Atlanta - I have a Dream

Nachdem wir uns gestern in Atlanta Midtown fast ein bisschen verliebt haben, waren wir natürlich sehr gespannt, mehr von Atlanta zu sehen.

Mit MARTA, ging es ab nach Downtown. Bereits in der U-Bahn fallen uns seltsam be(ver)kleidete Menschen auf, die sich in Charaktere aus Manga, SiFi und Comicfilmen verwandelt haben, mal mehr, mal weniger gelungen. Wir steigen Peachtree Station aus und sind quasi die Minderheit nicht verkleideter Menschen. Es ist Dragon Con in Atlanta - dass erklärt alles! Wir amüsieren uns ein wenig über die seltsamen Gestalten und sind recht froh, dass die Masse direkt ins Conversation Center abbiegt. Check, die sind wir los.

Unser Weg führt uns in den Centennial Olympic Park. Die Parkanlage ist zu Ehren der 100. Olympischen Spiele 1996 und den teilnehmenden US Athleten angelegt worden - sie ist wunderschön, sehr stil- und geschmackvoll angelegt. Große Grünflächen in Abwechslung mit ruhigen, üppig bepflanzten Ruhezonen, tolle Skulpturen und Wassergärten. Wir nutzen die Anlage etwas später nochmals, um vom Besuch der World of Coca Cola auszuruhen.

Am 6. Juni 1887 lässt sich der Apotheker John Pemperton sein Rezept für ein belebendes Erfrischungsgetränk patentrechtlich schützen, verkaufte jedoch zwei Tage später Zweidrittel seiner Rechte an Asa Griggs Candler um seine Morphiumsucht zu befriedigen. Knapp ein Jahr später verstirbt er in Atlanta. Das verbliebene Drittel vermachte Pemperton seinem Sohn Charley. Asa Candler zog sich in die Politik zurück, wurde Bürgermeister von Atlanta und vermachte seinen Verwandten 90 Prozent der Aktien. Sein Sohn Howard Candler verkaufte 1919, hinter dem Rücken seines Vaters, das Unternehmen an ein Konsortium.

Der rasante Aufstieg von Coca Cola ist jedoch auf die Geschäftstätigkeit von Asa Candler zurückzuführen. Er investiert enorme Summen in die Werbung und belebt die Marke mit ungewöhnlich vielen Streuartikeln, wie Thermometer, Streichholzschachteln, Kalendern, Basballkarten und Metallschildern. Im Grunde hat sich bis heute nicht viel an der Strategie des Coca Cola Konzerns geändert. Coca Cola arbeitet mit Emotionen und schafft es, sich damit in die Köpfe der Konsumenten zu verankern. “Holidays are coming” ... natürlich mit dem roten Weihnachtstrucks und dem Coca Cola Weihnachtsmann 🎅. Uns hat die Coca Cola Welt allerdings weniger gut gefallen. Zu flach, zu viel Merchandise.


Nach der eingangs beschriebenen Auszeit im Centennial Olympic Park laufen wir durch die wenigen alten Straßenzüge von Historic Atlanta und steigen in das Streetcar (Trambahn) nach Sweet Auburn. Der Stadtteil ist (leider) sichtbar ein Afroviertel, überwiegend heruntergekommene Backstein- oder Holzhäuser, tendenziell schmuddelig, auffällig sichtbare und hörbare Pimpcars.

Die Ansage der Straßenbahn verkündet: next stop Martin Luther King Historic site. Wir steigen aus, lassen den MLK National Historic Site Park auf der linken Seite liegen und wenden uns direkt dem Martin Luther King National Urban Park zu. Hier befindet sich das Grab von Dr. King und seiner Frau Coretta Scott Williams. In der dazugehörigen Gedenkstätte tauchen wir in das Leben der beiden ein. Neben den markanten Lebensstationen gibt es persönliche Gegenstände, Schriftstücke, Auszeichnungen, einschließlich dem Friedensnobelpreis, zu sehen. Die Anlage ist würdevoll, sehr dezent und mitnehmend gestaltet.

Bei einem kleinen Spaziergang um den Block der Gedenkstätte fragen wir uns allerdings, ob es diese Vision war, von welcher Dr. King träumte. Es riecht extrem nach Weed, es wird sichtbar mit Drogen gehandelt, fragwürdige Typen hängen herum und junge, attraktive Damen warten auf Kundschaft. Das Szenenbild, wie bereits beschrieben, schmuddelig, heruntergekommen und destruktiv.

