Leaving on a jet plane

All my bags are packed I'm ready to go

I'm standin' here outside your door...

Already I'm so lonesome I could die.

So kiss me and smile for me, tell me that you'll wait for me

Hold me like you'll never let me go...


Es waren wieder einmal wunderbare Wochen mit vielen Eindrücken und Erlebnissen. Atlanta macht es uns heute einmal schwerer goodbye zu sagen, begrüßt uns am Morgen mit strahlend blauem Himmel und herrlich warmer Sonne. Unser Flug zurück nach Europa startet erst am Abend, sodass wir hier noch einen ganzen Tag die Zeit genießen können.

Den Vormittag verbringen wir in Midtown, schlendern durch die Straßen, genießen die Ruhe (es ist Labor Day, ein Feiertag), trinken einen kühlen Caramel Macchiato und lassen den Gedanken freien Lauf. Jogger sind unterwegs, Hunde gehen gassi, Paare tun es uns gleich. Wir kommen am alten Fox Theater vorbei, einem Tempelbau, welchen Filmmogul Fox erwarb, zum Kino umfunktionierte und hier die Verfilmung von „Vom Winde verweht“ uraufführte. Üppige und hervorragend gepflegte Grünanlagen machen den Spaziergang zwischen Bürohochhäusern, Apartmenthäusern und kleinen Parkanlagen zum Augenschmaus. Gegen Mittag sind wir von der North Avenue aus die zwei U-Bahnstationen zurückgelaufen, machen uns im Hotelzimmer frisch und schlüpfen in unsere Reiseklamotten.

Noch immer haben wir Zeit, fahren durch noble Wohnviertel in den Suburbs, zum Atlanta History Center. Hier tauchen wir in einem didaktisch hervorragend aufbereiteten Museum in die Geschichte Atlantas ein. Erzählt werden die Meilensteine der Stadt, auch bezugnehmend auf die bedeutendsten Abschnitte der Geschichte der Vereinigten Staaten. Dabei greift das Museum auf große und kleine Begebenheiten verschiedener Einwohner der Stadt zurück, zeigt Dokumente, Exponate, lädt ein in einen Friseursalon aus den 50iger Jahren, umreist die Sport- und Musikgeschichte, lässt Zeitzeugen und deren Aufzeichnungen zu Wort kommen und erweckt die Geschichte zum Leben.

Wir verbringen hier gut 2.5 Stunden - ein schöner Abschluss dieses Urlaubs, auf welchem uns die Geschichte der Vereinigten Staaten und die Geschichten hinter der Geschichte immer wieder begleitet haben.

Mir fällt es in diesem Jahr besonders schwer 😥loszulassen und wieder zurückkehren. Zunehmend mehr entsteht in mir der Wunsch, einen Teil meines Lebens hier zu verbringen, zu arbeiten, zu leben, noch einmal einen ganz neuen Abschnitt mit vielen Herausforderung zu beginnen.

Ein kleines Haus in den Südstaaten mit Veranda, üppig grünem Rasen, dem Auto auf der Einfahrt geparkt, im Sommer dem Singen der Zikaden zu lauschen, ein kühles Bud Light am Abend zu genießen und Freitags zum Essen in die Sportsbar zu gehen. Klingt für viele vielleicht trivial, mich erfüllt diese Vorstellung jedoch mit einem enormen Gefühl von Glück.

Goodbye Amercia 🇺🇸, see you on christmas🎄.

Atlanta - I have a Dream

Nachdem wir uns gestern in Atlanta Midtown fast ein bisschen verliebt haben, waren wir natürlich sehr gespannt, mehr von Atlanta zu sehen.

Mit MARTA, ging es ab nach Downtown. Bereits in der U-Bahn fallen uns seltsam be(ver)kleidete Menschen auf, die sich in Charaktere aus Manga, SiFi und Comicfilmen verwandelt haben, mal mehr, mal weniger gelungen. Wir steigen Peachtree Station aus und sind quasi die Minderheit nicht verkleideter Menschen. Es ist Dragon Con in Atlanta - dass erklärt alles! Wir amüsieren uns ein wenig über die seltsamen Gestalten und sind recht froh, dass die Masse direkt ins Conversation Center abbiegt. Check, die sind wir los.

Unser Weg führt uns in den Centennial Olympic Park. Die Parkanlage ist zu Ehren der 100. Olympischen Spiele 1996 und den teilnehmenden US Athleten angelegt worden - sie ist wunderschön, sehr stil- und geschmackvoll angelegt. Große Grünflächen in Abwechslung mit ruhigen, üppig bepflanzten Ruhezonen, tolle Skulpturen und Wassergärten. Wir nutzen die Anlage etwas später nochmals, um vom Besuch der World of Coca Cola auszuruhen.

