Leaving on a jet plane

All my bags are packed I'm ready to go

I'm standin' here outside your door...

Already I'm so lonesome I could die.

So kiss me and smile for me, tell me that you'll wait for me

Hold me like you'll never let me go...


Es waren wieder einmal wunderbare Wochen mit vielen Eindrücken und Erlebnissen. Atlanta macht es uns heute einmal schwerer goodbye zu sagen, begrüßt uns am Morgen mit strahlend blauem Himmel und herrlich warmer Sonne. Unser Flug zurück nach Europa startet erst am Abend, sodass wir hier noch einen ganzen Tag die Zeit genießen können.

Den Vormittag verbringen wir in Midtown, schlendern durch die Straßen, genießen die Ruhe (es ist Labor Day, ein Feiertag), trinken einen kühlen Caramel Macchiato und lassen den Gedanken freien Lauf. Jogger sind unterwegs, Hunde gehen gassi, Paare tun es uns gleich. Wir kommen am alten Fox Theater vorbei, einem Tempelbau, welchen Filmmogul Fox erwarb, zum Kino umfunktionierte und hier die Verfilmung von „Vom Winde verweht“ uraufführte. Üppige und hervorragend gepflegte Grünanlagen machen den Spaziergang zwischen Bürohochhäusern, Apartmenthäusern und kleinen Parkanlagen zum Augenschmaus. Gegen Mittag sind wir von der North Avenue aus die zwei U-Bahnstationen zurückgelaufen, machen uns im Hotelzimmer frisch und schlüpfen in unsere Reiseklamotten.

Noch immer haben wir Zeit, fahren durch noble Wohnviertel in den Suburbs, zum Atlanta History Center. Hier tauchen wir in einem didaktisch hervorragend aufbereiteten Museum in die Geschichte Atlantas ein. Erzählt werden die Meilensteine der Stadt, auch bezugnehmend auf die bedeutendsten Abschnitte der Geschichte der Vereinigten Staaten. Dabei greift das Museum auf große und kleine Begebenheiten verschiedener Einwohner der Stadt zurück, zeigt Dokumente, Exponate, lädt ein in einen Friseursalon aus den 50iger Jahren, umreist die Sport- und Musikgeschichte, lässt Zeitzeugen und deren Aufzeichnungen zu Wort kommen und erweckt die Geschichte zum Leben.

Wir verbringen hier gut 2.5 Stunden - ein schöner Abschluss dieses Urlaubs, auf welchem uns die Geschichte der Vereinigten Staaten und die Geschichten hinter der Geschichte immer wieder begleitet haben.

Mir fällt es in diesem Jahr besonders schwer 😥loszulassen und wieder zurückkehren. Zunehmend mehr entsteht in mir der Wunsch, einen Teil meines Lebens hier zu verbringen, zu arbeiten, zu leben, noch einmal einen ganz neuen Abschnitt mit vielen Herausforderung zu beginnen.

Ein kleines Haus in den Südstaaten mit Veranda, üppig grünem Rasen, dem Auto auf der Einfahrt geparkt, im Sommer dem Singen der Zikaden zu lauschen, ein kühles Bud Light am Abend zu genießen und Freitags zum Essen in die Sportsbar zu gehen. Klingt für viele vielleicht trivial, mich erfüllt diese Vorstellung jedoch mit einem enormen Gefühl von Glück.

Goodbye Amercia 🇺🇸, see you on christmas🎄.

Atlanta - I have a Dream

Nachdem wir uns gestern in Atlanta Midtown fast ein bisschen verliebt haben, waren wir natürlich sehr gespannt, mehr von Atlanta zu sehen.

Mit MARTA, ging es ab nach Downtown. Bereits in der U-Bahn fallen uns seltsam be(ver)kleidete Menschen auf, die sich in Charaktere aus Manga, SiFi und Comicfilmen verwandelt haben, mal mehr, mal weniger gelungen. Wir steigen Peachtree Station aus und sind quasi die Minderheit nicht verkleideter Menschen. Es ist Dragon Con in Atlanta - dass erklärt alles! Wir amüsieren uns ein wenig über die seltsamen Gestalten und sind recht froh, dass die Masse direkt ins Conversation Center abbiegt. Check, die sind wir los.

Unser Weg führt uns in den Centennial Olympic Park. Die Parkanlage ist zu Ehren der 100. Olympischen Spiele 1996 und den teilnehmenden US Athleten angelegt worden - sie ist wunderschön, sehr stil- und geschmackvoll angelegt. Große Grünflächen in Abwechslung mit ruhigen, üppig bepflanzten Ruhezonen, tolle Skulpturen und Wassergärten. Wir nutzen die Anlage etwas später nochmals, um vom Besuch der World of Coca Cola auszuruhen.