MLK hat viel für die Rechte der Afroamerikaner gekämpft und gegeben - am Ende sein Leben. Nach seinem Tod hat Coretta Scott Williams unermüdlich für die Verwirklichung der „I have dream“ Vision gearbeitet. Die Vereinigten Staaten hatten einen afroamerikanischen Präsidenten und damit den sichtbaren Beweis, dass der Traum von Gleichheit und Gleichberechtigung Wirklichkeit ist. Dennoch sind es diese typischen afroamerikanischen Viertel, die uns auf unseren Reisen in den vergangenen 10 Jahren auffallen und wir stellen uns die Frage, worauf warten diese Menschen? Haben sie MLK verstanden? Hat Dr. King davon gesprochen, dass der Traum vor die Tür getragen wird oder war es vielmehr eine Vision, dass jeder, der mutig und Willens ist zu träumen und für seine Träume hart zu arbeiten in einem Amerika seine Ziele verwirklichen kann, egal welcher ethnischen Rasse der Mensch angehört.

Wir haben den Traum als lebendige Wirklichkeit gesehen, als Polizeibeamte in Bosten, Studenten in Yale und Princeton, Bussfahrer in Philadelphia, Krankenschwestern in Baltimore , als Mitarbeiter bei Harley-Davidson in York, als Nationalpark Ranger in Shenandoah und den Great Smokey Mountains, als Angestellte der Bank of America in Charlotte, als Hotel Manager in Atlanta - nicht zu letzt als die vielen Kinder, die unbeschwert miteinander in öffentlichen Parkanlagen spielen und lachen.

Bilder aus Atlanta gibt es hier.

Surf City USA - Huntington Beach

Den gestrigen Tag haben wir ganz gemütlich oder wie Paul und Emma sagen, ganz gechilled, am Pool begonnen. Frühstücken, sonnen, baden, Seele baumeln lassen. Mehr als 4 Stunden halten wir das allerdings nicht aus und so haben wir uns dann auf den Weg nach Huntington Beach gemacht.

Der Weg, nur knappe 30 Minuten mit dem Auto von unserem Hotel in Anaheim entfernt, hat sich durchaus gelohnt. Huntington Beach präsentiert sich als schicker Surferort und trägt ganz offiziell und sehr berechtigt, den Beinamen Surf City U.S.A. Die Main Street bietet Surfshops und Modegeschäfte, Bars, Cafès und Restaurants. Am Ende kreuzt sie den Highway No. 1 und führt direkt auf die sehr gepflegte Pieranlage.

Von der Pier aus kann man die Weite und Breite des tollen Pazifikstrands von Huntington Beach super erfassen, den Surfen und Anglern zuschauen, die Seele baumeln lassen und einfach so seinen Gedanken hinterher jagen. Das ist ein Stück Kalifornien, wie es sich viele, die noch nier hier waren immer vorstellen. Mir gingen dabei die ganze Zeit die Melodien von Bryan Wilson und den Beach Boys duch den Kopf. Surfin´ U.S.A., Good Vibrations, California Girls ... .

Meinem Sohn Paul, der mit mir direkt im Anschluss unseres Urlaubs den Fischereischein machen wird, waren die Angler ein besonders willkommener Spass und ehe ich mich versah, war Paul im Gespräch mit einem der Männer und hatte schwups, seine Rute in der Hand. Danach gab es kein halten mehr und Paul war für den Rest des Nachmittags bestens aufgehoben. Am Ende waren es 7 Sardellen, die er aus dem Pazifik geangelt hat. Was für ein Spaß!

Den Fang seines Tages, vielleicht Lebens, hatte Aaron, ein nur noch für 3 Tage, wie er berichtete, in Kalifonrien stationierter US Soldat. Unter großem Jubel und voller, ansteckender Euphorie zog er einen doch beachtlichen Thresher Shark aus dem Wasser. Haie gehören hier, wie bei uns Rehe, dazu und so war es auch nicht verwunderlich, dass sich die Surfer nicht viel daraus machten, dass sie in sichtbarer Gesellschaft die Brandung miteinander teilten.

Wir konnten und wollten uns einfach nicht von Huntington Beach losreißen und haben den Sonnenuntergang in einer der Bar-Restaurants genossen. Vielleicht macht Ihr Euch beim anschauen meiner Bilder einen der Beach Boys Titel an und könnt Euch nach Huntington Beach träumen.