Am 6. Juni 1887 lässt sich der Apotheker John Pemperton sein Rezept für ein belebendes Erfrischungsgetränk patentrechtlich schützen, verkaufte jedoch zwei Tage später Zweidrittel seiner Rechte an Asa Griggs Candler um seine Morphiumsucht zu befriedigen. Knapp ein Jahr später verstirbt er in Atlanta. Das verbliebene Drittel vermachte Pemperton seinem Sohn Charley. Asa Candler zog sich in die Politik zurück, wurde Bürgermeister von Atlanta und vermachte seinen Verwandten 90 Prozent der Aktien. Sein Sohn Howard Candler verkaufte 1919, hinter dem Rücken seines Vaters, das Unternehmen an ein Konsortium.

Der rasante Aufstieg von Coca Cola ist jedoch auf die Geschäftstätigkeit von Asa Candler zurückzuführen. Er investiert enorme Summen in die Werbung und belebt die Marke mit ungewöhnlich vielen Streuartikeln, wie Thermometer, Streichholzschachteln, Kalendern, Basballkarten und Metallschildern. Im Grunde hat sich bis heute nicht viel an der Strategie des Coca Cola Konzerns geändert. Coca Cola arbeitet mit Emotionen und schafft es, sich damit in die Köpfe der Konsumenten zu verankern. “Holidays are coming” ... natürlich mit dem roten Weihnachtstrucks und dem Coca Cola Weihnachtsmann 🎅. Uns hat die Coca Cola Welt allerdings weniger gut gefallen. Zu flach, zu viel Merchandise.


Nach der eingangs beschriebenen Auszeit im Centennial Olympic Park laufen wir durch die wenigen alten Straßenzüge von Historic Atlanta und steigen in das Streetcar (Trambahn) nach Sweet Auburn. Der Stadtteil ist (leider) sichtbar ein Afroviertel, überwiegend heruntergekommene Backstein- oder Holzhäuser, tendenziell schmuddelig, auffällig sichtbare und hörbare Pimpcars.

Die Ansage der Straßenbahn verkündet: next stop Martin Luther King Historic site. Wir steigen aus, lassen den MLK National Historic Site Park auf der linken Seite liegen und wenden uns direkt dem Martin Luther King National Urban Park zu. Hier befindet sich das Grab von Dr. King und seiner Frau Coretta Scott Williams. In der dazugehörigen Gedenkstätte tauchen wir in das Leben der beiden ein. Neben den markanten Lebensstationen gibt es persönliche Gegenstände, Schriftstücke, Auszeichnungen, einschließlich dem Friedensnobelpreis, zu sehen. Die Anlage ist würdevoll, sehr dezent und mitnehmend gestaltet.

Bei einem kleinen Spaziergang um den Block der Gedenkstätte fragen wir uns allerdings, ob es diese Vision war, von welcher Dr. King träumte. Es riecht extrem nach Weed, es wird sichtbar mit Drogen gehandelt, fragwürdige Typen hängen herum und junge, attraktive Damen warten auf Kundschaft. Das Szenenbild, wie bereits beschrieben, schmuddelig, heruntergekommen und destruktiv.

MLK hat viel für die Rechte der Afroamerikaner gekämpft und gegeben - am Ende sein Leben. Nach seinem Tod hat Coretta Scott Williams unermüdlich für die Verwirklichung der „I have dream“ Vision gearbeitet. Die Vereinigten Staaten hatten einen afroamerikanischen Präsidenten und damit den sichtbaren Beweis, dass der Traum von Gleichheit und Gleichberechtigung Wirklichkeit ist. Dennoch sind es diese typischen afroamerikanischen Viertel, die uns auf unseren Reisen in den vergangenen 10 Jahren auffallen und wir stellen uns die Frage, worauf warten diese Menschen? Haben sie MLK verstanden? Hat Dr. King davon gesprochen, dass der Traum vor die Tür getragen wird oder war es vielmehr eine Vision, dass jeder, der mutig und Willens ist zu träumen und für seine Träume hart zu arbeiten in einem Amerika seine Ziele verwirklichen kann, egal welcher ethnischen Rasse der Mensch angehört.

Wir haben den Traum als lebendige Wirklichkeit gesehen, als Polizeibeamte in Bosten, Studenten in Yale und Princeton, Bussfahrer in Philadelphia, Krankenschwestern in Baltimore , als Mitarbeiter bei Harley-Davidson in York, als Nationalpark Ranger in Shenandoah und den Great Smokey Mountains, als Angestellte der Bank of America in Charlotte, als Hotel Manager in Atlanta - nicht zu letzt als die vielen Kinder, die unbeschwert miteinander in öffentlichen Parkanlagen spielen und lachen.

