige Maschinen werden hier zum letzten Mal inspiziert und korrigiert, danach geht es in die Verladung. Gut 31% der Maschinen werden exportiert. Insbesondere APAC Staaten gehören zu Importeuren.

Die Tour endet nach einer Stunde und hat mich begeistert. NEIN, das stimmt nicht - ich habe mich verliebt 🥰. Sie ist eine Harley-Davidson Sportster, heißt IRON 1200 und geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Bilder aus York, PA gibt es hier.

Dutch Country - eine nahezu CO2 neutrale Welt.

Wir verlassen Philadelphia und tauchen ein in Pennsylvanias Dutch Country. Das Wort „dutch“ wird hier spöttischerweise für den Begriff deutsch genutzt. Gut 25% der Einwohner des Bundesstaates Pennsylvania haben deutschsprachige Vorfahren. Zu den noch heute am bekanntesten Einwanderern gehören die Mennoniten und Amish, die sich vor allem im Süden Pennsylvanias, im Lancaster Countty niederliessen. Auf dem Weg zu unserem heutigen Etappenziel York durchqueren wir Lancaster County und tauchen in eine ganz andere Welt ein.

Pennsylvania ist eine landwirtschaftlich sehr fruchtbare Gegend. Ackerbau, Viehzucht, insbesondere Milchviehzucht dominieren. Die kleinen Straßen verlaufen durch eine üppig grüne und hügelige Landschaft. Kleine Farmen rechts und links der Straßen wären an sich keine all zu große Sensation. Das Besondere hier, die Farmen werden noch zu einem recht großen Anteil betrieben wie um 1800. Kein Anschluss an das Stromnetz, keine Landmaschinen, keine Autos, keinerlei Elektronik oder gar elektronische Hilfsmittel.

Schon von weithin sichtbar flattert die zum Trocknen aufgehängte Wäsche in der warmen Sommerluft. Auf den Feldern sieht man Farmer mit ihren Söhnen arbeiten. Sie tragen schlichte einfache Kleidung und strohgelbe Hüte auf dem Kopf. Pferdekutschen mit fröhlichen jungen Mädchen klappern über die Straßen. Die Damen tragen weiße, manchmal schwarze Hauben auf dem Kopf und ebenso schlichte Kleider. Die Haube gibt Auskunft darüber, welchen Familienstand die Mädchen haben.

Alles hier wirkt wie in einer kleinen, schon längst vergessenen Welt. Ich fühle mich zum Teil wie ein Zeitreisender und erwische mich beim Begaffen der Menschen, was mir irgendwie sehr peinlich ist. Es ist faszinierend und verwunderlich zugleich, dass es Menschen gibt, die im 21.ten Jahrhundert noch immer ein so einfaches und man kann sagen basales Leben führen. Die Gesichter, in die wir schauen, sind glücklich und zufrieden. Ich glaube fast, zufriedener und glücklicher als viele jener, denen wir in Philadelphia begegnet sind.

Möglicherweise liegt das Glück tatsächlich in der Einfachheit des Lebens. Jeder in der Gemeinschaft der Amische besucht eine 8-Klassenschule und beginnt danach eine Art Praktikumszeit zur Ausbildung und Herausbildung persönlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche er oder sie danach auslebt. Insbesondere die Handwerkskunst der Zimmerei und der Tischlerei beherrschen viele Amische wie kaum ein Anderer. Die Frauen verfügen über hervorragende Fertigkeiten in der Handarbeit. Aufwendige handgefertigte Bettwaren, Kissenbezüge und Decken in einer wunderbaren Qualität. Die Landwirtschaft und die jeweiligen handwerklichen Fertigkeiten dienen dem Selbsterhalt der Gemeinschaft und tragen zum Erwerb der Gemeinschaft bei.

Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Amische des Lancaster County sind wahre Bioqualität und benötigen keine fragwürdigen Zertifikate. Die Kühe stehen sichtbar auf den Weiden, Hühner gaggern durch die Gärten, die Felder werden mit menschlicher und tierischer Muskelarbeit bestellt.

