Von Seattle nach Port Angeles

Wir lassen Seattle und seinen Großraum hinter uns, bewegen uns zunächst südlich nach Tacoma, um von hier aus in Richtung des Highway 101 zu steuern. Dieser bringt uns zu unserem heutigen Etappenziel, Port Angeles.

Tacoma hat seinen Namen der indianischen Bezeichnung des heutigen Mount Rainier zu verdanken. Sie nannten ihn Mount Tahoma. Der Berg gehört zu den aktiven Vulkanen der USA und ist an vielen Tagen sowohl von Seattle, als auch von Tacoma aus zu sehen. Wir haben den Vulkan seit unserer Ankunft noch nicht einmal zu Gesicht bekommen. Die Fernsicht ist extrem niedrig - die Region plagt sich mit dichten Rauchwolken der diversen Waldbrände in Oregon und Kalifornien.

Tacoma selbst verfügt über einen für die Region wichtigen Cargo Hafen, entsprechend nehmen wir die Optik beim Vorbeifahren als maritim-industriell war. Kurz hinter Tacoma bringt uns die Tacom-Narrow-Bridge über den Puget Sound auf die Halbinsel Kitsap. Die Natur übernimmt, das Landschaftsbild wird von größeren, urigen Waldgebieten bestimmt. Jetzt fühlen wir uns mehr und mehr im Norden der USA angekommen.

Von der Halbinsel Kitsap geht es weiter nach Olympic Peninsula. Der nächste Ort am 101 nennt sich Sequim und bezeichnet sich selbst als Lavendel-Hauptstadt. Von den Lavendelfeldern der vielen kleinen Farmen haben wir optisch nicht viel mitbekommen. Es ist zum einen keine typische Blütezeit, zum anderen war es auch im Norden der USA ungewöhnliche warm. Wiesen und Felder sind, wie in Europa, ziemlich ausgetrocknet.

Normalerweise wären wir die gesamte Fahrt über von den Olympic Mountains begleitet worden. Auch diese sind leider nicht zu sehen und verstecken sich hinter den Rauchschleiern. Sehr schade, da die Straßenführung optisch ein Schmankerl gewesen wäre. So fehlen mir auch schöne fotografische Elemente von unserer heutigen Fahrt.

Am Nachmittag erreichen wir Port Angeles. Ein Spaziergang hilft uns diesen keinen Ort zu erfassen. Port Angeles ist der nördlichste Punkt - in 90 Miles Entfernung befindet sich Kanada. Sequim und Port Angeles fungieren, zumindest in den Sommermonaten als Rückzugsort gut betuchter Bürger aus Seattle. Beide Ort sind klein aber gut gepflegt. Die Temperatur ist hier auch spürbar gesunken und sobald die Sonne untergegangen ist, muss man von kalten Temperaturen sprechen. Diese werden uns in den kommenden 2 Tagen bei der Umrundung der Olympic Halbinsel begleiten.

Everett - If it's not a Boeing, I'm not going.

Tag 3 beginnt mit der Fahrt ins ca. 50 Minuten nördlich von Seattle entfernte Everett. Kennern der amerikanischen Wirtschaftsstandorte erschließt sich bei diesem Namen sofort, worum sich der heutigen Vormittag drehen soll.

Wir sind zu Gast bei Boing. In Everett fertigt Boeing seine Großraumflugzeuge 747-800 (Jumbo Jet), 777 und 787 (Dreamliner). Daneben einige militärische Varianten. Everett ist der zweite Standort im Bundesstatt Washington - ein weiterer liegt süd-östlich von Seattle, in Renton. Hier werden die 737 Varianten gefertigt.

Die Wurzeln des Konzerns liegen bei William Edward Boeing, Sohn des deutschen Einwanderers Wilhelm Böing. Als begeisterter Ingenieur gründet er 1916, gemeinsam mit seinem damaligen Kollegen, George Conrad Westevelt, die Pacific Aero Products Company. Bereits 1917 wurde das Unternehmen in Boeing Aeroplane Company umbenannt. Den großen Durchbruch hat Boing den beiden Weltkriegen und dem Saturn Programm der NASA zu verdanken.  

Die zivile Luftfahrt spielt erst in der Neuzeit eine bedeutende Rolle. Mit der Entscheidung für und mit PAN AM ein Großraumflugzeug zu entwickeln, musste Boeing in einen neuen Standort investieren, da am damaligen Stammsitz in Renton, sowie im Großraum Seattle keine ausreichenden Flächen zur Verfügung standen. Die Wahl viel auf Everett. Hier steht bis heute die weltweit größte Fabrikation von zivilen Flugzeugen.

Das Future of Flight Besucherzentrum dient der Anmeldung zur Boeing Werkstour und erklärt mit Hilfe von Modellen und Experimenten für große und kleine Besucher physikalische Zusammen-hänge des Fliegens. Der eigentliche Höhepunkt ist jedoch die Tour in und durch die Produktion!

Wie soll ich dies beschreiben - es ist kaum möglich - das ist ein einzigartiger Einblick, ein faszinierendes Erlebnis und extrem bereichernd, zu sehen, wie ein Flugzeug gefertigt wird. Wir konnten die Fertigungen der 3 größten Flugzeuge von Boeing live erleben und haben u.a. die 9. Maschine des Typs 747-800 Cargo für UPS, die 145. Maschine des Typs 777 für Emirates, die 3 Maschine des Typs 777 für Turkish Airlines und die 31. Maschine des Typs 787 Dreamliner für Norwegian Airlines in verschiedenen Stadien der Fertigung sehen können.