Am 6. Juni 1887 lässt sich der Apotheker John Pemperton sein Rezept für ein belebendes Erfrischungsgetränk patentrechtlich schützen, verkaufte jedoch zwei Tage später Zweidrittel seiner Rechte an Asa Griggs Candler um seine Morphiumsucht zu befriedigen. Knapp ein Jahr später verstirbt er in Atlanta. Das verbliebene Drittel vermachte Pemperton seinem Sohn Charley. Asa Candler zog sich in die Politik zurück, wurde Bürgermeister von Atlanta und vermachte seinen Verwandten 90 Prozent der Aktien. Sein Sohn Howard Candler verkaufte 1919, hinter dem Rücken seines Vaters, das Unternehmen an ein Konsortium.

Der rasante Aufstieg von Coca Cola ist jedoch auf die Geschäftstätigkeit von Asa Candler zurückzuführen. Er investiert enorme Summen in die Werbung und belebt die Marke mit ungewöhnlich vielen Streuartikeln, wie Thermometer, Streichholzschachteln, Kalendern, Basballkarten und Metallschildern. Im Grunde hat sich bis heute nicht viel an der Strategie des Coca Cola Konzerns geändert. Coca Cola arbeitet mit Emotionen und schafft es, sich damit in die Köpfe der Konsumenten zu verankern. “Holidays are coming” ... natürlich mit dem roten Weihnachtstrucks und dem Coca Cola Weihnachtsmann 🎅. Uns hat die Coca Cola Welt allerdings weniger gut gefallen. Zu flach, zu viel Merchandise.


Nach der eingangs beschriebenen Auszeit im Centennial Olympic Park laufen wir durch die wenigen alten Straßenzüge von Historic Atlanta und steigen in das Streetcar (Trambahn) nach Sweet Auburn. Der Stadtteil ist (leider) sichtbar ein Afroviertel, überwiegend heruntergekommene Backstein- oder Holzhäuser, tendenziell schmuddelig, auffällig sichtbare und hörbare Pimpcars.

Die Ansage der Straßenbahn verkündet: next stop Martin Luther King Historic site. Wir steigen aus, lassen den MLK National Historic Site Park auf der linken Seite liegen und wenden uns direkt dem Martin Luther King National Urban Park zu. Hier befindet sich das Grab von Dr. King und seiner Frau Coretta Scott Williams. In der dazugehörigen Gedenkstätte tauchen wir in das Leben der beiden ein. Neben den markanten Lebensstationen gibt es persönliche Gegenstände, Schriftstücke, Auszeichnungen, einschließlich dem Friedensnobelpreis, zu sehen. Die Anlage ist würdevoll, sehr dezent und mitnehmend gestaltet.

Bei einem kleinen Spaziergang um den Block der Gedenkstätte fragen wir uns allerdings, ob es diese Vision war, von welcher Dr. King träumte. Es riecht extrem nach Weed, es wird sichtbar mit Drogen gehandelt, fragwürdige Typen hängen herum und junge, attraktive Damen warten auf Kundschaft. Das Szenenbild, wie bereits beschrieben, schmuddelig, heruntergekommen und destruktiv.

MLK hat viel für die Rechte der Afroamerikaner gekämpft und gegeben - am Ende sein Leben. Nach seinem Tod hat Coretta Scott Williams unermüdlich für die Verwirklichung der „I have dream“ Vision gearbeitet. Die Vereinigten Staaten hatten einen afroamerikanischen Präsidenten und damit den sichtbaren Beweis, dass der Traum von Gleichheit und Gleichberechtigung Wirklichkeit ist. Dennoch sind es diese typischen afroamerikanischen Viertel, die uns auf unseren Reisen in den vergangenen 10 Jahren auffallen und wir stellen uns die Frage, worauf warten diese Menschen? Haben sie MLK verstanden? Hat Dr. King davon gesprochen, dass der Traum vor die Tür getragen wird oder war es vielmehr eine Vision, dass jeder, der mutig und Willens ist zu träumen und für seine Träume hart zu arbeiten in einem Amerika seine Ziele verwirklichen kann, egal welcher ethnischen Rasse der Mensch angehört.

Wir haben den Traum als lebendige Wirklichkeit gesehen, als Polizeibeamte in Bosten, Studenten in Yale und Princeton, Bussfahrer in Philadelphia, Krankenschwestern in Baltimore , als Mitarbeiter bei Harley-Davidson in York, als Nationalpark Ranger in Shenandoah und den Great Smokey Mountains, als Angestellte der Bank of America in Charlotte, als Hotel Manager in Atlanta - nicht zu letzt als die vielen Kinder, die unbeschwert miteinander in öffentlichen Parkanlagen spielen und lachen.