Der Ertrag ist so groß und die Qualität so gut, um u.a. als Zulieferer für den nahe gelegenen und sehr bekannten Schokoladenproduzenten Hersheys, in Hershy zu fungieren. Darüberhinaus sind die landwirtschaftlichen und handwerklichen Erzeugnisse weithin bekannt und begehrt. Ich träume schon lange von einem schönen, handgefertigten Quilt für unser Bett.😴

Um den Glücksfaden wieder aufzunehmen, es ist vermutlich das sichtbare Ergebnis der Hände Arbeit, das Familienleben und die Achtsamkeit der Gemeinschaft, die den Menschen im Lancaster County Glück und Zufriedenheit zurückgeben. Es gibt keinen Stress, keinen hemmungslosen Konsum, keine Jagd nach dem nächsten Megageschäftsjahr. Es ist ein bescheidenes Leben, im Einklang mit der Welt.

Dieses bescheidene Leben ist es, was einen vom Mensch gemachten Klimawandel hätte verzögert oder zumindest verringert. Jeder, der in Deutschland „Die Grünen“ wählt oder an den Fridays For Future Demonstrationen teilnimmt, der sollte sich überlegen, ob es dieses Leben ist, welches Er, Sie oder „*“ sich wirklich wünscht. Eine moderne Welt, in welcher sich Menschen durch Ablasshandel von ihrer CO2 Belastung freikaufen können, ist ein Lügenkonstrukt zur Beruhigung der Seele. Mit Steuern oder Policies, dem Lieblingswort von Luisa Neubauer, dem Segeln in einem Carbon Sportboot, wie Greta und dem permanenten Gejaule wird das Klima bzw. dessen Wandel sich nicht stoppen lassen und die dazugehörige Jugendbewegung eine Modeerscheinung bleiben.

VERZICHT, SOWIE EINE ABKEHR VOM GRENZENLOSEN GLOBALEN WACHSTUM DURCH ZÜGELLOSEN HANDEL UND KONSUM SIND DIE FAKTOREN, WELCHE EINEN NACHHALTIGEN BEITRAG LEISTEN WÜRDEN!

Bilder aus dem Dutch Country gibt es hier.

Die Straßen von Philadelphia

Heute ist es gar nicht so einfach meinen Blog Beitrag so zu schreiben, dass ihr einen umfassenden Eindruck von Philadelphia, so wie ich es gesehen habe, erhaltet.

Ich starte den heutigen Tag mit einem morgendlichen Lauf genau in jenen Straßen, die Bruce Springsteen besingt. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, den Song nicht während meines Laufs zu spielen und dennoch geistert die Melodie und der Text rasch in meinem Kopf herum. Sonntagmorgens ist noch nicht viel Leben in Downtown Philadelphia. Die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg in die Häuserschluchten. Vor den Hoteleingängen stehen die Portiers in ihren Uniformen. Einige Anliefer–LKWs sind unterwegs, touristische Frühaufsteher und Menschen, welche die heiße Nacht auf den Straßen verbracht haben. Es sind nicht wenige und viele sind wirklich heruntergekommen, in einem sehr erbärmlichen Zustand – selten habe ich so heruntergekommene Obdachlose gesehen.

Zurück im Hotel ist immer noch Stille und Dunkelheit im Zimmer. Zeit, dass ich den Morgen herein lasse!

Wir starten unseren Tag im INHP, den Independence National Historic Park. Der Park ist eine großzügige Anlage, mit Besucherzentrum und Parkanlage. Die Anlage, welche vom Nationalpark Service betrieben und verwaltet wird, so wie alle zugehörigen Gebäude und Museen, ist Tip Top in Schuss - darauf legen die Amerikaner großen Wert. Am nördlichen Ende des Independence National Historic Parks befindet sich das National Constitution Center, am südlichen die Independence Hall.

Was viele nicht wissen, sowohl die Unabhängigkeitserklärung, als auch die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika wurden hier in Philadelphia entworfen und von den 13 Gründungsstaaten unterzeichnet. Es war der Sommer im Jahr 1778, der den Grundstein für die USA legte. Wir nehmen an einer sehr interessanten Führung durch die Independence Hall teil und erfahren historische Grundlagen, bevor wir genau jenen Raum betreten, in welchem beide so bedeutsamen Dokumente erarbeitet und unterzeichnet wurden. Geschichte zum Anfassen, die auch unseren Teenagern Spass macht.