Eigene Fotos kann ich Euch leider keine präsentieren - Kameras, Mobiltelefone, Taschen und Brieftaschen werden während der Werkstour nicht akzeptiert.

Seattle, WA - Tag 2

Der 2. Tag steht auf dem Plan und mit ihm ein Blick ins Detail. Ich habe mir vorgenommen unvoreingenommen, den gestrigen Eindruck hintenanstellend, noch einmal von vorn mit der Stadt Kontakt aufzunehmen.

Im Grunde hat die Stadt ihren Namen dem Häuptling Sealth zu verdanken. Er begrüßte 1851 die ersten Siedler unter Führung von Arthur Denny in der Region. Die Denny Party ließ sich am heutigen Pioneer Square nieder und gilt als Begründer der Stadt Seattle.

Der kleine Platz wirkt unscheinbar, ein indianischer Totempfahl steht in der Mitte, ihm gegenüber das älteste Gebäude der Stadt. Die Hochzeit der damals rasch wachsenden und aufblühenden Stadt startete im 19 Jh. zunächst mit dem Holzhandel und dem Anschluss an die Northern Pacific Eisenbahn, dann mit dem Goldrausch am Klondike. 

Wir wenden uns vom Pioneer Square in Richtung 4. Ave, vorbei am J.C. Smith Tower. Der Schreibmaschinenmagnat ließ selbigen erbauen, erlebte jedoch dessen Eröffnung nicht mehr. Es war der erste Wolkenkratzer der Stadt Seattle. Entlang der 4. Ave reihen sich das Columbia Center, die City Hall und die Central Library. Die Gebäude der Straße stammen weitgehend aus den 80iger bis frühen 2000er Jahren.

Um die Mittagszeit herum legen wir am Pike Place Market eine Pause ein und genießen das warme, sonnige Wetter. Ich träume ein wenig vor mich hin, kann architektonisch aber auch der Stimmung in der Stadt nichts abgewinnen. Die Straßen in Downtown sind, man kann es nicht anders sagen, versifft. Aber so etwas von versifft, wie ich es in keiner Klein- oder Großstadt, geschweige denn Metropole, in den USA bisher erlebt habe.

Vom Pike Place Market aus machen wir uns auf in Richtung Capitol Hill. Das von der LGBT Szene dominierte Viertel soll entlang des Broadways mit reichlich ausgefallenen Läden und Cafés seinen ganz eigenen Charme versprühen. Die Straßenbahn bringt uns den Hügel hinauf. Erster Eindruck - es ist wirkt etwas sauberer und sortierter, die Szene ist unaufdringlich sichtbar. Wir laufen entlang des Broadways, vorbei am Swedish Hospital Komplex. Einen besonderen Charme kann ich nicht verspüren, Cafés gibt es keine außergewöhnlichen und auch sonst wirkt Capitol Hill mit seiner LGBT Szene sehr ausgereift und im Zustand "ganz normal" angekommen - ist ja auch gut so.

Die Straßenbahn bringt uns in Richtung International District - ein Komplex aus China- und Japanese Town, welchen wir bereits beim Durchfahren mit der Straßenbahn erfasst haben - schade. ( Ist jedoch schwer, wenn man die Chinatown in San Francisco und New York kennt, von dem was Seattle bietet, beeindruckt zu sein.) Wir schließen den Nachmittag an der Waterfront ab und fahren am späten Nachmittag zurück in Richtung Columbia City und unserem Airbnb Baumhaus.

Nein, die Stadt macht mich nicht an - im Gegenteil: ich ekel mich vor ihr. Obdachlose soweit das Auge blicken kann, offenkundig hat die Stadt bzw. der Großraum ein Problem. Mit Weltkonzernen, wie Starbucks, Microsoft und Amazon als Arbeitgeber dürfte es derartige Auswüchse von Armut nicht geben.

Doch genau hier liegt der Hase im Pfeffer, die Konzerne sind Magneten für gut ausgebildete Fachkräfte, Wohnraum wird knapp und wer bereits am Rande der Existenz lebte, für den gibt es keinen Platz mehr. Habe ich gestern noch ein lobendes Wort für die Gates Foundation und das Allen Institute verloren, frage ich mich heute, warum die Verantwortung für die Gesellschaft immer nur in der Ferne gesucht werden muss...

Schlaflos in Seattle sind mittlerweile vielen Menschen, nicht aus Liebe, sondern vor Kummer und Sorge um Ihre Habe. Da kann die Stadt noch so politisch grün - demokratisch und tolerant sein, für mich wirkt es aufgesetzt und arrogant. Im übrigen kommt die Bevölkerung der Stadt auch so rüber - noch nie habe ich mich in den USA in einer Stadt so unwohl gefühlt.

Seattle, WA - Tag 1

Der diesjährige Road Trip führt uns entlang des North Pacific Coast Highway 101 von Seattle nach San Francisco. Zum Auftakt der Tour stehen 3 Tage Seattle in unserem Tourenplan.

Die Zeitverschiebung verlangt mal wieder ihren Tribut und so ist es erst 5:00 Uhr morgens als unsere Augen einfach nicht mehr geschlossen bleiben wollen. Wir erwachen in unserem Baumhaus - es ist kein klassisches aber dank der riesigen Pinie im Vorgarten und der Tatsache, dass wir im ausgebauten Dachgeschoß eines netten kleinen Vorstadthauses erwachen, lässt es den Eindruck zu tatsächlich in einem solchen geschlafen zu haben.