Bilder aus Atlanta gibt es hier.

Knoxville - eine kleine Überraschung

Wir verlassen die Great Smokey Mountains in Richtung Westen und damit auch den Bundesstaat North Carolina. Unsere heutige Route in Richtung Chattanooga bietet verschiedene Optionen. Wir entscheiden uns über Knoxville, Tennessee zu fahren und werden positiv überrascht.

Um Zeit zu sparen nutzen wir den Interstate 40, welcher durch die Smokey’s verläuft. Der Himmel ist strahlend blau und dennoch hängen in einigen Tälern weiße Wolken, begleiten uns noch eine ganze Weile, bevor wir in die Ebene fahren.

Auch das Gebiet des heutigen Knoxville wies bereit seit 1.000 B.C. menschliche Population auf und gehörte später zum Populationsgebiet der Cherokee Indianer. Nach der Besiedelung durch Einwanderer entwickelte sich rasch die landwirtschaftliche Nutzung - Tabak, Korn und der lokal hergestellte Whiskey waren begehrte Handelswaren. Der Tennessee-River und der weitere Ausbau der Eisenbahn ließen Knoxville bereits früh zum Handelsstandort heranwachsen, insbesondere mit den weiter im Süden liegenden Baumwollanbaugebieten.

Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg entwickelte sich auch produzierendes Gewerbe, vorallem Textil-, Nahrungsmittel, Möbel- und Stahlproduktion. Die Weltwirtschaftskrise und regelmäßige Überschwemmungen durch den Tennessee River machten Landwirtschaft und Industrie jedoch schwer zu schaffen. Mit der Gründung der Tennessee Valley Authority (TVA) und dem Bau von Dämmen konnten Überschwemmungen begrenzt und die Kraft des Flusses zur Energiegewinnung genutzt werden.

Aus seinem Dornröschenschlaf erwachte Knoxville erst mit der Weltausstellung 1982. Heute verfügt Knoxville mit 19.000 registrierten Geschäftseinheiten, darunter 700 produzierenden Unternehmungen, der Universität von Tennessee und dem TVA Headquarter, über eine solide Grundlage.

Die Straßen von Knoxville zeigen sich sauber, gepflegt und belebt. In der schönen alten Manufaktur Architektur (Old City) befinden sich tolle Loft Appartements und Büros. Drumherum und mittendrin Cafés, Restaurants, Geschäfte aber auch kleine Kunstgalerien. Die Gay Street bietet sich mit wunderbarer Antebellum Architektur für Hotels, Banken, Immobilienmakler und Geschäften als Top Adresse in der Stadt an. Das ehemalige Weltausstellungsgelände wird in den Sommermonaten als Eventfläche genutzt. Rund 28.000 Studenten geben der 200.000 Einwohner zählenden Stadt einen immer wiederkehrenden frischen Einfluss.

Die Smokey Mountains, keine Stunde Fahrt entfernt, den Tennessee River vor der Tür, hat die Stadt einen hohen Freizeitwert und wirkt auf uns in Summe so attraktiv, dass wir ein wenig ins Spinnen kommen, ob nicht einer unserer Arbeitgeber, welcher hier eine Niederlassung unterhält, eine Option wäre, um eine Zeit lang in den USA zu arbeiten und zu leben. ... das will gründlich und in Ruhe weiterverfolgt werden....

Nach unserem 2-stündigen Stadtspaziergang geht es weiter in Richtung Chattanooga. Wir fahren abseits des Interstate durch die landschaftlich schöne Tennessee Overhill Region, links die Berge - rechts der Fluss. Wunderschön.

A98B9C8D-B0D1-497F-9183-5643FA86DCE7.jpeg

Bilder aus Knoxville gibt es hier.

Great Smokey Mountains

Der Highway 74 trägt uns aus Charlotte heraus, zurück in die Appalachen. Auf dem Weg in die Berge passieren wird den Luftkurort Asheville. Hier stünde das schlossartige Anwesen einer der reichsten US Familien, den Vanderbilts, zur Besichtigung. Wir entscheiden uns kein Wasser in den vollen Pool zu kippen und  tauchen stattdessen lieber in die Bergwelt der Great Smokey Mountains ein.

Mit 76.000 Hektar das größte zusammenhängende Mischwaldgebiet der Vereinigten Staaten. Blauer Dunst liegt über den Bergen, kein Smog moderner Zivilisation! Der bläuliche Dunst entsteht durch von Pflanzen “abgeatmete” natürliche Gase. Die Cherokee Indianer nannten die Berge ,shah-con-ah-jey’, so viel bedeutend wie: Platz des blauen Dunst.