Bilder aus Atlanta gibt es hier.

Finally - Atlanta

Wir sind in Atlanta, der Schlussetappe unserer Reise durch den mittleren Osten der USA angekommen. Auf uns warten noch zwei Tage in der Hauptstadt des US Bundesstaates Georgia.

Den heutigen Spätnachmittag haben wir in Midtown verbracht. Der Stadtteil liegt nördlich von Downtown und bietet architektonisch eine eigene Skyline. Es ist eine Mischung aus Office- und Appartementstadteil, welcher zu unserer Überraschung erfrischend lebendig und freundlich auf uns wirkt. Die Gebäude und Straßen sind tip-top gepflegt, schöne Grünanlagen, Skulpturen und Parkanlagen machen Midtown attraktiv und lebenswert.

Wir genießen den Spaziergang durch Teile des Stadtviertels, schlendern durch den Piedmont Park, treffen auf eine schrille LGBT Szene, welche an diesem Labor Day Wochenende Black Gay Pride 🏳️‍🌈feiert.

Bei schönem Spätsommerwetter sitzen wir bis zum Sonnenuntergang im Biergarten der Steamhouse Lounge und essen gemeinsam mit der Neighborhood zu Abend.

Mehr Eindrücke aus Atlanta gibt es morgen.

Knoxville - eine kleine Überraschung

Wir verlassen die Great Smokey Mountains in Richtung Westen und damit auch den Bundesstaat North Carolina. Unsere heutige Route in Richtung Chattanooga bietet verschiedene Optionen. Wir entscheiden uns über Knoxville, Tennessee zu fahren und werden positiv überrascht.

Um Zeit zu sparen nutzen wir den Interstate 40, welcher durch die Smokey’s verläuft. Der Himmel ist strahlend blau und dennoch hängen in einigen Tälern weiße Wolken, begleiten uns noch eine ganze Weile, bevor wir in die Ebene fahren.

Auch das Gebiet des heutigen Knoxville wies bereit seit 1.000 B.C. menschliche Population auf und gehörte später zum Populationsgebiet der Cherokee Indianer. Nach der Besiedelung durch Einwanderer entwickelte sich rasch die landwirtschaftliche Nutzung - Tabak, Korn und der lokal hergestellte Whiskey waren begehrte Handelswaren. Der Tennessee-River und der weitere Ausbau der Eisenbahn ließen Knoxville bereits früh zum Handelsstandort heranwachsen, insbesondere mit den weiter im Süden liegenden Baumwollanbaugebieten.

Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg entwickelte sich auch produzierendes Gewerbe, vorallem Textil-, Nahrungsmittel, Möbel- und Stahlproduktion. Die Weltwirtschaftskrise und regelmäßige Überschwemmungen durch den Tennessee River machten Landwirtschaft und Industrie jedoch schwer zu schaffen. Mit der Gründung der Tennessee Valley Authority (TVA) und dem Bau von Dämmen konnten Überschwemmungen begrenzt und die Kraft des Flusses zur Energiegewinnung genutzt werden.

Aus seinem Dornröschenschlaf erwachte Knoxville erst mit der Weltausstellung 1982. Heute verfügt Knoxville mit 19.000 registrierten Geschäftseinheiten, darunter 700 produzierenden Unternehmungen, der Universität von Tennessee und dem TVA Headquarter, über eine solide Grundlage.

Die Straßen von Knoxville zeigen sich sauber, gepflegt und belebt. In der schönen alten Manufaktur Architektur (Old City) befinden sich tolle Loft Appartements und Büros. Drumherum und mittendrin Cafés, Restaurants, Geschäfte aber auch kleine Kunstgalerien. Die Gay Street bietet sich mit wunderbarer Antebellum Architektur für Hotels, Banken, Immobilienmakler und Geschäften als Top Adresse in der Stadt an. Das ehemalige Weltausstellungsgelände wird in den Sommermonaten als Eventfläche genutzt. Rund 28.000 Studenten geben der 200.000 Einwohner zählenden Stadt einen immer wiederkehrenden frischen Einfluss.

Die Smokey Mountains, keine Stunde Fahrt entfernt, den Tennessee River vor der Tür, hat die Stadt einen hohen Freizeitwert und wirkt auf uns in Summe so attraktiv, dass wir ein wenig ins Spinnen kommen, ob nicht einer unserer Arbeitgeber, welcher hier eine Niederlassung unterhält, eine Option wäre, um eine Zeit lang in den USA zu arbeiten und zu leben. ... das will gründlich und in Ruhe weiterverfolgt werden....