Noch ein wenig im Bett hin und her gewälzt und irgendwie doch noch bis 7:00 Uhr liegengeblieben, startet der Sonntag dennoch recht früh. Bereits um 8:00 Uhr sitzen wir in einem gut gefüllten Café in der Rainier Ave in Mitten von Columbia, einer kleinen Vorstadt von Seattle.

Gut gestärkt geht es dann in Richtung Downtown. Wir parken unser Auto in einem der Großraum Parkhäuser und laufen noch etwas benommen durch die Straßen, Downtown Seattle. Der Wetterbericht hat warmes Sommerwetter versprochen. Dieses, so bemerken wir, startet jedoch erst am Mittag. Es ist ziemlich frisch im sonntagmorgentlichen Seattle. Unser Weg führt uns zum Public Market an der Waterfront. Ein netter Streetmarket mit üppigen Blumen- und Obstständen und jeder Menge frischem Fisch. Wir durchqueren den Markt, laufen entlang der Waterfront und zurück hoch in die Häuserschluchten von Downtown.

Bei mir will der Funke nicht so recht überspringen. Sowohl der Public Market als die Waterfront können mit den vergleichbaren Szenarien in San Francisco nicht mithalten und auch Downtown setzt nur in einem Maßstäbe - jeder Menge Obdachloser und an vielen Ecken dem Geruch von altem Urin. Ich geb mir einen Ruck und versuche der Stadt ihre Chance zu geben. Immerhin haben wir eine Segway Tour gebucht und vielleicht zeigt uns der Guide, dass die Stadt auch ganz andere Ecken zu bieten hat.

Mit der Monorail geht es von der Westlake Center Mall Station zur Seattle Center Station. Die Monorail, wie auch das gesamte Areal der Seattle Center Station, inklusive dem Wahrzeichen Seattles, der Space Needle, stammen aus der  Zeit von 1962 und wurden anlässlich der Weltausstellung gebaut. Obwohl schon sehr alt, verbreiten die Monorail, als auch Seattle Center einen besonderen Charme. Ich fühle den futuristischen Aufbruch, den die verschiedenen Gebäude rund um die Seattle Center Station samt Space Needle versprühten. 1962 muss dieses Areal tatsächlich wie eine fantastische Zukunftstadt gewirkt haben.

Unsere Segway Tour startet wenige Blocks entfernt und führt uns durch die Stadtviertel: Lower Queen Anne, Westlake, South Lake Union, mit Blick auf Capitol Hill. Es geht vorbei an der Bill und Melinda Gates Foundation , dem riesigen Areal von Amazon und dem Allen Institute. Beschäftigt man sich mit den beiden dahinterstehenden Initiativen, ist es schön zu sehen, dass nahezu grenzenloser Reichtum auch mit gelebter Verantwortung einhergehen kann. Die Tour führt uns zum Lake Union. Die Promenade entlang des Historischen Museum sowie der Blick auf Capitol Hill zeigen schönere Seiten von Seattle und versöhnen den ersten Eindruck.

Nach der Segway Tour erhalten wir noch den Tipp, zu Fuß zum wenige Blocks entfernten Kerry Park zu laufen und werden mit einem wunderbaren Postkartenblick auf Seattle entschädigt. Kerry Park liegt in Mitten von herrschaftlichen Villen und Apartments für wohlhabende Bürger der Stadt  Seattle. Ein toller Ausblick auf Downtown, die Bay und Richtung Olympic Mountains. Den späten Nachmittag verbringen wir zwischen Downtown und First Hill, u.a. in der Kaffeerösterei von Starbucks. Der Konzern hat im übrigen hier in Seattle seinen Ursprung. Dies gilt auch für Amazon und Microsoft.

Für Tag zwei steht ein Blick ins Detail auf dem Plan - wir möchten tiefer in die Stadtviertel ein- und vordringen. 

Warschau - Facettenreich und voller Kindheitserinnerungen

Tag 1

Wir haben den zweiten Teil unseres diesjährigen Pfingstausflugs begonnen und sind von Krakau nach Warschau geflogen. Eigentlich hatte ich geplant mit dem Zug zu reisen - die Bahnstrecke wird jedoch erneuert und die Verbindung ist nicht ohne lange Umwege verfügbar. Nach knapp 50 Minuten Flug landen wir am Chopin Airport in Warschau. Mit der S-Bahn geht es weiter in Richtung Innenstadt. Unser Hotel ist relativ zentral gelegen und so können wir auf der Fahrt mit der S-Bahn erste Eindrücke sammeln.

Mein erster Eindruck - ich bekomme das Gefühl in meine Kindheit zu reisen. Warschau zeigt auch in den Außenbezirken die Architektur des Ostblocks. Ich finde das nicht wirklich hässlich - es hat seinen eigenen Charme. Den Koffer rasch abgestellt, zieht es uns gleich los den ersten Kontakt zur Stadt und den Menschen aufzunehmen. Wir fahren mit der Tram bis zur Haltestelle Muzeum Narodowe 05 und laufen die Ulica Nowy Swiat in Richtung Altstadt.

Die Nowy Swiat, zu deutsch "Neue Welt Straße" gehört zu den schönsten Straßen Warschaus. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurde die Straße im Stil des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Hübsche Cafes, Restaurants und kleinere Geschäfte laden zum Bummeln ein. Die Straße ist am Sonntag für Fahrzeuge gesperrt und führt am Ende direkt zur Sigismundsäule und dem Schlossplatz. Ganz soweit schaffen wir es am ersten Tag noch nicht, es ist bereits früher Abend und wir bekommen Hunger. Am Kopernikusdenkmal machen wir kehrt und widmen unsere Aufmerksamkeit einem typisch polnischen Gericht "Pierogi". Die gefüllten Teigtaschen gibt es in der süßen Variante oder aber auch herzhaft gefüllt. Da es unser Abendessen sein soll, entscheiden wir uns für die herzhafte Variante und fallen ein wenig später müde in unser Hotelbett.