Vom INHP aus laufen wir durch die feuchte und drückende Mittagshitze hinunter zum Delaware River, welcher die Staatsgrenze zwischen New Jersey und Pennsylvania markiert, tauchen ein, in eine kleine Gasse mit dem Namen Elfreth‘s Alley. Hier befinden sich noch wenige, englisch-irisch geprägte Häuser aus der ganz frühen Gründungszeit Philadelphias im Jahr 1682. Ein gewisser William Penn und die ihm zugehörige Quäker Gruppe sind die Väter der Stadt.

Aus Old Town bewegen wir uns zurück in Richtung nördliches Ende des  Independence National Historic Parks, vorbei am Betty Ross Haus und der kleinen Friedhofsanlage der Christ Church. Hier liegt Benjamin Franklin begraben. Eine Gedenktafel neben seinem Grab zeigt die Meilensteine seines Lebens auf - sehr beeindruckende Etappen! Wer sich übrigens gerade beim Lesen gefragt hat, wer Betty Ross war: sie hat die erste Flagge der Vereinigten Staaten genäht - 13 Sterne im Kreis angeordnet, sowie die bekannten Streifen.

Wir steigen in die U-Bahn Market, Ecke 5te Straße ein und fahren zurück nach Downtown, Ausgang City Hall. Das Rathaus gleicht eher einem Schloss oder einer Festung. Sein 167m hoher Rathausturm ist weithin sichtbar. Im Dilworth und Love Park hinter dem Rathaus legen wir Pausen ein und jeder genießt das bunte Treiben auf seine Weise. Die Teens werden wieder für kurze Zeit zu Kindern und erfrischen sich in der Brunnenanlage, Susann streckt die Beine aus sonnt sich und ich suche Motive für Bilder. 

Die Hitze ringt uns trotz Pause einen erfrischenden Stop in unserem Hotel ab, wo wir uns für gut 2 Stunden ausruhen und erst am späten Nachmittag nochmal in die Straßen von Philadelphia bewegen. Im Independence Biergarten kehren wir schlussendlich zum Abendessen ein und schlendern in der Dämmerung zurück.

Mein morgendlicher Blick auf die Straßen von Philadelphia hat viele Färbungen bekommen. Mir fällt auf, dass sich die Stadt lebendig, von seiner Architektur abwechslungsreich, und mit seinen vielen Museen als sehr attraktiv zeigt. Ja, auch die Obdachlosen gehören zu diesen Facetten einer US amerikanischen Großstadt. Wer die Ostküste bereist, sollte nicht nur NYC und Washington D.C. auf seinem Reiseplan haben, sondern unbedingt auch Philadelphia.

Bilder aus den Straßen von Philadelphia findet Ihr hier.

Yale - Bulldogs

New Haven, ebenfalls von puritanischen Einwanderern im Jahr 1636 gegründet, wirkt an sich eher durchschnittlich, wäre da nicht der in Downtown dominierende Campus der Yale Universität. Allein wegen dieser schönen und altehrwürdigen Gebäude lohnt es sich hier einen Stop einzulegen.

Ich weiß nicht genau, was es ausmacht aber der Campus gefällt mir auf Anhieb richtig gut. Ein Flair, wie man es aus Filmen kennt, verbreitet sich. Junge Menschen kommen an, rollen mit ihren Koffern und den Eltern im Schlepptau über das Gelände. Sie werden von den letztjährigen Neuankömmlingen in auffällig roten Shirts in Empfang genommen. Einige werfen sich im Gelände ein paar Bälle zu, andere verbreiten Partystimmung und auch die ruhigeren Charakter sind vertreten. Die Gebäude sind still, lassen die gotischen Mauern sprechen und verbreiten einen Hauch intellektueller Dominanz.

Ich bin ein wenig traurig, dass ich schon so alt bin und diese besonderen Jahre nicht mehr genießen kann. Gleichzeitig freue ich mich, meine Kinder durch diese Zeit begleiten zu können. Beide sind ebenfalls sehr angetan und könnten sich vorstellen hier zu studieren oder das College zu besuchen. Susann und ich schauen uns an und denken vermutlich beide daran, nach dem Urlaub Gespräche zur Gehaltsanpassung durch Aufbau einer geschickten Ja-Kette zu führen. 😬🤑

Den gut zweistündigen Spaziergang durch Yale beenden wir mit einem Strafzettel für eine abgelaufene Parkuhr im Wert von 25 USD. Wir deuten das als ein Zeichen und werden uns diesen ersten Strafzettel in Yale aufheben. Bleibt vielleicht nicht der letzte!

Yale Bilder gibt es hier.

