Great Smokey Mountains

Der Highway 74 trägt uns aus Charlotte heraus, zurück in die Appalachen. Auf dem Weg in die Berge passieren wird den Luftkurort Asheville. Hier stünde das schlossartige Anwesen einer der reichsten US Familien, den Vanderbilts, zur Besichtigung. Wir entscheiden uns kein Wasser in den vollen Pool zu kippen und  tauchen stattdessen lieber in die Bergwelt der Great Smokey Mountains ein.

Mit 76.000 Hektar das größte zusammenhängende Mischwaldgebiet der Vereinigten Staaten. Blauer Dunst liegt über den Bergen, kein Smog moderner Zivilisation! Der bläuliche Dunst entsteht durch von Pflanzen “abgeatmete” natürliche Gase. Die Cherokee Indianer nannten die Berge ,shah-con-ah-jey’, so viel bedeutend wie: Platz des blauen Dunst.

Große Teile der Smokey’s gehören zum National Park Service und zu einem Internationalen Biospheren Reservat. Die höchste Erhebung, der Clingmans Dome misst 2025 Meter. Wie auch die Shenandoah Mountains entstanden die Great Smokey Mountains bereits vor gut einer Billion Jahren. Was wir heute von den Appalachen noch sehen, ist der “Rest” eines gigantischen Gebirges, welches mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Urkontinent Pangea zurück reicht.

Seit gut 14.000 Jahren wird die Region von Native American’s bewohnt. Aus ihnen gingen die Cherokee Indianer hervor, welche zur Zeit der Siedler weitgehend die gesamte Region als ihre Heimat kontrollierten. Zunächst gelang es den Siedlern und Cherokees friedlich mit- und nebeneinander her zu leben. Man betrieb Handel und lernte von den kulturell unterschiedlichen Lebensweisen. Cherokee Indianer waren beispielsweise in puncto Gleichberechtigung der Geschlechter weit den Siedlern voraus. Frauen wurden nicht verheiratet, sondern suchten sich ihren Partner aus der Gemeinschaft aus. Auch in den Bereichen der ehelichen Fürsorge und Sexualität herrschte Gleichberechtigung. 

Das friedliche Miteinander hielt nicht lang stand. Bekannt unter der Bezeichnung ‘Trail of Tears’ erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts eine gewaltvolle  Zwangsumsiedlung der Cherokee in Richtung Westen. Viele Tausende fanden auf diesem Trail durch Hunger, Kälte, Qual und seelischer Erschöpfung den Tod. Bis Anfang der 1970iger Jahre versuchte man die Identität der Native American’s vollständig auszulöschen. In sogenannten boarding schools, man könnte diese auch als Internate zur Zwangsumerziehung bezeichnen, wurden den Indianer unter Strafandrohung untersagt, ihre Sprache zu sprechen und ihre Kultur zu pflegen.

Heute leben wieder 300.000 Cherokee in der Region. Eigene Schulen und Universitäten versuchen die unterdrückte Kultur wiederzubeleben. Dies gelingt sichtbar zumindest in Museen, wie dem Cherokee Museum im Ort Cherokee. Als ethnische Gemeinschaft wurden die Natives jedoch seit der Vertreibung aus ihren Lebensräumen einer eigenen Weiterentwicklung beraubt.

Heute steht ihnen ein “freies” Leben zu. Reservate sind Hoheitsgebiete der Natives und dennoch wirken die Indianer fragmentiert und um ihre Identität beraubt. Das Geschäft mit dem Glücksspiel und der Tourismus dienen als Einnahmequelle und lassen die Natives in ihren Reservaten mehr recht als schlecht leben. Ein Anknüpfen an bzw. Weiterentwickeln ihrer Jahrtausende alten Kultur ist bis heute nicht mehr gelungen.

Bilder aus den Smokey’s gibt es hier.

Blue Ridge Mountains, Shenandoah River

„Almost heaven, West Virginia

Blue Ridge Mountains, Shenandoah River

Life is old there, older than the trees

Younger than the mountains, blowing like a breeze“


Der Skyline Drive bringt uns vom Haupteingang des Nationalparks hinauf auf die Blue Ridge Mountains und ja, es ist fast ein bisschen wie im Himmel. In Fahrtrichtung Süden liegt links Virginia und rechts West Virginia. In der Ferne die Berge, immer in einem blauem Dunstschleier eingehüllt, der ihnen auch den Namen einbrachte.