Nach unserem 2-stündigen Stadtspaziergang geht es weiter in Richtung Chattanooga. Wir fahren abseits des Interstate durch die landschaftlich schöne Tennessee Overhill Region, links die Berge - rechts der Fluss. Wunderschön.

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Bilder aus Knoxville gibt es hier.

Great Smokey Mountains

Der Highway 74 trägt uns aus Charlotte heraus, zurück in die Appalachen. Auf dem Weg in die Berge passieren wird den Luftkurort Asheville. Hier stünde das schlossartige Anwesen einer der reichsten US Familien, den Vanderbilts, zur Besichtigung. Wir entscheiden uns kein Wasser in den vollen Pool zu kippen und  tauchen stattdessen lieber in die Bergwelt der Great Smokey Mountains ein.

Mit 76.000 Hektar das größte zusammenhängende Mischwaldgebiet der Vereinigten Staaten. Blauer Dunst liegt über den Bergen, kein Smog moderner Zivilisation! Der bläuliche Dunst entsteht durch von Pflanzen “abgeatmete” natürliche Gase. Die Cherokee Indianer nannten die Berge ,shah-con-ah-jey’, so viel bedeutend wie: Platz des blauen Dunst.

Große Teile der Smokey’s gehören zum National Park Service und zu einem Internationalen Biospheren Reservat. Die höchste Erhebung, der Clingmans Dome misst 2025 Meter. Wie auch die Shenandoah Mountains entstanden die Great Smokey Mountains bereits vor gut einer Billion Jahren. Was wir heute von den Appalachen noch sehen, ist der “Rest” eines gigantischen Gebirges, welches mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Urkontinent Pangea zurück reicht.

Seit gut 14.000 Jahren wird die Region von Native American’s bewohnt. Aus ihnen gingen die Cherokee Indianer hervor, welche zur Zeit der Siedler weitgehend die gesamte Region als ihre Heimat kontrollierten. Zunächst gelang es den Siedlern und Cherokees friedlich mit- und nebeneinander her zu leben. Man betrieb Handel und lernte von den kulturell unterschiedlichen Lebensweisen. Cherokee Indianer waren beispielsweise in puncto Gleichberechtigung der Geschlechter weit den Siedlern voraus. Frauen wurden nicht verheiratet, sondern suchten sich ihren Partner aus der Gemeinschaft aus. Auch in den Bereichen der ehelichen Fürsorge und Sexualität herrschte Gleichberechtigung. 

Das friedliche Miteinander hielt nicht lang stand. Bekannt unter der Bezeichnung ‘Trail of Tears’ erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts eine gewaltvolle  Zwangsumsiedlung der Cherokee in Richtung Westen. Viele Tausende fanden auf diesem Trail durch Hunger, Kälte, Qual und seelischer Erschöpfung den Tod. Bis Anfang der 1970iger Jahre versuchte man die Identität der Native American’s vollständig auszulöschen. In sogenannten boarding schools, man könnte diese auch als Internate zur Zwangsumerziehung bezeichnen, wurden den Indianer unter Strafandrohung untersagt, ihre Sprache zu sprechen und ihre Kultur zu pflegen.

Heute leben wieder 300.000 Cherokee in der Region. Eigene Schulen und Universitäten versuchen die unterdrückte Kultur wiederzubeleben. Dies gelingt sichtbar zumindest in Museen, wie dem Cherokee Museum im Ort Cherokee. Als ethnische Gemeinschaft wurden die Natives jedoch seit der Vertreibung aus ihren Lebensräumen einer eigenen Weiterentwicklung beraubt.

Heute steht ihnen ein “freies” Leben zu. Reservate sind Hoheitsgebiete der Natives und dennoch wirken die Indianer fragmentiert und um ihre Identität beraubt. Das Geschäft mit dem Glücksspiel und der Tourismus dienen als Einnahmequelle und lassen die Natives in ihren Reservaten mehr recht als schlecht leben. Ein Anknüpfen an bzw. Weiterentwickeln ihrer Jahrtausende alten Kultur ist bis heute nicht mehr gelungen.

Bilder aus den Smokey’s gibt es hier.

Queen City

Nach zwei Tagen Sommer, Sonne, Strand und Meer hat es uns weitergezogen. Von der Atlantik Küste aus zurück in Richtung Piedmont Region ist unser heutiges Ziel die Stadt Charlotte in North Carolina. Vielen ist diese Stadt kein großer Begriff, obgleich sie sich über das letzte Jahrzehnt deutlich entwickelt hat und nach New York zweitbedeutenster Finanzplatz der USA ist.