Von Cape Cod nach Providence, RI

Die Nacht verbrachten wir im Spring Garden Inn, einem niedlichen, kleinen Motel in East Sandwich. Der Ort, wie viele der kleinen Orte auf Cape Cod, stammen aus der Zeit um 1635 und sind mehr oder weniger mit der Walfangindustrie verbunden.

Mein Morgen auf Cape Cod beginnt um 6:35 Uhr mit einem erfrischenden 5 Kilometerlauf, vorbei an schönen, teils herrschaftlichen Sommerhäusern hinunter zum Strand. Ich treffe auf morgendlichen Mitstreiter und nette Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern. Als ich zurückkomme ist, zumindest in unserem Zimmer, das Leben auch schon erwacht - es herrscht Betriebsamkeit und Konkurrenzkampf um Zeit im Badezimmer 🙄.

Irgendwie schaffen es dann doch alle, geduscht und sortiert im Auto zu sitzen, um dem Frühstück entgegenzusteuern. Möglicherweise ist es der Erhaltungstrieb, der die Rotte dann doch zusammen hält. Normalerweise keine großen Zeilen Wert, möchte ich heute das Riverview Cafè erwähnen. Es handelt sich um ein Projekt der Riverview School mit dem Ziel, die Absolventen an das Berufsleben im Allgemeinen und hier speziell in Gastronomiebetrieben heranzuführen. Ein schönes Projekt - besonders auffällig, es ist erfrischend unauffällig. Würde man nicht durch Erklärungen im Café auf das Projekt aufmerksam gemacht werden, würde man es nicht bemerken. Die jungen Menschen machen ihre Arbeit wirklich gut. Die Auswahl an Speißen und Getränken ist umfangreich, der Geschmack prima,  Freundlichkeit und Service, wie USA üblich - HERVORRAGEND!

Gut gefrühstückt zieht es uns weiter in Richtung Mid Cape Cod. Wir befahren eine landschaftlich schöne Straße und durchqueren niedliche Orte, mit traumhaft schönen kleinen und großen Häusern. Kaum hat man sich entschieden eines der Häuser als besonders schön zu empfinden, taucht ein weiteres auf, welches um die Gunst buhlt. In Orleans, etwa auf Höhe der Armbeuge (Cape Cod lässt sich mit einem gebeugten Arm vergleichen) biegen wir in Richtung Süden ab und unterbrechen unsere Fahrt für einen Strandspaziergang. Der Himmel ist blau, die See ruhig, der Strand voller Muscheln - herrlich.

Der südliche Teil der Insel ist belebter und touristisch erschlossen. Ca. 6. Millionen Besucher verbringen hier ihre Sommerferien. Auch der Kennedy Clan verfügt über einen beachtlichen Grundbesitz nebst diversen Anwesen. Trotz dieser Beliebtheit gibt es keinen einzigen Hotelbunker und keine Beach typischen Geschäfte mit Firlefanz. Die Insel wirkt maritim und immer noch ein wenig verschlafen - richtig schön!

Die Straße trägt uns weiter auf unserer Route in Richtung Süden, in den kleinsten US. Bundesstaat, Rhode Island. Bevor in unser heutiges Etappenziel Providence ansteuern, statten wir Newport einen Besuch ab. Die Hafenstadt verdangt, wie Providence ihre Gründung (1635) den eher moderaten Anhängern Roger Williams, welche sich von den in Boston lebenden Hardlinern der Puritaner absonderten. Zunächst auf den Walfang spezialisiert, entwickelte sich Newport noch vor dem Bürgerkrieg zu “America’s First Resort”, dem Platz der Schönen und Reichen. Vor allem Plantagenbesitzer der Südstaaten und Industrielle leisten sich hier ihre Sommerresidenzen. Es sind große Villen und Palais, die heute oft als Museen zu besichtigen sind und in teils öffentlichen Parkanlagen liegen. Zu ihrer Blütezeit residierten hier die Vanderbilts, Morgans, Astors und Fishers.

Newport ist recht gezogen, die Villen an der Bellevue Ave. liegen weit auseinander und sind zu Fuß kaum zu erlaufen. Kein Mensch, der es sich leisten konnte, lebte seiner Zeit auf so engem Raum wie wir es inzwischen gewohnt sind. Wir verbringen etwas Zeit in der Marina, schlendern durch die Straßen, essen ein Eis, schauen in die Schaufenster der vielen kleinen Geschäfte und lassen uns dahin treiben.