Als Teil der Appalachen Gebirgskette, welche sich nahezu vertikal auf einer Länge von gut 2.400 Kilometern durch den nordamerikanischen Kontinent erstreckt, gehören diese Berge zu den ältesten der Erdgeschichte. Ihre Entstehung geht zurück auf die Zeit von Pangäa, also vor gut einer Milliarde Jahren. Menschliches Leben gab es in den Bergen bereit 10.000 B.C.

Die Blue Ridge Mountains trennten zur Zeiten der Neubesiedelung des nordamerikanischen Kontinents den bereits erforschteren Osten vom unbekannten, wilden Westen. Indianerstämme lebten weniger in den Bergen, sie bevorzugten die fischreichen Gewässer des Shenandoah River (Tochter der Sterne). Mit der zunehmenden Besiedlung durch die Europäer stieg der Raubbau der Natur rasch an und brachte das Ökosystem fast zum erliegen. Seit 1936 gehört das Gebiet zum National Park Service und wurde damit unter Schutz gestellt.

Die Natur konnte sich erholen und so gilt das Ökosystem als nahezu vollständig wieder hergestellt. Es ist ein üppig grüner Urwald aus vielen verschiedenen Laubbäumen, wenigen Nadelbäumen und unzähligen Bodendeckern. Auch die Fauna ist artenreich, von Rehen, Bären, Opossums über Klapperschlangen, Forellen, Schildkröten bis hin zu Rotschwanz-Adlern und wilden Truthähnen.

Der Nationalpark ist, wie jeder der US Nationalparks, hervorragend gepflegt und perfekt für kleine, mittlere und mehrtägige Wanderausflüge angelegt. Sie erlauben eine Mischung aus Natur zum Anfassen und Entdecken, wobei 95% der Fläche unzugängliche Natur ist und damit Schutz und Lebensraum für Flora und Fauna bieten.

Wir parken unser Auto bei Mile 42, Skyland heißt der Abschnitt und wandern entlang eines Rundwanderweges, erholen uns in der Stille, treffen auf einen jungen Rehbock und genießen den Ausblick über die Berge bis hinunter in das Shenandoah Valley. In meinem Kopf summt der County Evergreen von John Denver herum. 🥰

Am Highway 33 verlassen wir den Shenandoah NP und fahren am späten Nachmittag unserem heutigen Ziel, der Universitätsstadt Charlottsville entgegen. In gut einer Woche werden wir nochmals in die Appalachen, den Great Smokey Mountains, eintauchen.

Bilder, am besten mit „Take Me Home, Country Roads“ zu genießen, gibt es hier.

Humboldt County to Fort Bragg

California is calling! Wir verlassen Humboldt County und fahren den 101 weiter südlich. Nach San Francisco, dem Ziel unserer diesjährigen Tour, ist es nicht mehr weit - gerade einmal 299 Miles. Unsere heutige Etappe führt uns jedoch zunächst einmal nach Fort Bragg, einem kleinen Örtchen, gebaut im Western Stil.

Auf unserer 3-stündigen Fahrt bemerken wir immer eindeutiger, dass wir in Kalifornien sind. Die Wälder, immer noch von Redwoods dominiert, verändern sich. Es ist vor allem die Bodenvegetation die weniger dicht und üppig ist. Farne gibt es nicht mehr. Da, wo die Wälder weniger dicht sind, typische, vom Sommer vertrocknete Wiesen. Auch das Gestein der Berge verändert sich, es wirkt mehr wie Basalt. Es gibt die typischen, ebenfalls im Sommer ausgetrockneten Flüsse, deren Breite jedoch erahnen lässt, welche Wassermassen im Frühjahr in Richtung Pazifik fließen.

