Von Oklahoma City nach Amarillo, TX

Der Westen hat uns vollends eingenommen. Die Route 66 trägt uns aus Oklahoma hinaus in Richtung Texas. Bereits wenige Meilen hinter Oklahoma City verändert sich die Landschaft zusehens in eine flache Hochebene. Malerisch stehen Rinder auf den weiten Weiden, andere liegen im Schatten oder an Wasserlöchern. Das ist der wilde Westen!

Den Eindruck von Wildwest Romantik unterstreichen aber nicht nur Flora und Fauna - es sind auch die winzigen Ortschaften, mit ihren zum Teil extrem verfallenen und verlassenen Häusern. Wir kommen nach Texalo - der Ort ist der letzte auf dem Staatsgebiet von Oklahoma und bereits kurz hinter dem Ortsausgang steht das Grenzschild zum Texas. Selbiges markiert auch den 100. Längengrad - ein Landmark, hinter welchem zu Zeiten der Besiedelung das Überleben in der kargen Landschaft auch für Selbstversorger als nur schwer bis unmöglich galt.

Texola liegt direkt an der Route 66 und noch in den 80iger Jahren, kurz vor Eröffnung des Interstate 40 zählte der Ort 750 EW. Täglich rollten 20.000 Fahrzeuge durch den Ort. Heute zählt man dort ganze 15 (!) EW - es rollen am Tag max. 5 Fahrzeuge, vornehmlich Route 66 Touristen durch. Und dennoch, ganz am Ende des Ortes, kurz vor der Grenze zu Texas, gibt es die kleine Bar "Waterhole 2" mit angeschlossenen Cafè. Insbesondere die Bar wirft einen guten Ertrag ab, da im Nachbar County striktes Alkoholverbot gilt.

Die Besitzerin berichtet uns, dass sie aus Las Vegas kommt und Café und Bar vor ca. 10 Jahren übernommen hat. Tragischerweise von Jim, dem Vorbesitzer, der kaltblütig in seiner Bar erschossen wurde. Der Täter, ein vom damals scheidenden US Präsidenten begnadigter Straftäter, wurde in noch in der gleichen Nacht gefangen genommen und erhängte sich selbst in seiner Zelle. Nach dieser tragischen Geschichte kommt irgendwie John Wayne Wild-West-Feeling auf. Wir verlassen Texola, fahren weiter - passieren den 100. Längengrad und sind in Texas.

Unser Ziel, Amarillo liegt noch gut eine Stunde entfernt. Es ist eine menschenleere Gegend. Nur 2% der texanischen Bevölkerung lebt im Panhandle des Bundesstaates - gefühlt niemand. Amarillo klingt irgendwie nach Texas, nach Cowboys, nach Rinderzucht - das Gegenteil ist der Fall. Die Stadt ist zerklüftet, der einstige Mittelpunkt, durch den die Route 66 verlief ist ein fragwürdiges Viertel, in welchem bereits die Seitenstraßen nicht mehr betoniert sind und abgewirtschaftete Hoods beherbergen. Nachts möchte man da nicht durchlaufen.

Das Leben Amarillos hat sich, in typisch amerikanischer Weise, um den I 40 gemischt - Fast-Food-Ketten, Malls und Autowerkstätten. Irgendwie schade, denn damals, als die Route 66 noch existierte, fuhr der Verkehr zwar durch überlastete Dörfer und Städte, diese hatten aber eine zentrale Hauptstraße, mit Fußwegen und allerhand Geschäften.

Es muss, vom zunehmenden Verkehr abgesehen, eine tolle und lebendige Zeit gewesen sein. Dies ist mir in jedem der Orte, welche wir bisher durchfahren haben, in Gedanken gewesen und erinnert mich immer mehr an den Pixar Film "Cars". In dem wird die Geschichte der Orte, welche an der Route 66 lagen auf bestechend treffende Art und Weise in einem Animationsfilm erzählt. Passend dazu summt der Song "Life is a Highway" in meinen Gedanken.