Für den Rest des späten Nachmittags ist nurmehr die Anreise in das 45 Minuten entfernte Providence geplant.

Bilder des heutigen Tages gibt es hier.

Vom Harvard Campus nach Cape Cod

Nach unserem gestrigen Auftakt in Boston hieß es heute morgen: Koffer packen und auschecken. Doch bevor wir den Großraum von Boston verlassen, machen wir einen Abstecher nach Cambridge und verbringen den Vormittag auf dem Campus der Harvard Universität. Harvard gilt als die älteste Universität der Vereinigten Staaten, deren Ursprung aus einer Ausbildungsstätte für Geistliche hervorgeht. Gegründet wurde die spätere Universität durch die Puritanier, welche als erste Einwanderer mit der Mayflower das neue Land eroberten. Der heutige Name geht auf John Harvard zurück.

Noch heute gilt sie als eine Universität mit sehr strengen Regeln - sinngemäß übersetzt, kann man dies am Haupttor des Campusgelände bereits beim Betreten erfahren “Wachse in Stille und Ehrgeiz”, heißt es hier. Die Studierenden erwartet eine hochkarätige Ausbildung, das Leben in von der Universität zugeteilten Zimmern mit Vierer-Belegung und der Anspruch an ein überdurchschnittliches Engagement am universitären Alltag. Die Eltern zahlen dafür eine durchschnittliche Studiengebühr in Höhe von 72.000 USD pro Jahr, wobei die Universität das Studium abhängig vom Einkommen der Eltern fördert. Ich habe dies mal rasch für unsere Kinder berechnet - die Förderung würde immerhin stattliche 31.000 USD pro Jahr betragen.

Das Campusgelände selbst hat mich jetzt nicht so extrem vom Hocker gerissen - Stanford hat mir persönlich besser gefallen - auch das nähere Umfeld hätte ich mir etwas gediegener und wertiger vorgestellt.

Wir verlassen Cambridge via Interstate 90 und den Großraum Boston via 93 in Richtung Cape Cod. Rasch wird es deutlich ländlicher und wir bekommen einen Eindruck vom Charme New Englands. Zirka 40 Fahrminuten südlich von Boston, an der Küste gelegen, treffen wir auf den uramerikanischsten Ort, auf welchen man wohl unter Betrachtung der Siedlungsgeschichte treffen kann - Plymouth! Hier setzten im Jahr 1620 die aus Plymouth in UK stammenden ersten Siedler ihren Fuß und all ihre Hoffnungen in einer neuen Welt starten zu können, auf den Boden des nordamerikanischen Kontinents. Der Ort ist niedlich, versprüht Gründercharme, Patriotismus und maritimes Flair. Wir schlendern entlang des Hafens, besichtigen ein Haus aus der Zeit um 1800, tauchen dabei in das Leben dieser Zeit ein und beschäftigen uns im gemeinsamen Austausch mit den Idealen der Menschen, welche vor gut 400 Jahren hier landeten. Wir versuchen, wie in jedem Urlaub, die amerikanische Kultur, Lebensweise und Werte besser zu verstehen. Uns gelingt dies immer besser und vielleicht fühlen wir uns deshalb an vielen Orten in den USA so wohl, dass es uns seit Jahren teilweise zweimal im Jahr hierher zieht.

Am späten Nachmittag gelangen wir an unser heutiges Etappenziel, Cape Cod.

Bilder gibt es hier.

Durch den Mittleren Osten der USA

Um es vorweg zu nehmen, ich empfinde kein Flug-Shaming und ja, ich liebe es in den Vereinigten Staaten meinen Jahresurlaub zu verbringen. Wer jetzt peinlich berührt oder gelangweilt ist, bitte oben rechts mit “x” das Browserfenster schließen.

Du ließt weiter, dass freut mich! In den kommenden 17 Tagen darf ich Dich wieder mitnehmen auf eine Reise durch die USA. Los geht es in Boston, entlang der Atlantikküste bis nach Baltimore, von hier aus quer durch Pennsylvania, entlang der Shenandoah Mountains, durch Virginia über die Great Smokey Mountains nach Tennessee bis zum Endpunkt der Reise, Atlanta.