Große Teile der Smokey’s gehören zum National Park Service und zu einem Internationalen Biospheren Reservat. Die höchste Erhebung, der Clingmans Dome misst 2025 Meter. Wie auch die Shenandoah Mountains entstanden die Great Smokey Mountains bereits vor gut einer Billion Jahren. Was wir heute von den Appalachen noch sehen, ist der “Rest” eines gigantischen Gebirges, welches mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Urkontinent Pangea zurück reicht.

Seit gut 14.000 Jahren wird die Region von Native American’s bewohnt. Aus ihnen gingen die Cherokee Indianer hervor, welche zur Zeit der Siedler weitgehend die gesamte Region als ihre Heimat kontrollierten. Zunächst gelang es den Siedlern und Cherokees friedlich mit- und nebeneinander her zu leben. Man betrieb Handel und lernte von den kulturell unterschiedlichen Lebensweisen. Cherokee Indianer waren beispielsweise in puncto Gleichberechtigung der Geschlechter weit den Siedlern voraus. Frauen wurden nicht verheiratet, sondern suchten sich ihren Partner aus der Gemeinschaft aus. Auch in den Bereichen der ehelichen Fürsorge und Sexualität herrschte Gleichberechtigung. 

Das friedliche Miteinander hielt nicht lang stand. Bekannt unter der Bezeichnung ‘Trail of Tears’ erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts eine gewaltvolle  Zwangsumsiedlung der Cherokee in Richtung Westen. Viele Tausende fanden auf diesem Trail durch Hunger, Kälte, Qual und seelischer Erschöpfung den Tod. Bis Anfang der 1970iger Jahre versuchte man die Identität der Native American’s vollständig auszulöschen. In sogenannten boarding schools, man könnte diese auch als Internate zur Zwangsumerziehung bezeichnen, wurden den Indianer unter Strafandrohung untersagt, ihre Sprache zu sprechen und ihre Kultur zu pflegen.

Heute leben wieder 300.000 Cherokee in der Region. Eigene Schulen und Universitäten versuchen die unterdrückte Kultur wiederzubeleben. Dies gelingt sichtbar zumindest in Museen, wie dem Cherokee Museum im Ort Cherokee. Als ethnische Gemeinschaft wurden die Natives jedoch seit der Vertreibung aus ihren Lebensräumen einer eigenen Weiterentwicklung beraubt.

Heute steht ihnen ein “freies” Leben zu. Reservate sind Hoheitsgebiete der Natives und dennoch wirken die Indianer fragmentiert und um ihre Identität beraubt. Das Geschäft mit dem Glücksspiel und der Tourismus dienen als Einnahmequelle und lassen die Natives in ihren Reservaten mehr recht als schlecht leben. Ein Anknüpfen an bzw. Weiterentwickeln ihrer Jahrtausende alten Kultur ist bis heute nicht mehr gelungen.

Bilder aus den Smokey’s gibt es hier.

Winston-Salem, NC

Von Charlottesville aus fahren wir gute 3.5 Stunden entlang der Appalachen, weiter in Richtung Süden, überqueren die Staatsgrenze und befinden uns nun im US Bundesstaat North Carolina. Je näher wir unserem heutigen Ziel kommen, um so mehr fallen uns große Plantagen mit Tabakpflanzen auf. Es ist drückend heiß, 95 Grad Fahrenheit, hohe Luftfeuchtigkeit, im üppigen Grün zirpen die Singzikaden - echtes Südstaatenfeeling.

Unser Hotel, das Brookstown Inn, eine alte Textilfabrik aus roten Ziegeln passt zu dieser wunderbaren Südstaatenstimmung. Wir sind in der Twin-City Winston-Salem. Einst waren beide Ort voneinander getrennt. Salem geht auf deutsche Einwanderer der Moravian Kirche zurück, wurde 1753 von August Gottlieb Spangenberg gegründet. In Erinnerung an Nikolaus Ludwig von Zinsendorf, Bischof der Moravian Kirche, benannte Spangenberg die Region Wachovia (Wachau). Der Name Salem leitet sich von Shalom (Frieden) aus dem Buch Genisis ab. 

Typisch für Orte der Moravianer, wurde um einen zentralen Platz herum gebaut an dessen Seiten sich die Kirche, das Haus der Brüder (hier lebten unverheiratete Männer ab dem 14 Lebensjahr), sowie das Haus der Schwestern befand. Zunächst lebten in Salem ausschließlich Moravianer. Dies änderte sich erst nach dem amerikanischen Bürgerkrieg.

