Portland, OR

Die gestrige Tag war eindrucksvoll, die Fahrt nach Portland lang, was den Zwischenstopps im Olympic National Park geschuldet war.  Der Morgen in Portland beginnt "in da hood". Wir wohnen in einem über airbnb angemieteten Haus. Die Gegend ist nett, so wie man es aus amerikanischen Filmen kennt. Wir holen uns einen Kaffee und Sandhexen (Sandwiches) in der Crocery von neben an, dann geht es los in Richtung Downtown.

Portland präsentiert sich aufgeräumter und sauberer wie Seattle. Es lungern kaum Obdachlose herum und es riecht nicht nach Urin - nicht einmal. An Samstagen bietet Portland entlang der Waterfront einen Künstlermarkt. Von hier aus starten wir die Erkundung der Stadt. Auffällig ist, dass es in Downtown Portland kein wirklich zusammenhängendes Viertel mit netten Geschäften und Straßencafès gibt. Obwohl für US Verhältnisse recht klein und kompakt, wirkt die Innenstadt etwas zerrissen. Es gibt den Pearl District, alte Lagerhäuser in neuem Chique beherbergen hippe Läden, Restaurants und Cafés. Einige Blocks weiter Pioneer Place - eher klassisch, mit Courthouse und den bekannten Markenboutiquen wie in jeder Großstadt.

Wir nehmen die Straßenbahn, fahren nach NOB HILL, hier endlich mal eine Straße mit Charakter. Kleinen Boutiquen, Cafés und Coffee Shops. Ja, in Portland darf ganz legal Cannabis konsumiert werden - das riecht man auch an jeder Ecke. Und wo wir schon dabei sind - dementsprechend gestaltet sich die Bevölkerung. Es gibt jede Menge Freaks, Nerds, eine sichtbare LGBT Szene und Hipster. Hierfür und für ihre Radfahrer ist die Stadt in den USA auch bekannt. Ansonsten fallen uns im Gegensatz zu Seattle wieder Familien mit Kindern auf.

Nach dem Bummel durch NOB HILL gönnen wir uns ein wenig Ruhe im Washington Park oberhalb der Stadt. Auf kurz geschnittenem Gras schlummere ich ein wenig unter den Cypressen ein - werde aber jäh aus meinem Nachmittagsschläfchen geweckt - Wespenstich (!) - autsch. Wir nehmen den Bus zurück nach Downtown, laufen zurück ins Parkhaus und fahren in unsere Neighborhood.

Den frühen Abend verbringen wir im ALBERTA ARTS DISTICT. Der Name ist Programm. Es riecht, nein es stinkt nach Pott, das Klientel wirkt leicht schmuddelig und ungepflegt (ist es aber nicht, dass ist hier so) und die Restaurants des Viertels wirken entweder extrem teuer oder verbreiten das Flair einer Schulhofkantine. Dementsprechend schwankt die angebotene Küche von eurasisch bis mexikanisch. Uns zieht es in ein Brauhaus mit amerikanischer Küche.

Brauhäuser gibt es in Portland einige. Die Bevölkerung möchte sich mit allem was geht vom Mainstream absetzen und braut in Micro- und Nanobreweries eigenes Bier. Bloß nicht kommerziell, bloß kein Mainstream. 🙄 Übrigens, das Geld für das hippe Non-Mainstreamleben wird bei Nike und Intel verdient, beide haben ihre Headquarter in Portland und gehören zu den Top-Arbeitgebern.

In Europa wird Portland, wie auch Seattle gehypt. Seattle ist in meinen Augen bereits durchgefallen. Portland fällt nicht durch, bekommt aber von mir ein "muss man nicht zwingend gesehen haben". Freaks, Künstler und Hippies gibt es in vielen Stadtvierteln amerikanischer Großstädte - auch nichts wirklich besonderes. Bleibt Pott rauchen, eine Stadt, die Radwege und eine sichtbare LGBT Szene hat. Ansonsten hat die Stadt mit den Steuereinnahmen aus meiner Sicht wenig gemacht. Die Verkehrsinfrastruktur und die Gebäude der Stadt sind im unteren Durchschnitt der bisher gesehenen US Städte. Es fehlt an städtebaulichem Einfallsreichtum und einer Vision für die Zukunft.