Der gestrige Tag war, der Anreise geschuldet, weniger spannend. Es bleibt festzuhalten, dass AirFrance eine vom Service solide und unauffällige Airline ist, der Weg aus dem Flugzeug bis in das Hotel, mit knapp 60 Minuten, inklusive Immigration, Mietwagenstation und Anfahrt sensationell und nahezu rekordverdächtig ist.

Somit genossen meine Familie und ich einen recht entspannten Start in den Urlaub.

Humboldt County to Fort Bragg

California is calling! Wir verlassen Humboldt County und fahren den 101 weiter südlich. Nach San Francisco, dem Ziel unserer diesjährigen Tour, ist es nicht mehr weit - gerade einmal 299 Miles. Unsere heutige Etappe führt uns jedoch zunächst einmal nach Fort Bragg, einem kleinen Örtchen, gebaut im Western Stil.

Auf unserer 3-stündigen Fahrt bemerken wir immer eindeutiger, dass wir in Kalifornien sind. Die Wälder, immer noch von Redwoods dominiert, verändern sich. Es ist vor allem die Bodenvegetation die weniger dicht und üppig ist. Farne gibt es nicht mehr. Da, wo die Wälder weniger dicht sind, typische, vom Sommer vertrocknete Wiesen. Auch das Gestein der Berge verändert sich, es wirkt mehr wie Basalt. Es gibt die typischen, ebenfalls im Sommer ausgetrockneten Flüsse, deren Breite jedoch erahnen lässt, welche Wassermassen im Frühjahr in Richtung Pazifik fließen.

Wir finden einen kleinen Fluß, welcher noch reichlich klares Wasser führt. Es ist gar nicht so kühl und Paul beschließt kurzerhand, die willkommene Erfrischung zum Schwimmen zu nutzen. Nach der kleinen Pause zweigt unsere Route vom 101 ab und schlängelt sich entlang des Highway Number 1. Wir erreichen Fort Bragg am Nachmittag. Hatten wir am Vormittag wärmende Sonne und wirklich sommerliche Temperaturen, verspüren wir in Fort Bragg die frische Brise des Pazifiks. Es scheint, dass die Stürme über Hawaii kühle, pazifische Lufmassen vorantreiben und zumindest küstennah die Strömungen warmer kalifornischer Inlandsluft zurückdrängen.

Fort Bragg selbst hat keine gigantischen Sehenswürdigkeiten. Eine Umweltschande aus den frühen 50iger Jahren macht Abschnitte des heutigen Strandes zu etwas Besonderem - Glass Beach. Einst wurde städtischer Müll einfach im Meer verklappt. Den tausenden von Glasflaschen nahm sich der Pazifik an, brach das Glas und schliff es durch die unermüdlichen Wellenbewegungen zu kleinen, runden Glassteinen. Im Sonnenlicht soll der Strand fantastisch glitzern. Prüfen konnten wir das heute nicht. Mal schauen, ob morgen früh die Sonne scheint.

Eureka und Samoa Island

Etwas verspätet, bin ich noch meinen gestrigen Blog-Beitrag schuldig. Wir verbringen einen 2. fahrt-freien Tag und nutzen die Gelegenheit in den selbigen hinein zu leben. Wie schon am Vortag starten wir gemütlich, schlafen länger, frühstücken ausgiebig. Mein Sohn Paul hat sich die Mühe gemacht und verwöhnt uns mit leckeren Avocado Toasties.😋

Humbold County, benannt nach Alexander von Humbold, welcher selbst niemals vor Ort gewesen ist, hat neben Arcata noch eine weitere kleine Stadt, welche wir heute besuchen. Eureka entstand in der Zeit der Goldsucher. Nachdem der Goldrauch beendet war, lebte die Stadt lange Zeit von der Holzindustrie. Eurekas Hafen war einer der zentralen Holzverschiffungshäfen an der Nordpazifikküste. Diese Zeiten sind lang vorbei. Heute lebt Eureka vom Tourismus und wiederum von Pensionären aus Nordkalifornien. Die Stadt hat noch einen recht guten Bestand an Häusern aus der Jahrhundertwende und lädt mit einigen Mode- und Kunstboutiquen zum Schlendern ein. 

Am Nachmittag lässt sich seit langem die Sonne wieder blicken. Es wird richtig schön warm und wir beschließen, uns in die Dünen auf Samoa Island zum Sonnen und Strandln zurückzuziehen. Den so schönen ruhigen Tag lassen wir mit einem leckeren Essen im Fischrestaurant „Salt“ in Arcata ausklingen.