Wir finden einen kleinen Fluß, welcher noch reichlich klares Wasser führt. Es ist gar nicht so kühl und Paul beschließt kurzerhand, die willkommene Erfrischung zum Schwimmen zu nutzen. Nach der kleinen Pause zweigt unsere Route vom 101 ab und schlängelt sich entlang des Highway Number 1. Wir erreichen Fort Bragg am Nachmittag. Hatten wir am Vormittag wärmende Sonne und wirklich sommerliche Temperaturen, verspüren wir in Fort Bragg die frische Brise des Pazifiks. Es scheint, dass die Stürme über Hawaii kühle, pazifische Lufmassen vorantreiben und zumindest küstennah die Strömungen warmer kalifornischer Inlandsluft zurückdrängen.

Fort Bragg selbst hat keine gigantischen Sehenswürdigkeiten. Eine Umweltschande aus den frühen 50iger Jahren macht Abschnitte des heutigen Strandes zu etwas Besonderem - Glass Beach. Einst wurde städtischer Müll einfach im Meer verklappt. Den tausenden von Glasflaschen nahm sich der Pazifik an, brach das Glas und schliff es durch die unermüdlichen Wellenbewegungen zu kleinen, runden Glassteinen. Im Sonnenlicht soll der Strand fantastisch glitzern. Prüfen konnten wir das heute nicht. Mal schauen, ob morgen früh die Sonne scheint.

Patricks Point State Park

Oh wie herrlich kuschelig sind wir heute morgen in unserem süßen, kleinen Häuschen mitten im Wald wach geworden. Ich bin husch einmal kurz aus dem Bett geschlüpft, habe die Gastherme angeschmissen, um dann noch einmal zu schlummern. Ein Halbes- oder vielleicht Dreiviertelstündchen später zieht bereits der Duft frischen Kaffees durch den Raum - hmmm. 

Wir gehen es heute etwas ruhiger an. Gemütliches Frühstücken, kein Ortswechsel und dennoch wollen wir uns bewegen und etwas von der Umgebung entdecken. Gegen Mittag brechen wir zu einer kleinen Wanderung in den Patricks Point State Park auf. Der Wanderweg ist als Rundweg angelegt und führt weitgehend entlang der Steilküste. Immer wieder gibt es die Möglichkeit nach einem Abstecher an den Strand hinunter oder auf Felsen hinauf. Wir nehmen alle mit, bleiben an schönen Aussichten stehen oder sitzen. Entdecken handtellergroße Seesterne, dösende Seehunde; beobachten Vögel und träumen ein wenig.

Nach der knapp dreistündigen Wanderung entschließen wir uns auch den Abend nicht auswärts zu verbringen, holen uns ein paar Dosen Dr.Pepper, Pizza, Obst und süße Schweinereien - alles was wir für einen gemütlichen Abend im kleinen Häuschen benötigen.  

Von Newport nach Bandon

Der Morgen startet im Hafen von Newport. Es riecht nach Meer, Salz und Fisch. Die Kutter sind am Morgen zurückgekehrt und im Hafen wird der Fang verarbeitet. Lachse, Tunfische und Krabben. Wir sitzen in einem Cafè, frühstücken und beobachten das Treiben. Heute muss auf jeden Fall noch frischer Fisch auf den Tisch!

Nach einem kleinen Spaziergang durch Newport geht es auf den 101. Die Straße hält heute für uns so unterschiedliche Eindrücke und Bilder bereit, wie ich sie mir nicht vorgestellt habe. Flache Küstenabschnitte mit breiten Sandstränden, wechseln auf steile und zerklüftete. Die Luft ist erstaunlich mild. Wir steigen oft ein und aus - genießen die Strandspaziergänge. Zwischendurch immer wieder endlos tiefe Wälder, soweit das Auge blicken kann.

Kleinere und größere Fischerdörfer begleiten uns auf dem Weg. Manche sind niedlich schön, laden zu einem Schaufensterbummel ein, andere lassen wir an der Straße zurück. Die Gegend war über viele Jahrzehnte hinweg von Fischfang und Holzindustrie bestimmt. Nicht jeder Ort hat den Umschwung in den Tourismus als Einnahmequelle geschafft. Solche, die den Weg frühzeitig in Richtung Tourismus eingschlagen haben, werden mit Urlaubern und Pensionären und deren Geld belohnt - das sieht man beispielsweise im kleinen Örtchen Florence.