Ihren Namen verdankt Charlotte der Prinzessin von England und Irland, Gemahlin von Georg III, König von England und Irland. Daher stammt auch der Nickname „Queen City“. Im Übrigen ist Charlotte auch Verwaltungssitz des Mecklenburg County. Wer jetzt Mecklenburg in Deutschland im Sinn hat liegt goldrichtig! Besagte Prinzessin von England war Charlotte von Mecklenburg-Strelitz.

Bei einem Rundgang durch Uptown oder Center City fällt auf, dass die Stadt, frisch, sauber, jung und agil wirkt. Viele Endzwanziger sind auf den Straßen, sie strömen schick aber nicht spießig angezogen aus den Bürogebäuden. Es sind die Angestellten der Bank of America (Headquarter), Wells Fargo (Eastcoast Headquater), Microsoft  (Eastcost Headquarter), Atrium Health (Headquarter), um nur einige der großen Arbeitgeber zu nennen, die sich auf den Weg nach Hause machen, jedoch nicht bevor sie in einer der schicken Bars and Grills einen Happen gegessen bzw. einen Drink genommen haben. Ich hätte im Übrigen nicht auf die Uhr schauen müssen um zu wissen, dass es gegen 5:00pm sein muss. Das ist für US Großstädte typisch - gegen fünf Uhr ist Schluss!

Wie nehmen uns etwas Zeit und verweilen im Romare Bearden Park, einer modernen, sehr gepflegten Parkanlage. Was uns erst hier auffällt aber für die gesamte Innenstadt gilt, es gibt kaum Obdachlose, die auf den Straßen oder in den Parkanlagen liegen. Sehr untypisch für boomende Großstädte weil man in solchen als Obdachloser eine sichere Einnahmenquelle findet. Ich habe dies rasch einmal nachgelesen und erfahren, dass die Zahl der obdachlosen Personen im Mecklenburg County seit 2010 um 26% und zwischen 2016 und 2017 um 12% zurückgegangen ist. Aktuell gelten 1.476 Menschen im Mecklenburg County als Obdachlos. Die Metro Region Charlotte umfasst 2.700k Einwohner.

Auf dem Weg zum Abendessen kreuzen wir Wohnviertel außerhalb Uptowns. Typische Südstaaten Häuser mit eingewachsenen Gärten, singenden Zikaden und den schönen Veranden. Unser Abendessen passt zum Eindruck der Stadt. Wir sind im Flower Garden, ein modernes Restaurant mit charmanten Kantinencharakter. Es gibt healthy food, vegetarisch und auch vegan. Die mit uns speisende Community ist Ende Zwanzig, auf die gesunde, sportlich betonte Außenwirkung bedacht und ohne Kinder. 

Im Gesamten wirkt Charlotte auf uns so, wie Seattle und Portland immer beschrieben und gehyped werden. Mit einem Unterschied, hier trifft es zu!

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Bilder aus der Queen City gibt es hier.

Charming Charlottesville

Im Piedmont, dem hügeligen Land zwischen der Atlantikküste und den Appalachen liegt die kleine Universitätsstadt Charlottesville, einstige Hauptstadt des US Bundesstaats Virginia und Geburtsort des 3. US Präsidenten Thomas Jefferson.

Jefferson, der vor seiner Präsidentschaft als Außenbeauftragter der USA in Frankreich lebte, gründete in Charlottesville die University of Virginia und entwarf die Gebäude nach den architektonischen Merkmalen von Palladio. Der Campus ist als Kleinstadt konzipiert, auf welchem Studierende und Professoren lernen, lehren und leben. Im Zentrum steht eine riesige Rotunde, ein Meisterwerk klassizistischen Bauens in der USA, welche sowohl als Bibliothek und Vorlesungssaal genutzt wird.

Der Campus und seine Umgebung sind in der Tat eine kleine eigene Welt. Wir haben an diesem Wochenende das besondere Glück zu erleben, wie die Studenten des Jahrgangs 2023 neu ankommen und bereits ältere Jahrgänge aus den Sommerferien zurückkommen. Es ist ein wenig wie in amerikanischen Teenagerfilmen. Ich stehe auf der Straße, warte auf meine Lieben, die sich gerade ein kühles Getränk bei Starbucks erstehen und betrachte das bunte Teenagertreiben.