Tag 2

Nach dem erfolgreichen Segway Kick-off in Krakau haben wir beschlossen, dies auch in Warschau als unser präferiertes Verkehrsmittel zur Erkundung der Stadt zu nutzen. Diesmal geben wir es uns aber richtig und buchen eine 2-stündige Tour, welche am Ende fast 3 Stunden dauert. Wir können Euch Segway-Tours und im besonderen Mathew (Mattihas) empfehlen. Matt ist Student an der Universität Warschau und widmet sich der polnischen Sprache. Er wird uns seine Stadt zeigen.

Die Tour startet in der Ulica Nowy Swiat und führt uns zunächst in Richtung des Kulturpalasts. Er gehört seit seiner Errichtung in den 50iger Jahren zu den Wahrzeichen der Stadt Warschau und ist ein gigantisch großer Stalinbau. Überhaupt gibt es in Warschau viele aus den 50iger/ 60iger Jahren stammende Straßenzüge, welche in ihrer Größe, Länge und Architektur von der Sowjetära geprägt sind. Für mich fühlt sich das gut an - es ist ein Teil meiner Kindheit, welchen es kaum mehr in Deutschland zusehen gibt und so bin ich hier in Warschau immer wieder gedanklich in meiner Kindheit unterwegs. 

Wir fahren weiter in Richtung Ogrod Saski (Sachsen Garten) und tauchen mitten in der Stadt in eine kleine Oase eine. Eine wunderschöne kleine Parkanlage aus der Zeit August II. dem Starken stammend. Das dazugehörige Schloss gibt es seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr. Nur ein winziger Teil von Bogengängen ist stehen geblieben. Hier befindet sich das Denkmal des unbekannten Soldaten. Das Denkmal wird von 2 polnischen Soldaten, mit Blick auf den Plac Marszalka Jozefa Pilsudskiego gerichtet, bewacht. Stündlich findet hier eine Wachablösung statt.

Unsere Tour geht weiter, vorbei am Nationaltheater, dem alten Rathaus und stoppt in mitten einer auf dem ersten Blick unauffälligen, kleinen Straße. Wir stehen links, auf der rechten Straßenseite sehen wir ein verfallenes Gebäude mit sichtbaren Einschusslöchern in den Steinen. Davor ein Denkmal aus einem W und P geformt. Das Symbol ist mir gestern schon aufgefallen und heute bekommen wir die Erklärung dafür. Wojsko Polskie steht für den Warschauer Aufstand im zweiten Weltkrieg. Darauf ist man hier in Warschau sehr stolz. Das Gebäude war übrigens vor dem Krieg eine Bank, während des Kriegs eine Klinik.

Weiter geht es und nach einigen hundert Metern finden sich auf den Gehsteigen Metallstreifen mit der Innschrift "Warswa Ghetto 1940 bis 1943". Kann man die Innschrift lesen, befindet man sich im Ghetto. In der heutigen Grundfläche leben ca. 40.000 Menschen. Zu Hochzeiten des Ghettos waren es 500.000 (!) Menschen jüdischen Glaubens. Viele von ihnen verstarben bereits im Ghetto an Unterernährung und Krankheiten, alle anderen wurden entweder im KZ Treblinka oder in Auschwitz-Birkenau ermordet. An dieser Stelle ein Filmtipp: "Der Pianist". Polen macht es Paul und mir nicht einfach und stößt uns immer wieder auf die Vergangenheit Deutschlands. Matt lässt uns wissen, dass er Deutsche nicht damit assoziiert - er sagt in Polen gibt es einen eigenen Begriff für diese Generation "hilterowski", gleichbedeutend mit Hitler-Menschen.

Wir fahren nun in Richtung Altstadt und stehen plötzlich wieder in einem traumhaft schönen Garten. Es ist die Parkanlage samt Palast der früheren Magnatenfamilie Krasinski. In den letzten Jahren hatte hier das oberste Gericht Polens seinen Sitz. Dieses ist nun direkt hinter den Palast in ein modernes Gebäude gezogen. An der vom Standort Krasinski Palast aus gesehen linken Seite des neuen Obersten Gerichtsgebäudes befindet sich die Hidden Fontain. Auch hier befindet sich wieder eine Grenze des Warschauer Ghettos. 

Mit einem Mal werden die Straßen richtig alt. Kopfsteinpflaster und mittelaterliche Häuser zur rechten und zur linken Hand. Was für eine Facettenwechsel! Wir befinden uns in der Neustadt (ja Neustadt) noch vor den Toren der Altstadt und fahren am Haus von Marie Sklodowska-Curie vorbei, weiter zum Neustadtmarkt. Plötzlich sind wir in einer Umgebung, welche sich eher wie ein kleines slavisches Dorf präsentiert und anfühlt. Nichts lässt mehr an das Warschau von vor einigen Minuten erinnern. Toll! Wir sind begeistert. Matt "treibt" uns weiter und es geht hinunter an die Ufer der Weichsel. Wir fahren durch eine moderne Parkanlage, in welcher an den warmen Wochenenden des Jahres laut Matt die Hölle los ist und am Abend eine tolle Laser-Fontainen-Show zu sehen sein soll.

