Von Springfield, IL nach St. Louis, MO

Wir folgen weiter den Spuren der alten Route 66 und fühlen uns immer mehr wie in einem Road Movie. Es ist ein irres Gefühl von Freiheit und Entdeckertum, dass uns mit jeder zurückgelegten Meile beschleicht.

Umgeben von Mais- und Sojafeldern, die schier unendlich und bis zum Horizont zu reichen scheinen, durchstreifen wir die Landschaft. Zeitweise reisen wir auf Straßenabschnitten, die derart alt und verlassen sind, dass bereits das Gras die Oberhand über die Befestigung gewonnen hat.

Immer wieder kommen wir an Ortschaften vorbei, welche wie eingefroren erscheinen in einer längst vergangenen Zeit. Es ist was wir uns erhofft hatten - eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise durch Schicksale einzelner Regionen.

Wir durchqueren die Ortschaften Chatham, Virden und Carlinville und nähern uns langsam aber sicher dem Tor zum Westen, St. Louis. Inzwischen hat sich auch die Landschaft verändert. Die flache Prärie wechselt sich mit sanften und grünen Hügeln ab und nahezu jede kleine Schlucht - wird als "Creek" bezeichnet - es ist ein wenig wie im Film.

St. Louis ist dann wieder die Rückkehr ins Hier und Jetzt, wobei auch hier die Zeit (leider) still zustehen scheint. Die Stadt steckt architektonisch in den 70iger Jahren fest und hat schon sehr viele besser Zeiten erlebt.

Einst eine der großen Metropolen der USA, welche ihren Aufschwung durch die Besiedlung der Europäer zum einen und die hervoragende Lage am Mississippi zum anderen zu verdanken hatte, kämpft die Stadt und der Großraum seit den späten 90iger Jahren und der Neuzeit mit dem Untergang der lokalen US Automobilindustrie.

Es ist wirklich sehr schade zu sehen und lässt erahnen, warum ein Slogan, wie "Make America Great Again" derart den Nerv der Zeit getroffen hat - gleich wenn noch nicht viel Politik davon zu sehen ist. Aber auch die davorliegenden 8 bis 10 Jahre waren nicht nur in St. Louis vertane Chancen einer vernünftigen Strukturpolitik.

Die letzten negativen Schlagzeilen im Großraum machte der Vortort Ferguson - wochenlange Unruhen im Vorort ließen die Welt erahnen, welche Spannungen in der Großregion um St. Louis stecken.

Lassen wir uns aber nicht abschrecken und wenden uns wieder den Sehenswürdigkeiten zu. Der Gateway Arche symbolisiert das Tor zum Westen. Ein phänomenales Wahrzeichen und weltweit das größte, ist es sogar zu erklimmen. In kleinen, an eine Waschtrommel erinnernde Kapsel reist man in die Spitze des stählernen Bogens und genießt einen grandiosen Ausblick über die Stadt und die Region. Der Anblick macht Freude auf die kommenden Meilen die vor uns liegen und lässt den Entdeckergeist von Lewis & Clark wach werden.

In den Straßenzügen von St. Louis wechseln sich Gebäude aus der Blütezeit und den futuristischen 70iger Jahren ab. Sport steht hier im Zentrum und das Wiederum in Form der Busch Arena. Nein nicht G.W. Busch - hier dreht sich alles um die in St. Louis ansäßige Anheuser-Busch Inc. Brauerei, eine der größten der Welt.

Bevor wir morgen weiter in den Westen Missouris aufbrechen, statten wir den Anheuser-Busch's noch einen Besuch ab.