An einem kleinen Klapptisch sitzend, verteilen Studenten Flyer für die Studentenverbindung. Aus einem vorbeifahrenden Auto kreischt und winkt ein Mädchen heraus, worauf die Mädchen am Stand freudig zurück kreischen. An mir vorbei laufen gut gemischt: sportliche Kerle, schüchterne Mädchen, Nerds und Visco-Girls, die vollständige Klaviatur kitschiger Studentenschaft ist vorhanden.

Bei einem Spaziergang über den Campus treffen wir auf die Neuen, die mit Eltern oder Großeltern im Schlepptau in ihre Studentenwohnungen einziehen. Wir bekommen Einblicke in die niedlichen, kleinen Studentenappartments und spätestens jetzt bin ich wieder ein wenig frustriert, schon so alt zu sein. Die Apartments befinden sich direkt am Lawn (Grünfläche im Zentrum des Geländes) in einem hufeisenförmig um den Lawn angelegten Gebäude mit langen Kolonnadengängen. Es sind Zweibettzimmer mit Doppelstockbetten, einem Tisch in der Mitte, gegenüber der Doppelstockbetten ein kleiner Kamin. Jedes Apartment in welches wir hineinschauen können, ist ein kleiner Kosmos studentischen Lebens. 🥰Ich schaue meinen beiden Teenagern in die Augen 😍und verstehe sofort, dass beide ebenso verzaubert sind und ein solches Studentenleben erleben möchten. 

Wir laufen noch ein wenig über den Campus und genießen die aufregende Stimmung der Neuen, bevor wir uns auf den Weg nach Winston-Salem, NC machen.

Bilder aus Charlottesville gibt es hier.

Baltimore... weit weg von Charm City

Ich kann mich gar nicht entscheiden, wie ich unseren stop-over in Baltimore bewerten soll. Einerseits bietet die Stadt, trotz des Großfeuers im Jahr 1904 wunderbar erhaltenen Architektur der Antebellum Periode, andererseits ist die Stadt, vor allem in den um Downtown liegenden Stadtvierteln, in einem desolaten Zustand.

Die Mordrate war zweimal, 1993 und 2015, landesweit die Höchste, insbesondere unter der afroamerikanischen Bevölkerung. Afroamerikaner stellen mit > 60% Anteil die größte Gruppe im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Bei der Einfahrt in die Innenstadt fällt uns diese Bevölkerungsgruppe durch ihr Verhalten auf den Straßen leider sehr negativ auf. 

Immerhin oder glücklicherweise haben wir unser Hotel, das Lord Baltimore, in Mitten von Downtown gewählt und können somit den Spätnachmittag im mehrfach neu strukturieren Hafengelände verbringen. Die Piers sind schön angelegt, alte Fabrikgebäude und neue Architektur sind perfekt verschmolzen, bieten Geschäfte und Restaurants.

Baltimore ist eine kreisfreie Stadt. Der Hafen gehört zu den 5. Größten der USA, die John Hopkins University hat insbesondere im Bereich der Medizin einen hervorragenden Ruf. Das Gelände der Universität und Kliniken ist im Verhältnis zur Stadtfläche extrem groß. Neben der Universität und dem Hospital zählt Under Armour zu den Unternehmen mit höherem Bekanntheitsgrad.

Nach einem ausgiebigen Hafenspaziergang und Abendessen ziehen wir uns dann in unser historisches Hotel zurück und verlassen am darauffolgenden Morgen Baltimore in Richtung Front Royal am Fuß des Shenandoah Nationalparks.

Bilder aus Baltimore findet ihr hier.

A 1903 Legend

Wir sind in York, PA. Der Ort geht auf die Zeit um 1700 zurück, dass älteste Haus aus dieser Zeit, die Golden Plough Tavern, erbaut von 1741 von einem deutschen Einwanderer Namens Martin Eichelberg steht noch immer im heutigen Zentrum der Kleinstadt.

Viel Getümmel ist in den Straßen nicht los und dennoch herrscht Betriebsamkeit in der Kleinstadt. Sehr auffällig sind üppige und gut erhaltene Bauwerke aus dem 18ten und 19ten Jh., welche darauf schließen lassen, dass die Kleinstadt bereits in früheren Zeiten mehr als ein Fleck auf der Landkarte war. Aus der Geschichte geht hervor, dass York sowohl im Unabhängigkeitskrieg, als auch im Bürgerkrieg strategisch bedeutsame Stellung eingenommen hat. Zudem profitierte die Stadt im 19ten und 20ten Jh. von der industriellen Fertigung.