Vom Weichselufer aus geht es über noch buckeligere und ältere Kopfsteinpflasterstraßen hinauf in die Altstadt und auf den Altstadtmark. Dieser wirkt wirklich wie aus dem frühen Mittelalter - alle Gebäude wurden jedoch anhand von historischen Gemälden nach dem 2. Weltkrieg wieder erichtet und gehören zum UNESCO Weltkulturerbe, obwohl nicht ein Gebäude historisch ist. Schön, dass man bei der UNESCO so flexibel ist und diese Altstadt schützt. Wir fahren von hieraus zum Warschauer Königsschloss und zur Sigismundsäule - ja auch hier ist alles "refurbished" und wirkt trotzdem original alt. :-) Die Säule steht heute auch für den Wiederaufbau von Warschau. Der Sigismund bekommt zu Europa- und Weltmeisterschaften den Fanschal der polnischen Nationalelf umgebunden.

Es geht vorbei an der Universität von Warschau und zurück in die Ulica Nowy Swiat. Zwei Stunden und 40 Minuten Segway stecken uns wirklich in den Füßen. Es fühlt sich an, als ob wir die Hälfte davon gelaufen sind. Dies verdient einen Apfelkuchen nach polnischer Hausfrauenart, in welchen sich Paul "instant" verliebt hat. In ein zwei Jahren bliebe es wohl nicht nur beim polnischen Apfelkuchen - die hübschen polnischen Mädchen sind meinem Sohn auch aufgefallen. 

Den Spätnachmittag und Abend lassen wir beim gemütlichen Spaziergang durch die Straßen an uns vorüber ziehen und ich tag-träume ob der Architektur und dem umfassenden Straßengefühl in Kindheitserinnerungen vor mich hin. Wir haben Warschau als eine moderne, pulsierende Stadt wahrgenommen. Auch hier besticht das Straßenbild durch junge Menschen, hübsche und stolze Frauen, viel mehr jungen Müttern mit Kindern als in deutschen Städten, geschäftigem Treiben und Touristen.

Wir haben uns in Warschau als willkommene Gäste gefühlt und können eine Reise nach Warschau empfehlen. Der eindeutige "Geheimtipp" ist jedoch Krakau.

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Oh du wunderschönes Krakau

Wir nehmen uns Zeit für Krakau, buchen eine Segway Tour, um so viel wie möglich, vor allem aber auch die Details der Stadt entdecken zu können und starten auf dem Hauptmarkt. Unser Guide berichtet, dass der Marktplatz bereits im 13. Jahrhundert angelegt wurde und mit seiner Fläche von ca. 40.000 m² einer der größten mittelalterlichen Marktlätze in Europa ist. In der Mitte des Platzes befindet sich die Tuchalle, welche 1555 im italienischen Renaissance-Stil wiederaufgebaut wurde.

Weiter geht es vorbei an der Marienkirche. Bereits gestern ist mir aufgefallen, dass sie nicht nur zwei in der Größe, sondern auch in der Architektur unterschiedliche Türm besitzt. Wir bekommen erzählt, dass einer Sage nach die Türme von zwei Brüdern in Konkurrenz erbaut worden sein. Während einer der Brüder seinen Turm bereits erichtet hatte, fürchtete er, sein Bruder, würde seinen Turm übertrumpfen und brachte ihn kurzer Hand mit einem Messer um.

Wir fahren weiter und gelangen vom Hauptmarkt aus zum Krakauer Florianstor mit seinen Stadtmauerresten und dem Barbakan. Das Florianstor ist das einzige noch erhaltene, der ehemals 8 Stadttore. Unsere Tour führt uns durch die die Innenstadt umgebende Parkanlage hinunter zur Burganalge Wawel. Seit der Altsteinzeit bewohnen Menschen den Wawelhügel und seine Kalksteinhöhlen. Der Legende nach trieb ein Drache sein unwesen, bis dieser vom Ritter Krak besiegt wurde.

Bereits im 10. Jhd. wurde auf dem Wawel die Marienrotunde angelegt. Mit dem Jahr 1000 wurde Krakau Bischofssitz und der Bau einer dreischiffigen Kathedrale begann. Ich erspare Euch hier die gesamte Historie der Wawelburg. Wer sich dennoch dafür Interessiert, der kann sich bei Wikipedia schlau lesen. Die heutige Burg jedenfalls stammt mehr oder weniger aus der Zeit nach 1595, denn die bis dahin stehende Burganlage viel einem Großbrand vollständig zum Opfer.

Bis 1596 war Krakau übrigens die Hauptstadt des polnischen Königreiches. Sigmund III. Wasa, zeitweise polnischer und schwedischer König, sowie Zar von Russalnd verlegte seinen Königssitz nach Warschau. Er bevorzugte die zentrale Lage Warschaus. Damit begann Krakau für eine lange Zeit in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Dies änderte sich erst mit Ende des 1. Welkrieges. Krakau entwickelte sich zwischen beiden Kriegen zu einem kulturellen Zentrum. Wir sind inzwischen auf den Wawelhügel gefahren, genießen den Blick über Krakau und lassen unsere Gedanken ein wenig mit der Weichsel Flussabwärts ziehen.

Wir streifen einen unrümlichen Teil der Geschichte von Krakau, als unser Guide uns vom Wawel aus das Stadtvirtel Kazimierz zeigt. Bis 1941 lebte hier eine sehr große jüdische Gemeinde zunächst frei, später im Ghetto. Heute ist dieser Stadtteil besonders bei jungen Menschen beliebt. Es ist geprägt von seiner jüdischen Kultur und einem eigenen Szeneleben. Steven Spielberg dreht einen Teil des Films Schindlers Liste hier in Krakau-Kazimierz.

