Budapest on Segways

Nach der ersten Kontaktaufnahme am gestrigen Tag im Stadtteil Elisabethstadt, steht heute das ganz große Bild auf dem Programm. Wir wollen Budapest in seine Gänze erfassen. Am besten eignen sich dafür Segway Touren. Unsere Tour trägt den Namen After Brunch Segway Tour und startet um 12:00 Uhr ganz in der Nähe der Donau, auf der Pester Seite. Apropos Pester Seite. Die Donau trennt die Stadt in drei Stadtteile Buda, Pest und Óbuda.

Michael, unser Tourguide für die kommenden 3.5 Stunden geht mit uns nochmal die Regeln für das Segway fahren in Budapest durch und dann geht es los. Zunächst von Pest über die Elisabethbrücke, in Richtug Gellert Berg und dem gleichnamigen Denkmal. Gewidmet ist es dem hl. Gellért, der um 1000 herum aus Venedig nach Ungarn kam, um die Christianisierung voranzutreiben. Die heidnischen Ungarn nagelt Ihn kurzerhand an ein Fass und ließen Ihn den Gellert Berg hinunter in die Donau rollen.

Wir lassen uns davon nicht abschrecken und fahren Stromabwärts weiter. Zur linken Hand liegt die Corvinus Universität und dahinter die große Budapester Markthalle. Ihr werden wir am Dienstag einen Besuch abstatten. Auf Höhe des Gellert Hotels biegen wir ab und erklimmen den Gellert Berg. Die Segways schnurren 1A den Berg hinauf. Es geht durch viel grün und ein herrliches Wohnviertel mit schönen Villen, die weitgehend aus der Bauzeit der 70iger Jahre stammen. Oben auf dem Berg angekommen, lässt uns Michael 15 Minuten Zeit die Freiheitsstatue und den großartigen 360 Grad Blick zu genießen.

Bergab gönnen wir den Segways Energierückgewinnung. Sind wir, von der Donau aus gesehen linker Hand auf den Berg hinaufgefahren, geht es nun rechter Hand hinab und damit schnurgerade auf die prächtige Burganlage zu. Hier sieht man, dass selbige zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Es wurde bereits sehr viel investiert und rund um die 1.5 km lange Anlage hergerichtet. Wir fahren zunächst am Fuß der Burganlage die Donau Stromaufwärts. Am Clark Ádám ter rappeln wir im wahrsten Sinne des Wortes über Kopfsteinpflaster hinauf auf die Burg bzw. Schlossanlage.

Erbaut im 13. bis 20. Jhd. und in dieser Zeit dreimal vollkommen zerstört bietet die Burganlage einen Stilmix aus verschiedensten Eppochen. Heute finden Nationalgalerie, Nationalbibliothek und Historisches Museum hier Ihr zuhause. Vorbei am Matthiasbrunnen, der Matthias bei seiner Lieblingsbeschäftigung, der Jagd darstellt geht es entlang des Sándor Palasts, wo gerade die Wachablösung stattfindet. Der Palast ist Amts- und Wohnsitz des Präsidenten. Es geht weiter hinein in das alte Burgviertel, dessen Mittelpunkt die Matthiaskirche und die Fischerbastei bilden. Drumherum die schönen alten Häuser des l. Bezirks, in welchen noch immer 2.500 der gesamt 25.000 Einwohner dieses Bezirks leben. Hier oben gefällt es uns und so schreiben wir uns einen ausführlichen Stadtspaziergang für Pfingstmontag in unser Ausflugsbuch.

Den Burghügel verlassen wir, vorbei an der alten Militärakademie und wieder hinunter an die Donau. Wir fahren in Richtung Margareteninsel, welche im Norden über die nicht so schöne Árpádbrücke zu erreichen ist. Eigentlich ist die Brücke wirklich keiner Rede wert. Eigentlich. Vor knapp zwei Wochen ist sie aber in den Mittelpunkt der Berichterstattung geraten. Ein Passagierschiff der Viking Lines hatte am frühen Abend ein kleines Dinnerschiff übersehen, es zum kentern gebracht und unter sich auf den Grund der Donau gepresst. Dort liegt es noch immer und in ihm die Gäste der Dinnercruise. Der ganze Unfall hat sich in weniger als 10 Sekunden abgespielt und so verwundert es kaum, dass einer der koreanischen Gäste auf dem Dinnerschiff seine Erinnerung wie folgt beschreibt: Ich wollte gerade einen Löffel Gulaschsuppe essen, als ich plötzlich in Mitten von kaltem Donauwasser am Donaugrund eingeschlossen war. Für uns ist es schon ein wenig beklemmende über diese Unfallstelle zu fahren und zu wissen, dass Taucher noch immer im trüben Wasser die Körper der verunfallten Koreaner suchen.😔

Hinter der Brücke biegen wir ab in Richtung Parlament, also wieder Stromaufwärts, vorbei am Parlamentsgebäude und stoppen zum vorletzten Mal auf der Tour. Wir schauen uns das sehr beeindruckend gestaltete Schuhdenkmal an. Unterschiedliche Schuhe stehen einfach so, verlassen am Donauufer. Sie erinnern an die jüdischen Bewohner der Stadt, die einfach verschwunden sind. Sehr kräftig in der Aussage!

Wir tauchen wieder ein in den Pester Stadtteil und fahren zum Ausgangspunkt unserer Tour. Am Szabadsag Square ein letzter Stop. Auch hier ein wirkungsvolles Denkmal an die Besetzung der Stadt durch die deutsche Wehrmacht im 2. Weltkrieg. Ein quadtratisch angelegter Springbrunnen, dessen Seiten sich öffnen und schließen, wenn man sich auf sie zu bewegt. So steht man entweder außerhalb oder innerhalb des Brunnens und ist ein oder ausgeschlossen und doch mittendrin. Besonders schön finde ich, dass Kinder diesen Brunnen als willkommene Abwechslung und Abkühlung nutzen. So sind die Menschen, an welche hier erinnert wird, wieder ein Teil des Lebens und geraten nicht in Vergessenheit.

Nach unserer Segway Tour laufen wir hierher zurück, verbringen den Spätennachmittag im dahinter liegenden Park, in welchem gerade ein Pfingstmarkt stattfindet. Durch die großartigen, von herrschaftlichen Häusern gesäumten Straßen schlendern wir vorbei am Hauptbahnhof wieder in Richtung Hotel. Auf dem Weg kehren wir in die Menza ein. Ein Restaurant im Stil der 70iger und 80iger Jahre. Ich fühle mich wieder in meine Jugend zurückversetzt… nicht nur von dem Ambiente des Restaurants. Davon erzähle ich Euch im nächsten Blogeintrag mehr.

Bilder gibt es hier.