Winston geht auf einen von Salem im Jahr 1849 gekauften, nördlich liegenden Landabschnitt zurück, welcher zunächst als County-Town bezeichnet wurde und später, in Erinnerung an einen lokalen Bürgerkriegshelden (Joseph Winston) in Winston umbenannt wurde.

Auf dem Gebiet von Old Salem befindet sich heute ein großes Freilichtmuseum mit zahlreichen, originalen Bauten aus der Zeit der Gründung des Ortes. In den einzelnen Häusern wird den Besuchern das Leben der Menschen in den unterschiedlichen Epochen seit der Gründung vermittelt. Wir haben uns einige der Häuser und damit verbundenen Geschichten angesehen und angehört, sind dabei immer wieder auf deutsche Spuren gestoßen und haben gelernt, wie aufwendig Quilts gefertigt wurden, haben in der Bäckerei geholfen, gesehen wie alte Lang- und Kurzschusswaffen hergestellt werden und erfuhren viele über den Alltag einer Familie in der Zeit um 1840.

Die Häuser in Downtown Winston-Salem erzählen eine Geschichte, die auf eine große Zeit schließen lässt. Tatsächlich war Winston-Salem einmal ganz groß und ganz vorn dabei, galt sogar als achtgrößter Port of Entry, obwohl gut 350 km von der Atlantikküste entfernt. Zu verdanken hat Winston-Salem dies einem gewissen R.J. Reynolds. Jetzt sollte es bei erfahrenen Tabakgenießern allerspätestens klingeln. In den späten 1890iger Jahren begann dieser R.J. Reynolds hier ein Imperium aufzubauen, welches bis in die 1980iger Jahre sein Höhepunkt fand. Zwei Markennamen spielen hier eine große Rolle, beide über die Grenzen der USA hinaus bekannt: Winston und Camel. Richtig, Zigaretten.

Über die Jahre hinweg, wechselte die Firma mehrmals den Besitzer und wurde über verschiedene Firmenstrukturen nahezu zugrunde gerichtet. Die Bestrebungen der Gesundheitspolitik in den USA und Europa trugen ihren restlichen Teil dazu. Das Ergebnis dieser Politik sehen wir heute in Form von fälschlicherweise verharmlosten E-Zigaretten. Der Mensch als Individuum schätzt nun einmal den Genuss - daran werden auch noch so viele law suits nichts ändern.

Seit 2004 sind alle außerhalb der Staaten verkauften Zigaretten der Marken Winston, Salem und Camel, Produkte der Japan Tobacco, während R.J. Reynolds schlussendlich im Jahr 2017 einen Merger mit British American Tobacco einging. Die Fabrikation der Produkte wurde aus Winston-Salem nach Tobacoville, North Carolina verlegt.

Neben oder besser gesagt im Windschatten des Tabakimperiums R.J. Reynolds entstanden in Winston-Salem weitere große Unternehmungen. Beispielsweise Hanesbrands Inc. (Wonderbra, Champion, Playtex, Bali, L´eggs) mit weltweit 63.000 Mitarbeitern und Wachovia Bank and Trust - gekauft von Wells Fargo Bank, Mc Lean Truck Company (1986 unter chapter 11 schlussendlich in Konkurs gegangen),  Piedmont Airline, welche von US Airways gekauft wurde und Krispy Kreme Doughnuts.

Es ist der Aufstieg und teilweise Niedergang dieser großen, teilweise international bekannten Unternehmen und deren Geschichten, welche in Winston-Salem spürbar und sichtbar sind. Heute umfasst Winston-Salem gut 250.000 Einwohner und investiert im Wake Forest Innovation Quarter kräftig in eine neue vielversprechende Zukunft - die Nano-, High- und Biotechnologie.

Wir haben auf unseren Reisen durch die USA viele solcher Orte kennengelernt und können die Zugkraft hinter dem Slogan „Make America great again“ verstehen und nachvollziehen.

Bilder aus Old-Dalem gibt es hier.

Blue Ridge Mountains, Shenandoah River

„Almost heaven, West Virginia

Blue Ridge Mountains, Shenandoah River

Life is old there, older than the trees

Younger than the mountains, blowing like a breeze“


Der Skyline Drive bringt uns vom Haupteingang des Nationalparks hinauf auf die Blue Ridge Mountains und ja, es ist fast ein bisschen wie im Himmel. In Fahrtrichtung Süden liegt links Virginia und rechts West Virginia. In der Ferne die Berge, immer in einem blauem Dunstschleier eingehüllt, der ihnen auch den Namen einbrachte.

Als Teil der Appalachen Gebirgskette, welche sich nahezu vertikal auf einer Länge von gut 2.400 Kilometern durch den nordamerikanischen Kontinent erstreckt, gehören diese Berge zu den ältesten der Erdgeschichte. Ihre Entstehung geht zurück auf die Zeit von Pangäa, also vor gut einer Milliarde Jahren. Menschliches Leben gab es in den Bergen bereit 10.000 B.C.