Es geht vom Wawel bergab, zurück in Richtung Innenstadt. Wir fahren durch die älteste Gasse Krakaus und gelangen zur Peter und Paul Kirche, erichtet in der Wendezeit des 16./17. Jahrhunderts. Unser Weg führt uns den Königsweg hinauf und zurück zum Hauptmarkt. Von hier aus machen wir noch einen Abstecher zum kleinern Krakauer Markt und zur Krakauer Oper bevor wir durch kleine Gassen den Weg zurück zum Tourbüro finden und unsere 90 minütige Tour beenden.

Wir haben viele Eindrücke gesammelt und reichlich geschichtliches über Krakau gelernt. Heute erleben wir Krakau als eine lebendige Studentstadt. Gut 60 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 45 Jahre. Der Ballungsraum (100km um Krakau herum) umfasst 8 Millionen Einwohner (!), die Arbeitslosenquote ist 10% Punkte niedriger als der nationale Durchschnitt und Krakaus Bevölkerung hat einen überdurchschnittlich hohen Bildungsgrad. Auch wirtschaftlich kann sich Krakau sehen lassen. Einige internationale Großkonzerne haben sich hier niedergelassen.

Paul und mir hat es in Krakau ausgesprochen gut gefallen. Wir messen dies ganz unwissenschaftlich aus dem Bauch heraus und haben festgestellt, hier könnten wir uns vorstellen zu Leben.

Chapeau Krakau!

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Krakau - Mein Herz geht auf.

Ich bin 42 Jahre alt und gestehe vorweg, ich war noch nie in Polen. Bisher hatte ich keinerlei Bilder im Kopf, die mich reizten Polen zu besuchen. Niemand schwärmte mir vor, dieses Land zu bereisen. Ich frage mich gerade, ob es vielleicht vielen Menschen so geht. Und ihr fragt Euch vielleicht, warum ich mich dennoch entschieden nach Polen zu reisen?

Es ist ein Ritual, welches ich mit meinem Sohn seit vielen Jahren pflege. Einmal im Jahr, reisen wir beide allein in eine europäische Hauptstadt. Vieles haben wir schon gesehen, in diesem Jahr sollte es nun die polnische Hauptstadt Warschau werden. Seit geraumer Zeit hatte ich mir vorgenommen die Gedenkstätte Auschwitz zu besuchen und so entschied ich unsere Reise in diesem Jahr etwas abzuwandeln. Krakau liegt ca. eine Autostunde von Auschwitz entfernt, hat einen Flughafen und bot sich daher als Zwischenziel unserer Reise an.

Als Zwischenziel (!?) - es soll sich herausstellen, was für eine fatale Fehleinschätzung diese Nomenklatur war! Nach einem gut einstündigen Flug landen wir am Johannes Paul II. Flughafen in Krakau. Der Flughafen ist überschaubar aber modern. Unser Fahrer wartet bereits in Ankunftshalle. Er spricht nur polnisch, wir nur englisch und so verständigen wir uns liebenswert unbeholfen mit nette Gesten, Händen und Füßen. Die Autofahrt nach Krakau dauert ca. 30 Minuten. Es geht zunächst durch kleine Dörfer - vieles wirkt ein wenig verschlafen, die Natur ist üppig grün, leicht hügelig. Der Verkehr nimmt langsam zu, die Besiedelung auch und plötzlich sind wir im Stadtgebiet.

Die erste Überraschung - viele alte Häuser, wunderschön hergerichtet, viel grün, einiges an Verkehr, viele Menschen auf den Straßen, ich spüre eine gute Stimmung, die durch die Scheiben unseres Taxis dringt. Das gefällt mir und ich bekomme richtig Lust durch die Straßen zu laufen. Unsere Unterkunft ist ein Apartmenthotel, in einem der alten so schön anzusehenden Häuser. Es befindet sich direkt in Zentrumsnähe. Rasch die Koffer ausgepackt, ein paar Minuten ausruhen und dann möchten Paul und ich los.

Das Zentrum der Altstadt ist von einem grünen, parkartigen, Gürtel mit einer durchschnittlichen Breite von ca. 100 Meter umsäumt. Ein Hauptweg folgt dem grünen Gürtel, viele kleine Wege verzweigen sich. Der alte Laubbaumbestand wirk wie eine grüne Lunge, biete Schutz vor der Sonne. Kinder spielen, alte Menschen sitzen auf Bänken, erzählen, ruhen sich aus, junge Menschen liegen auf den Parkwiesen und schmusen. Mein Herz geht auf.

In den beiden Tagen, die wir Krakau verbringen, werden wir die Altstadt einmal in diesem wunderschönen Parkgürtel umrundet haben. Kleine Straßen durchbrechen die Parkanlage an den Stellen, an welchen früher Einfahrten durch Stadttore möglich waren. Wir nutzen eine dieser Straßen und laufen in Richtung Altstadt und Marktplatz. Mit uns, Touristen aus Aller Herren Länder. Die Gebäude zur rechten und linken Hand sind alle historisch, tip-top in Schuss. Wir laufen auf den Marktplatz zu und sind überwältigt. 