Portland, OR

Die gestrige Tag war eindrucksvoll, die Fahrt nach Portland lang, was den Zwischenstopps im Olympic National Park geschuldet war.  Der Morgen in Portland beginnt "in da hood". Wir wohnen in einem über airbnb angemieteten Haus. Die Gegend ist nett, so wie man es aus amerikanischen Filmen kennt. Wir holen uns einen Kaffee und Sandhexen (Sandwiches) in der Crocery von neben an, dann geht es los in Richtung Downtown.

Portland präsentiert sich aufgeräumter und sauberer wie Seattle. Es lungern kaum Obdachlose herum und es riecht nicht nach Urin - nicht einmal. An Samstagen bietet Portland entlang der Waterfront einen Künstlermarkt. Von hier aus starten wir die Erkundung der Stadt. Auffällig ist, dass es in Downtown Portland kein wirklich zusammenhängendes Viertel mit netten Geschäften und Straßencafès gibt. Obwohl für US Verhältnisse recht klein und kompakt, wirkt die Innenstadt etwas zerrissen. Es gibt den Pearl District, alte Lagerhäuser in neuem Chique beherbergen hippe Läden, Restaurants und Cafés. Einige Blocks weiter Pioneer Place - eher klassisch, mit Courthouse und den bekannten Markenboutiquen wie in jeder Großstadt.

Wir nehmen die Straßenbahn, fahren nach NOB HILL, hier endlich mal eine Straße mit Charakter. Kleinen Boutiquen, Cafés und Coffee Shops. Ja, in Portland darf ganz legal Cannabis konsumiert werden - das riecht man auch an jeder Ecke. Und wo wir schon dabei sind - dementsprechend gestaltet sich die Bevölkerung. Es gibt jede Menge Freaks, Nerds, eine sichtbare LGBT Szene und Hipster. Hierfür und für ihre Radfahrer ist die Stadt in den USA auch bekannt. Ansonsten fallen uns im Gegensatz zu Seattle wieder Familien mit Kindern auf.

Nach dem Bummel durch NOB HILL gönnen wir uns ein wenig Ruhe im Washington Park oberhalb der Stadt. Auf kurz geschnittenem Gras schlummere ich ein wenig unter den Cypressen ein - werde aber jäh aus meinem Nachmittagsschläfchen geweckt - Wespenstich (!) - autsch. Wir nehmen den Bus zurück nach Downtown, laufen zurück ins Parkhaus und fahren in unsere Neighborhood.

Den frühen Abend verbringen wir im ALBERTA ARTS DISTICT. Der Name ist Programm. Es riecht, nein es stinkt nach Pott, das Klientel wirkt leicht schmuddelig und ungepflegt (ist es aber nicht, dass ist hier so) und die Restaurants des Viertels wirken entweder extrem teuer oder verbreiten das Flair einer Schulhofkantine. Dementsprechend schwankt die angebotene Küche von eurasisch bis mexikanisch. Uns zieht es in ein Brauhaus mit amerikanischer Küche.

Brauhäuser gibt es in Portland einige. Die Bevölkerung möchte sich mit allem was geht vom Mainstream absetzen und braut in Micro- und Nanobreweries eigenes Bier. Bloß nicht kommerziell, bloß kein Mainstream. 🙄 Übrigens, das Geld für das hippe Non-Mainstreamleben wird bei Nike und Intel verdient, beide haben ihre Headquarter in Portland und gehören zu den Top-Arbeitgebern.

In Europa wird Portland, wie auch Seattle gehypt. Seattle ist in meinen Augen bereits durchgefallen. Portland fällt nicht durch, bekommt aber von mir ein "muss man nicht zwingend gesehen haben". Freaks, Künstler und Hippies gibt es in vielen Stadtvierteln amerikanischer Großstädte - auch nichts wirklich besonderes. Bleibt Pott rauchen, eine Stadt, die Radwege und eine sichtbare LGBT Szene hat. Ansonsten hat die Stadt mit den Steuereinnahmen aus meiner Sicht wenig gemacht. Die Verkehrsinfrastruktur und die Gebäude der Stadt sind im unteren Durchschnitt der bisher gesehenen US Städte. Es fehlt an städtebaulichem Einfallsreichtum und einer Vision für die Zukunft.