Krakau - Mein Herz geht auf.

Ich bin 42 Jahre alt und gestehe vorweg, ich war noch nie in Polen. Bisher hatte ich keinerlei Bilder im Kopf, die mich reizten Polen zu besuchen. Niemand schwärmte mir vor, dieses Land zu bereisen. Ich frage mich gerade, ob es vielleicht vielen Menschen so geht. Und ihr fragt Euch vielleicht, warum ich mich dennoch entschieden nach Polen zu reisen?

Es ist ein Ritual, welches ich mit meinem Sohn seit vielen Jahren pflege. Einmal im Jahr, reisen wir beide allein in eine europäische Hauptstadt. Vieles haben wir schon gesehen, in diesem Jahr sollte es nun die polnische Hauptstadt Warschau werden. Seit geraumer Zeit hatte ich mir vorgenommen die Gedenkstätte Auschwitz zu besuchen und so entschied ich unsere Reise in diesem Jahr etwas abzuwandeln. Krakau liegt ca. eine Autostunde von Auschwitz entfernt, hat einen Flughafen und bot sich daher als Zwischenziel unserer Reise an.

Als Zwischenziel (!?) - es soll sich herausstellen, was für eine fatale Fehleinschätzung diese Nomenklatur war! Nach einem gut einstündigen Flug landen wir am Johannes Paul II. Flughafen in Krakau. Der Flughafen ist überschaubar aber modern. Unser Fahrer wartet bereits in Ankunftshalle. Er spricht nur polnisch, wir nur englisch und so verständigen wir uns liebenswert unbeholfen mit nette Gesten, Händen und Füßen. Die Autofahrt nach Krakau dauert ca. 30 Minuten. Es geht zunächst durch kleine Dörfer - vieles wirkt ein wenig verschlafen, die Natur ist üppig grün, leicht hügelig. Der Verkehr nimmt langsam zu, die Besiedelung auch und plötzlich sind wir im Stadtgebiet.

Die erste Überraschung - viele alte Häuser, wunderschön hergerichtet, viel grün, einiges an Verkehr, viele Menschen auf den Straßen, ich spüre eine gute Stimmung, die durch die Scheiben unseres Taxis dringt. Das gefällt mir und ich bekomme richtig Lust durch die Straßen zu laufen. Unsere Unterkunft ist ein Apartmenthotel, in einem der alten so schön anzusehenden Häuser. Es befindet sich direkt in Zentrumsnähe. Rasch die Koffer ausgepackt, ein paar Minuten ausruhen und dann möchten Paul und ich los.

Das Zentrum der Altstadt ist von einem grünen, parkartigen, Gürtel mit einer durchschnittlichen Breite von ca. 100 Meter umsäumt. Ein Hauptweg folgt dem grünen Gürtel, viele kleine Wege verzweigen sich. Der alte Laubbaumbestand wirk wie eine grüne Lunge, biete Schutz vor der Sonne. Kinder spielen, alte Menschen sitzen auf Bänken, erzählen, ruhen sich aus, junge Menschen liegen auf den Parkwiesen und schmusen. Mein Herz geht auf.

In den beiden Tagen, die wir Krakau verbringen, werden wir die Altstadt einmal in diesem wunderschönen Parkgürtel umrundet haben. Kleine Straßen durchbrechen die Parkanlage an den Stellen, an welchen früher Einfahrten durch Stadttore möglich waren. Wir nutzen eine dieser Straßen und laufen in Richtung Altstadt und Marktplatz. Mit uns, Touristen aus Aller Herren Länder. Die Gebäude zur rechten und linken Hand sind alle historisch, tip-top in Schuss. Wir laufen auf den Marktplatz zu und sind überwältigt. 

Es ist die Größe, das Leben, die Schönheit, die Architektur, die alte Markthalle in mitten des Platzes - staunend bleiben wir stehen und ich frage mich, wieso Krakau sich vor mir auf der Landkarte versteckt hat. Wir umrunden den Marktplatz mit seinen Cafes, Restaurants und kleinen Geschäften. Es ist bereits 19:00 Uhr aber in der ganzen Altstadt geht es so lebendig zu, als wären wir in einer Megametropole. Es wimmelt angenehm unaufdringlich an Menschen, vor allem junge Menschen sind auf den Straßen, diese Stadt erobert gerade mein Herz und ich freue mich auf den kommenden Tag, der uns die ganze Schönheit zeigen soll.

Den Abend lassen Paul und ich in einem wunderschönen Restaurant mit polnischer Küche ausklingen. Für mich als Vegetarier eine kleine Herausforderung, da die polnische Küche ehrlich, vor allem aber fleisch-lastig ist. Mit ein wenig Geschick, lässt sich aus Beilagen auch etwas zaubern. Ich unterhalte mich angeregt mit Paul über unsere ersten Eindrücke, wir lesen in Wikipedia Karkau Facts und sind vollkommen angefixt mehr zu entdecken.