Es ist die Größe, das Leben, die Schönheit, die Architektur, die alte Markthalle in mitten des Platzes - staunend bleiben wir stehen und ich frage mich, wieso Krakau sich vor mir auf der Landkarte versteckt hat. Wir umrunden den Marktplatz mit seinen Cafes, Restaurants und kleinen Geschäften. Es ist bereits 19:00 Uhr aber in der ganzen Altstadt geht es so lebendig zu, als wären wir in einer Megametropole. Es wimmelt angenehm unaufdringlich an Menschen, vor allem junge Menschen sind auf den Straßen, diese Stadt erobert gerade mein Herz und ich freue mich auf den kommenden Tag, der uns die ganze Schönheit zeigen soll.

Den Abend lassen Paul und ich in einem wunderschönen Restaurant mit polnischer Küche ausklingen. Für mich als Vegetarier eine kleine Herausforderung, da die polnische Küche ehrlich, vor allem aber fleisch-lastig ist. Mit ein wenig Geschick, lässt sich aus Beilagen auch etwas zaubern. Ich unterhalte mich angeregt mit Paul über unsere ersten Eindrücke, wir lesen in Wikipedia Karkau Facts und sind vollkommen angefixt mehr zu entdecken.

Auschwitz - Birkenau

Es ist Pfingsten 2018. Wie in jedem Jahr bin ich mit meinem Sohn Paul zu dieser Zeit unterwegs und wir besuchen eine europäische Hauptstadt. In diesem Jahr haben wir unsere Reise etwas verändert und beginnen in Krakau, bevor wir uns der polnischen Haupstadt Warschau widmen.

Wer geografisch etwas bewandert ist, dem ist bekannt, dass sich ca. 1 Autostunde südwestlich von Krakau der Ort Oswiecim befindet. Den meisten Menschen ist dieser Ort wohl eher unter dem Namen Auschwitz bekannt.

Am 19. Mai 2018 klingelt uns der Wecker bereits um 5:20 Uhr wach. Rasch die Zähne geputzt und angezogen. Um 5:55 Uhr werden wir bereits von unserem Shuttelbus abgeholt. Schwere Kost steht an diesem ersten Urlaubstag so früh auf dem Ausflugsplan.

Ausflug - wie das klingt. Darf man soetwas eigentlich sagen? Wir machen einen Ausflug nach Auschwitz? Streichen wir das Wort lieber und sagen, wie machen uns auf den Weg, um uns mit einem Teil deutscher Vergangenheit auseinanderzusetzen. Viel bekomme ich nicht mit von der Fahrt, die uns durch weitgehend flache und üppig grüne Landschaft führt, weil es mir die Augen immer wieder zuzieht - es ist einfach noch zu früh am Morgen.

Der Parkplatz ist noch weitgehend leer, als unser Shuttelbus den Motor abstellt. Wir befinden uns am Haupteingang des Museums Auschwitz. Unscheinbar - das ist mein erster Gedanke. Ein dunkelroter, ebenerdiger Backsteinbau liegt vor uns. Es folgt eine Sicherheitskontrolle wie man sie vom Flughafen kennt. Wir bekommen Audioguides, unser Tour-Guide (...ja man bucht tatsächlich eine Tour...) spricht Englisch mit polnischem Akzent. Er fordert uns auf durch die Eingangsperren zu gehen und das Gebäude am Ende des Ganges wieder zu verlassen.

Das ist es, das Tor mit der so bös bekannten Überschrift "ARBEIT MACHT FREI". Wir betreten durch dieses Tor Auschwitz I, auch Stammlager genannt, das erste von insgesamt 3 Konzentrationslagern. Verrosteter Stacheldrahtzaun, welcher damals unter Hochspannung stand, umzäunt das Gelände. Immer wieder unterbrochen von Wachtürmen, im unteren Segment aus grauem Beton und im oberen Segment aus dunklem, verwittertem Holz bestehend. Die Baracken sind dreistöckige Gebäude aus roten Backsteinen, welche in Reihen gebaut wurden.

Der Tourguide berichtet, dass dieses Lager zunächst dazu diente Verbrecher, politisch Gefangene und sexuell anders denkende Menschen, sowie polnische Intelektuelle und sowjietische Kriegsgefangene hier unterzubringen. 70.000 Menschen starben hier, vorallem in Folge der schlechten Haftbedingungen, schwerer körperlicher Arbeit und mangelnder Ernährung.

Die Gebäude sind heute Teil des Museums. Bilder und Zeitdokumente befinden sich an den Wänden und in Vitrienen. Noch immer wirkt alles sehr abstrakt - das ändert sich aber schlagartig, als wir einen Raum betreten, in welchem eine große, gläserne Urne auf einem Sockel in die Wand eingerückt steht. Man kann die Asche von hier ermordeten Menschen sehen. Plötzlich bringe ich die Menschen auf den Bildern an den Wänden gedanklich in die Urne - es fühlt sich bedrückend an und soll nur der Anfang von dunklen Gedanken und Gefühlen sein.

Wir lernen unter welchen Bedingungen die Menschen hier zwischen wenigen Tagen, Wochen und Monaten vegitieren mussten. Der Tourguide berichtet von ersten medizinischen Versuchen, die in diesem Lager I begannen, von den entwürdigenden Maßnahmen, welche die Menschen über sich ergehen lassen mussten. Immer wieder springt der Tourguide gedanklich in Lager II, auch bekannt unter dem Namen Auschwitz II oder Auschwitz-Birkenau. Bilder an den Wänden zeigen die "Rampe" an welcher die Züge ankamen und die Menschen von Dr. Mengele selektiert wurden.