Motorradfans unter meinen Lesern werden jedoch hellhörig, wenn sie den Namen York, PA lesen. Hier in York steht eine der größten Fertigungsanlagen des legendären Motorradherstellers, Harley-Davidson. Wer meinen Reiseblog verfolgt, der weiß, dass wir in jedem Jahr einem typisch amerikanischen Industriezweig einen Werksbesuch abstatten. Jawohl, in diesem Jahr ist es die Fertigung bei Harley-Davidson.

Eines sei zuvor erwähnt. Ich besitze keinen Motorradführerschein und habe bisher wenig Herzblut für Motorräder übrig gehabt. Wir schlüpfen in Warnwesten und tragen Sicherheitsüberschuhe, legen ein Headset an, folgen zunächst aufmerksam den Sicherheitsinstruktionen unseres Tourguides und bekommen einen Imagefilm zur Marke H-D zu sehen. Dann geht es los, die Tür öffnet sich und wir stehen in den Fertigungshallen.

Alles beginnt mit der Verformung des guten US-amerikanischen Stahls aus Ohio. Große Pressen verformen diesen in Schutzbleche und Tankhälften. Laser cutten den Überstand ab, die zwei Hälften des Tanks werden von Robotern zum Tank zusammengefügt. Weiter geht es zur Rahmenfertigung. Die Rohteile werden von einem Mitarbeiter in eine spezielle Form gespannt, den Rest übernehmen die Schweißroboter. Auf der anderen Seite der Maschine kommt der Rahmenrohling heraus. Es sind drei Grundrahmen, aus welchen hier in York die verschiedenen Motorradtypen gefertigt werden.

Nächster Stop ist die Lackiererei. Im Grunde gibt es nicht viel zu sehen, da alle Teile in Reinräumen zunächst gewaschen, grundiert und danach lackiert werden. Auf den Lack wird jedoch größten Wert gelegt und so erfahren wir, dass Bauteile in Multicolor-Ausführung 12 Stunden benötigen, bis diese zur Weiterverarbeitung freigegeben werden. Jedes lackierte oder pulverbeschichtete Bauteil wird aufwendig inspiziert und auf mögliche Mängel überprüft.

Der dritte Abschnitt der Fertigung, welchen wir besichtigen, dient der Endmontage. Wir werden Zeuge, wie sich der nackte Rahmen zum fertigen Kultobjekt verwandelt und sind stets hautnah und nur wenige Schritte vom Fertigungsprozess entfernt. Selbstverständlich arbeitet auch Harley-Davidson mit bereits vorgefertigten Baugruppen, welche teilweise am Standort York oder an anderen Standorten der USA gefertigt werden. H-D fertigt jedoch anders als beispielsweise deutsche Automobilhersteller die Baugruppen selbst.

Jedes Motorrad durchläuft am Ende des Fertigungsprozesses eine letzte Qualitätskontrolle, wobei ca. 1-2% der Motorräder tiefer gehenderen Qualitätschecks zugeführt werden. Ist die Qualitätskontrolle durchlaufen wird den Maschinen auf zweierlei Weise Leben eingehaucht. Die Elektronik erhält die Firmware, die Mechanik ihr Benzin. Dann heißt es für jede Maschine: Prüfstand. Auffällige Maschinen werden hier zum letzten Mal inspiziert und korrigiert, danach geht es in die Verladung. Gut 31% der Maschinen werden exportiert. Insbesondere APAC Staaten gehören zu Importeuren.

Die Tour endet nach einer Stunde und hat mich begeistert. NEIN, das stimmt nicht - ich habe mich verliebt 🥰. Sie ist eine Harley-Davidson Sportster, heißt IRON 1200 und geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Bilder aus York, PA gibt es hier.

Dutch Country - eine nahezu CO2 neutrale Welt.

Wir verlassen Philadelphia und tauchen ein in Pennsylvanias Dutch Country. Das Wort „dutch“ wird hier spöttischerweise für den Begriff deutsch genutzt. Gut 25% der Einwohner des Bundesstaates Pennsylvania haben deutschsprachige Vorfahren. Zu den noch heute bekanntesten Einwanderern gehören die Mennoniten und Amish, die sich vor allem im Süden Pennsylvanias, im Lancaster Countty niederliessen. Auf dem Weg zu unserem heutigen Etappenziel York durchqueren wir Lancaster County und tauchen in eine ganz andere Welt ein.

Pennsylvania ist eine landwirtschaftlich sehr fruchtbare Gegend. Ackerbau, Viehzucht, insbesondere Milchviehzucht dominieren. Die kleinen Straßen verlaufen durch eine üppig grüne und hügelige Landschaft. Kleine Farmen rechts und links der Straßen wären an sich keine all zu große Sensation. Das Besondere hier, die Farmen werden noch zu einem recht großen Anteil betrieben wie um 1800. Kein Anschluss an das Stromnetz, keine Landmaschinen, keine Autos, keinerlei Elektronik oder gar elektronische Hilfsmittel.