Die Blue Ridge Mountains trennten zur Zeiten der Neubesiedelung des nordamerikanischen Kontinents den bereits erforschteren Osten vom unbekannten, wilden Westen. Indianerstämme lebten weniger in den Bergen, sie bevorzugten die fischreichen Gewässer des Shenandoah River (Tochter der Sterne). Mit der zunehmenden Besiedlung durch die Europäer stieg der Raubbau der Natur rasch an und brachte das Ökosystem fast zum erliegen. Seit 1936 gehört das Gebiet zum National Park Service und wurde damit unter Schutz gestellt.

Die Natur konnte sich erholen und so gilt das Ökosystem als nahezu vollständig wieder hergestellt. Es ist ein üppig grüner Urwald aus vielen verschiedenen Laubbäumen, wenigen Nadelbäumen und unzähligen Bodendeckern. Auch die Fauna ist artenreich, von Rehen, Bären, Opossums über Klapperschlangen, Forellen, Schildkröten bis hin zu Rotschwanz-Adlern und wilden Truthähnen.

Der Nationalpark ist, wie jeder der US Nationalparks, hervorragend gepflegt und perfekt für kleine, mittlere und mehrtägige Wanderausflüge angelegt. Sie erlauben eine Mischung aus Natur zum Anfassen und Entdecken, wobei 95% der Fläche unzugängliche Natur ist und damit Schutz und Lebensraum für Flora und Fauna bieten.

Wir parken unser Auto bei Mile 42, Skyland heißt der Abschnitt und wandern entlang eines Rundwanderweges, erholen uns in der Stille, treffen auf einen jungen Rehbock und genießen den Ausblick über die Berge bis hinunter in das Shenandoah Valley. In meinem Kopf summt der County Evergreen von John Denver herum. 🥰

Am Highway 33 verlassen wir den Shenandoah NP und fahren am späten Nachmittag unserem heutigen Ziel, der Universitätsstadt Charlottsville entgegen. In gut einer Woche werden wir nochmals in die Appalachen, den Great Smokey Mountains, eintauchen.

Bilder, am besten mit „Take Me Home, Country Roads“ zu genießen, gibt es hier.

Baltimore... weit weg von Charm City

Ich kann mich gar nicht entscheiden, wie ich unseren stop-over in Baltimore bewerten soll. Einerseits bietet die Stadt, trotz des Großfeuers im Jahr 1904 wunderbar erhaltenen Architektur der Antebellum Periode, andererseits ist die Stadt, vor allem in den um Downtown liegenden Stadtvierteln, in einem desolaten Zustand.

Die Mordrate war zweimal, 1993 und 2015, landesweit die Höchste, insbesondere unter der afroamerikanischen Bevölkerung. Afroamerikaner stellen mit > 60% Anteil die größte Gruppe im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Bei der Einfahrt in die Innenstadt fällt uns diese Bevölkerungsgruppe durch ihr Verhalten auf den Straßen leider sehr negativ auf. 

Immerhin oder glücklicherweise haben wir unser Hotel, das Lord Baltimore, in Mitten von Downtown gewählt und können somit den Spätnachmittag im mehrfach neu strukturieren Hafengelände verbringen. Die Piers sind schön angelegt, alte Fabrikgebäude und neue Architektur sind perfekt verschmolzen, bieten Geschäfte und Restaurants.

Baltimore ist eine kreisfreie Stadt. Der Hafen gehört zu den 5. Größten der USA, die John Hopkins University hat insbesondere im Bereich der Medizin einen hervorragenden Ruf. Das Gelände der Universität und Kliniken ist im Verhältnis zur Stadtfläche extrem groß. Neben der Universität und dem Hospital zählt Under Armour zu den Unternehmen mit höherem Bekanntheitsgrad.

Nach einem ausgiebigen Hafenspaziergang und Abendessen ziehen wir uns dann in unser historisches Hotel zurück und verlassen am darauffolgenden Morgen Baltimore in Richtung Front Royal am Fuß des Shenandoah Nationalparks.

Bilder aus Baltimore findet ihr hier.

Die Straßen von Philadelphia

Heute ist es gar nicht so einfach meinen Blog Beitrag so zu schreiben, dass ihr einen umfassenden Eindruck von Philadelphia, so wie ich es gesehen habe, erhaltet.