Dicht hinter Florence beginnt die größte Dünenlandschaft der USA, der Oregon Dunes National Park. Schier endlos weit und hoch scheinen Dünen. Wir wandern durch einen Abschnitt dichter Vegetation. Herrliche Kiefernwälder und typische Dünensträucher. Im Hintergrund das Rauschen des Pazifiks. Herrlich frische, milde Luft. 

Entlang der Straße treffen wir auf ganz unterschiedliche Mitstreiter. Ein Pärchen junger Frauen, unterwegs von Kanada in einem alten VW Bus. Eine Familie aus Frankreich - auf einer 4 Jahre dauernden Weltreise. Urlauber wie wir und Städter auf Kurzurlaub. Was uns auffällt, die Menschen die wir auf der Straße, am Strand  oder in den kleinen Orten treffen sind ausgesprochen freundlich - wie hatten wir das in Seattle und Portland vermisst - das ist die USA, wie wir sie in den letzten 10 Jahren, auf unterschiedlichen Reisen kennengelernt haben.

Am frühen Abend treffen wir in Bandon ein. Das Thermometer ist von 75°F auf 57°F gesunken. Wir checken in unser süßes kleines Motel ein, machen uns frisch und schlüpfen in wärmere Kleidung. Danach kommt, was ich mir am Morgen vorgenommen hatte - frischer Fisch! Diese Nacht wird unsere letzte Nacht in Oregon sein - morgen wechseln wir nach Nordkalifornien.

Von Seattle nach Port Angeles

Wir lassen Seattle und seinen Großraum hinter uns, bewegen uns zunächst südlich nach Tacoma, um von hier aus in Richtung des Highway 101 zu steuern. Dieser bringt uns zu unserem heutigen Etappenziel, Port Angeles.

Tacoma hat seinen Namen der indianischen Bezeichnung des heutigen Mount Rainier zu verdanken. Sie nannten ihn Mount Tahoma. Der Berg gehört zu den aktiven Vulkanen der USA und ist an vielen Tagen sowohl von Seattle, als auch von Tacoma aus zu sehen. Wir haben den Vulkan seit unserer Ankunft noch nicht einmal zu Gesicht bekommen. Die Fernsicht ist extrem niedrig - die Region plagt sich mit dichten Rauchwolken der diversen Waldbrände in Oregon und Kalifornien.

Tacoma selbst verfügt über einen für die Region wichtigen Cargo Hafen, entsprechend nehmen wir die Optik beim Vorbeifahren als maritim-industriell war. Kurz hinter Tacoma bringt uns die Tacom-Narrow-Bridge über den Puget Sound auf die Halbinsel Kitsap. Die Natur übernimmt, das Landschaftsbild wird von größeren, urigen Waldgebieten bestimmt. Jetzt fühlen wir uns mehr und mehr im Norden der USA angekommen.

Von der Halbinsel Kitsap geht es weiter nach Olympic Peninsula. Der nächste Ort am 101 nennt sich Sequim und bezeichnet sich selbst als Lavendel-Hauptstadt. Von den Lavendelfeldern der vielen kleinen Farmen haben wir optisch nicht viel mitbekommen. Es ist zum einen keine typische Blütezeit, zum anderen war es auch im Norden der USA ungewöhnliche warm. Wiesen und Felder sind, wie in Europa, ziemlich ausgetrocknet.

Normalerweise wären wir die gesamte Fahrt über von den Olympic Mountains begleitet worden. Auch diese sind leider nicht zu sehen und verstecken sich hinter den Rauchschleiern. Sehr schade, da die Straßenführung optisch ein Schmankerl gewesen wäre. So fehlen mir auch schöne fotografische Elemente von unserer heutigen Fahrt.

Am Nachmittag erreichen wir Port Angeles. Ein Spaziergang hilft uns diesen keinen Ort zu erfassen. Port Angeles ist der nördlichste Punkt - in 90 Miles Entfernung befindet sich Kanada. Sequim und Port Angeles fungieren, zumindest in den Sommermonaten als Rückzugsort gut betuchter Bürger aus Seattle. Beide Ort sind klein aber gut gepflegt. Die Temperatur ist hier auch spürbar gesunken und sobald die Sonne untergegangen ist, muss man von kalten Temperaturen sprechen. Diese werden uns in den kommenden 2 Tagen bei der Umrundung der Olympic Halbinsel begleiten.