Schon von weithin sichtbar flattert die zum Trocknen aufgehängte Wäsche in der warmen Sommerluft. Auf den Feldern sieht man Farmer mit ihren Söhnen arbeiten. Sie tragen schlichte einfache Kleidung und strohgelbe Hüte auf dem Kopf. Pferdekutschen mit fröhlichen jungen Mädchen klappern über die Straßen. Die Damen tragen weiße, manchmal schwarze Hauben auf dem Kopf und ebenso schlichte Kleider. Die Haube gibt Auskunft darüber, welchen Familienstand die Mädchen haben.

Alles hier wirkt wie in einer kleinen, schon längst vergessenen Welt. Ich fühle mich zum Teil wie ein Zeitreisender und erwische mich beim Begaffen der Menschen, was mir irgendwie sehr peinlich ist. Es ist faszinierend und verwunderlich zugleich, dass es Menschen gibt, die im 21.ten Jahrhundert noch immer ein so einfaches und man kann sagen basales Leben führen. Die Gesichter, in die wir schauen, sind glücklich und zufrieden. Ich glaube fast, zufriedener und glücklicher als viele jener, denen wir in Philadelphia begegnet sind.

Möglicherweise liegt das Glück tatsächlich in der Einfachheit des Lebens. Jeder in der Gemeinschaft der Amische besucht eine 8-Klassenschule und beginnt danach eine Art Praktikumszeit zur Ausbildung und Herausbildung persönlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten, welche er oder sie danach auslebt. Insbesondere die Handwerkskunst der Zimmerei und der Tischlerei beherrschen viele Amische wie kaum ein Anderer. Die Frauen verfügen über hervorragende Fertigkeiten in der Handarbeit. Aufwendige handgefertigte Bettwaren, Kissenbezüge und Decken in einer wunderbaren Qualität. Die Landwirtschaft und die jeweiligen handwerklichen Fertigkeiten dienen dem Selbsterhalt der Gemeinschaft und tragen zum Erwerb der Gemeinschaft bei.

Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Amische des Lancaster County sind wahre Bioqualität und benötigen keine fragwürdigen Zertifikate. Die Kühe stehen sichtbar auf den Weiden, Hühner gaggern durch die Gärten, die Felder werden mit menschlicher und tierischer Muskelarbeit bestellt.

Der Ertrag ist so groß und die Qualität so gut, um u.a. als Zulieferer für den nahe gelegenen und sehr bekannten Schokoladenproduzenten Hersheys, in Hershy zu fungieren. Darüberhinaus sind die landwirtschaftlichen und handwerklichen Erzeugnisse weithin bekannt und begehrt. Ich träume schon lange von einem schönen, handgefertigten Quilt für unser Bett.😴

Um den Glücksfaden wieder aufzunehmen, es ist vermutlich das sichtbare Ergebnis der Hände Arbeit, das Familienleben und die Achtsamkeit der Gemeinschaft, die den Menschen im Lancaster County Glück und Zufriedenheit zurückgeben. Es gibt keinen Stress, keinen hemmungslosen Konsum, keine Jagd nach dem nächsten Megageschäftsjahr. Es ist ein bescheidenes Leben, im Einklang mit der Welt.

Dieses bescheidene Leben ist es, was einen vom Mensch gemachten Klimawandel hätte verzögert oder zumindest verringert. Jeder, der in Deutschland „Die Grünen“ wählt oder an den Fridays For Future Demonstrationen teilnimmt, der sollte sich überlegen, ob es dieses Leben ist, welches Er, Sie oder „*“ sich wirklich wünscht. Eine moderne Welt, in welcher sich Menschen durch Ablasshandel von ihrer CO2 Belastung freikaufen können, ist ein Lügenkonstrukt zur Beruhigung der Seele. Mit Steuern oder Policies, dem Lieblingswort von Luisa Neubauer, dem Segeln in einem Carbon Sportboot, wie Greta und dem permanenten Gejaule wird das Klima bzw. dessen Wandel sich nicht stoppen lassen und die dazugehörige Jugendbewegung eine Modeerscheinung bleiben.

VERZICHT, SOWIE EINE ABKEHR VOM GRENZENLOSEN GLOBALEN WACHSTUM DURCH ZÜGELLOSEN HANDEL UND KONSUM SIND DIE FAKTOREN, WELCHE EINEN NACHHALTIGEN BEITRAG LEISTEN WÜRDEN!

Bilder aus dem Dutch Country gibt es hier.