Ich starte den heutigen Tag mit einem morgendlichen Lauf genau in jenen Straßen, die Bruce Springsteen besingt. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, den Song nicht während meines Laufs zu spielen und dennoch geistert die Melodie und der Text rasch in meinem Kopf herum. Sonntagmorgens ist noch nicht viel Leben in Downtown Philadelphia. Die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg in die Häuserschluchten. Vor den Hoteleingängen stehen die Portiers in ihren Uniformen. Einige Anliefer–LKWs sind unterwegs, touristische Frühaufsteher und Menschen, welche die heiße Nacht auf den Straßen verbracht haben. Es sind nicht wenige und viele sind wirklich heruntergekommen, in einem sehr erbärmlichen Zustand – selten habe ich so heruntergekommene Obdachlose gesehen.

Zurück im Hotel ist immer noch Stille und Dunkelheit im Zimmer. Zeit, dass ich den Morgen herein lasse!

Wir starten unseren Tag im INHP, den Independence National Historic Park. Der Park ist eine großzügige Anlage, mit Besucherzentrum und Parkanlage. Die Anlage, welche vom Nationalpark Service betrieben und verwaltet wird, so wie alle zugehörigen Gebäude und Museen, ist Tip Top in Schuss - darauf legen die Amerikaner großen Wert. Am nördlichen Ende des Independence National Historic Parks befindet sich das National Constitution Center, am südlichen die Independence Hall.

Was viele nicht wissen, sowohl die Unabhängigkeitserklärung, als auch die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika wurden hier in Philadelphia entworfen und von den 13 Gründungsstaaten unterzeichnet. Es war der Sommer im Jahr 1778, der den Grundstein für die USA legte. Wir nehmen an einer sehr interessanten Führung durch die Independence Hall teil und erfahren historische Grundlagen, bevor wir genau jenen Raum betreten, in welchem beide so bedeutsamen Dokumente erarbeitet und unterzeichnet wurden. Geschichte zum Anfassen, die auch unseren Teenagern Spass macht.

Vom INHP aus laufen wir durch die feuchte und drückende Mittagshitze hinunter zum Delaware River, welcher die Staatsgrenze zwischen New Jersey und Pennsylvania markiert, tauchen ein, in eine kleine Gasse mit dem Namen Elfreth‘s Alley. Hier befinden sich noch wenige, englisch-irisch geprägte Häuser aus der ganz frühen Gründungszeit Philadelphias im Jahr 1682. Ein gewisser William Penn und die ihm zugehörige Quäker Gruppe sind die Väter der Stadt.

Aus Old Town bewegen wir uns zurück in Richtung nördliches Ende des  Independence National Historic Parks, vorbei am Betty Ross Haus und der kleinen Friedhofsanlage der Christ Church. Hier liegt Benjamin Franklin begraben. Eine Gedenktafel neben seinem Grab zeigt die Meilensteine seines Lebens auf - sehr beeindruckende Etappen! Wer sich übrigens gerade beim Lesen gefragt hat, wer Betty Ross war: sie hat die erste Flagge der Vereinigten Staaten genäht - 13 Sterne im Kreis angeordnet, sowie die bekannten Streifen.

Wir steigen in die U-Bahn Market, Ecke 5te Straße ein und fahren zurück nach Downtown, Ausgang City Hall. Das Rathaus gleicht eher einem Schloss oder einer Festung. Sein 167m hoher Rathausturm ist weithin sichtbar. Im Dilworth und Love Park hinter dem Rathaus legen wir Pausen ein und jeder genießt das bunte Treiben auf seine Weise. Die Teens werden wieder für kurze Zeit zu Kindern und erfrischen sich in der Brunnenanlage, Susann streckt die Beine aus sonnt sich und ich suche Motive für Bilder. 

Die Hitze ringt uns trotz Pause einen erfrischenden Stop in unserem Hotel ab, wo wir uns für gut 2 Stunden ausruhen und erst am späten Nachmittag nochmal in die Straßen von Philadelphia bewegen. Im Independence Biergarten kehren wir schlussendlich zum Abendessen ein und schlendern in der Dämmerung zurück.

Mein morgendlicher Blick auf die Straßen von Philadelphia hat viele Färbungen bekommen. Mir fällt auf, dass sich die Stadt lebendig, von seiner Architektur abwechslungsreich, und mit seinen vielen Museen als sehr attraktiv zeigt. Ja, auch die Obdachlosen gehören zu diesen Facetten einer US amerikanischen Großstadt. Wer die Ostküste bereist, sollte nicht nur NYC und Washington D.C. auf seinem Reiseplan haben, sondern unbedingt auch Philadelphia.

Bilder aus den Straßen von Philadelphia findet Ihr hier.

Yale - Bulldogs

New Haven, ebenfalls von puritanischen Einwanderern im Jahr 1636 gegründet, wirkt an sich eher durchschnittlich, wäre da nicht der in Downtown dominierende Campus der Yale Universität. Allein wegen dieser schönen und altehrwürdigen Gebäude lohnt es sich hier einen Stop einzulegen.

Ich weiß nicht genau, was es ausmacht aber der Campus gefällt mir auf Anhieb richtig gut. Ein Flair, wie man es aus Filmen kennt, verbreitet sich. Junge Menschen kommen an, rollen mit ihren Koffern und den Eltern im Schlepptau über das Gelände. Sie werden von den letztjährigen Neuankömmlingen in auffällig roten Shirts in Empfang genommen. Einige werfen sich im Gelände ein paar Bälle zu, andere verbreiten Partystimmung und auch die ruhigeren Charakter sind vertreten. Die Gebäude sind still, lassen die gotischen Mauern sprechen und verbreiten einen Hauch intellektueller Dominanz.

Ich bin ein wenig traurig, dass ich schon so alt bin und diese besonderen Jahre nicht mehr genießen kann. Gleichzeitig freue ich mich, meine Kinder durch diese Zeit begleiten zu können. Beide sind ebenfalls sehr angetan und könnten sich vorstellen hier zu studieren oder das College zu besuchen. Susann und ich schauen uns an und denken vermutlich beide daran, nach dem Urlaub Gespräche zur Gehaltsanpassung durch Aufbau einer geschickten Ja-Kette zu führen. 😬🤑

Den gut zweistündigen Spaziergang durch Yale beenden wir mit einem Strafzettel für eine abgelaufene Parkuhr im Wert von 25 USD. Wir deuten das als ein Zeichen und werden uns diesen ersten Strafzettel in Yale aufheben. Bleibt vielleicht nicht der letzte!

Yale Bilder gibt es hier.

Von Providence nach New Haven

Providence, die Hauptstadt des kleinsten US Bundesstaates, Rhode Island, hatte ich bisher nie auf dem Zettel. Mir ging es sicher wie vielen, irgendwie hat man den Namen bereits gehört, es fehlt einem jedoch ein Bild vor den Augen. Für mich hat sich dies mit dem heutigen Tag geändert und wer sich die Bilder zum Blogeintrag ansieht bekommt ebenfalls einen ersten Eindruck.

Im Jahr 1636, von dem aus Boston vor der Anklage der Ketzerei geflohenen Roger Williams gegründet, entwickelte sich Providence bis um 1900 zu einer der vermögensten Städte der USA. Insbesondere durch Handel, Textil-, Werkzeug- und Industrieproduktion getrieben. Große Namen der Zeit waren: Brown & Sharpe, Corliss Steam EngineCompany, Babcock & Wilcox, Grinnell Corporation, Gorham Manufacturing Company, Nicholson File und Fruit of the Loom. Heute dominieren vor allem die Brown University, das Government sowie großen Kliniken den Arbeitsmarkt.


Die Stadt wirkt in meinen Augen übersichtlich und etwas verschlafen. Irgendwie hat Providence einen besonderen Charme und Charakter, der von den vielen, sehr alten Gebäuden aus der Zeit des Art Deco Stils ausgeht. Einige der Häuser sind in top Zustand, andere “under construction”, wenige wirken verlassen. Dennoch fehlt es mir an etwas mehr Leben in der Stadt. Es sind deutlich weniger Menschen auf den Straßen, Touristen sind kaum vorhanden und es fehlt an den sonst typischen Geschäften und der Geschäftigkeit.

Nach gut 2 Stunden steigen wir in unseren Urlaubswagen, übrigens ein Infiniti XQ60 und nehmen Ziel auf New Haven. Zunächst dem Interstate 95 folgend, biegen wir dann in Clinton, CT auf den Highway 1 ab und folgen dann dem 146iger. Eine großartige Entscheidung. Wir fahren durch eine fast schon schrecklich kitschige Landschaft - Neu England wie aus dem Bilderbuch. Häuser und Örtchen, zum Träumen schön. Die Zeit scheint hier nahezu stehen geblieben. Beim Anblick kommt man ins Träumen von einem Leben in einer kleinen, heilen Welt.

Am späten Nachmittag erreichen wir New Haven, entscheiden uns aber dem Ort, insbesondere dem Campus der Yale Universität, erst morgen einen Besuch abzustatten. Wir haben ja schließlich Urlaub und wollen uns Zeit geben, Gesehenes zu verarbeiten. Bei einem Abendessen im Städtchen Milford sitzen wir auf der weißen Veranda eines kleinen, für New England typischen Hauses und genießen mit den Anwohnern den milden Freitag Abend bei Grillengezirpe und leckerem Essen.

Bilder findet ihr hier.