Wer augenscheinlich alt, krank, schwanger oder ein Kleinkind war wurde sofort aussortiert. Alle verbleibenden Menschen wurden innerhalb Auschwitz-Birkenau in Baracken zugewießen. Die  privaten Gegenstände, (max. 25kg durften die Gefangenen aus ihren Getthos oder privaten Wohnungen in den Zügen nach Auschwitz mitnehmen) verblieben an der Rampe.

Der Tourguide springt zurück in die Räumlichkeiten von Auschwitz I, durch welche wir unsere "Tour" fortsetzen. Wir betreten einen rechteckigen Raum an dessen längerer Seite sich eine  Glaswand befindet. Dahinter liegen Bergeweise, abgeschnittene und verfiltzte Haare. Man kann unterschiedliche Haarfarben ausmachen, Zöpfe erkennen. Ekel macht sich ob des Anblicks in mir breit, während der Touguide die Verwendung der Haare schildert. Decken, Socken, Matratzenfüllung ... wiederlich, grausam, einfach schrecklich!

Im nächsten Raum befinden sich hinter einer ähnlichen Glaswand Koffer. Darauf stehen die Namen und Wohnorte der "Reisenden". Sara, Josef, Ludmilla ... wieder entsteht der Bezug zu den Menschen. Es geht weiter 70.000 Schuhe ... ausgetretene-, schicke-, Winter-, Sommer, Herren- und Damenschuhe ... und wieder dieses Ekelgefühl. Der Tourguide redet in Zahlen, ich denke an die Namen, suche gedanklich die Schuhe dazu und sehe die Gesichter an den Wänden. Alles läuft an mir vorbei... und der nächste Raum schlägt noch schonungsloser zu. Baby- und Kindersachen, bunte Kinderschuhe... es folgen unmengen an Brillen, Kämen, Schüsseln und Haushaltsgegenständen - alles zurückgelassen an der Rampe.

Wir verlassen das Gebäude. Inzwischen ist es nach 9:00 Uhr, zarte Sonnenstrahlen durchdringen die morgentliche frische Luft in Auschwitz und es fröstelt mich innerlich. Wir laufen am "Krankenhaus" vorbei. Es ist keines! Wer hier rein ging bekam eine Injektion Phenol und hatte wenig später diesen grausamen Terror "überstanden". Der letzte Block führt uns in den Keller. Folterzellen, kleine Gaskammern, in welchen die SS begann mit Hilfe von Zyklon B die Vernichtungsmaschine zu erbroben. Es geht durch den Innenhof, in welchem Erschiesungen stattfanden und schlussendlich ins Krematorium. Wir sind durch! Der Tourguide erzählt irgendetwas von ...15 Minuten Pause, dann am Parkplatz treffen ... Es ist 9:30 Uhr und ich bin bis obenhin bedient. Einige Mitstreiter der Museumstour weinen.

Meine Hände wärmen sich an einem billigen Automaten Cappuccino, während wir auf dem Weg nach Auschwitz-Birkenau sind. Das 2. der 3 Auschwitzlager ist ca. 2km vom Stammlager entfernt. Wieder ein Parkplatz. Da ist es - das bekannte große Durchfahrtstor, durch welches die Züge in das Vernichtungslager einfuhren. Wir durchqueren es zu Fuß und blicken auf ein gigantisch großes Areal. Laufen auf der Rampe bis etwa mittig. Hier steht ein letzter Wagon, in welchem die Menschen nach Auschwitz transportiert wurden. Bis zu 14 Tage dauerten diese Fahrten, berichtet uns der Tourguide.

Da steh ich nun - Millionen von Seelen schwirren um mich herum. Sie kamen hier an, Tags, Nachts, im Sommer, im Winter. Die Wagons wurden geöffnet. SS Soldaten schrien, Hunde bellten, Schüsse vielen, Kinder weinten, Familien wurden auseinander gerissen. Ich blicke zu meinem Sohn Paul und in mir krampft sich alles zusammen. Die Angst dieser Rampe ist spürbar. Wir folgen den Spuren der Mehrzahl dieser Menschen, in Richtung eines kleinen Wäldchens, am Ende des Lagers. Heute ist hier zentral eine großes Denkmal. In allen Sprachen steht auf dem Boden: "Dieser Ort sei allzeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit."

Zur rechten und zur linken Seite des Mahnmals öffnet sich der der Boden. Man blickt in die unterirdischen Entkleidungskammern. Darauf folgend die unterirdischen Gaskammern für 700 Menschen. Bis zu 700 Menschen wurden gleichzeitig vergast - nicht am Tag - ca. alle 60 Minuten. Aus der Gaskammer heraus wurden die leblosen Körper mit Hilfe einer Aufzuganlage in das Krematorium befördert und sofort eingeäschert. Was für eine grausam durchdachte Maschinerie.

Wir laufen eine der Lagerstraßen hinauf zum Haupteingang. Mein Blick schweift über die rießige Lagerfläche. Es stehen nicht mehr viele der Baracken. Nur die steinernen Kamine ragen aus den Sommerwiesen empor. Dazwischen Magaritten, ich sehe Hasen herumhoppeln und es wirkt als ob Mensch und Natur gemeinsam beschlossen haben, diesem Ort eine Jahrhunderte währende Stille aufzuerlegen. Dieser ganze Ort, jeder Quadrazentimeter ist voll mit Asche - die ganze Region ist voll von Flugasche. Schätzungsweise 1.500.000 Menschen wurden hier vernichtet.

Wir verlassen Auschwitz in unserem Shuttlebus und ich bin leer im Kopf. Es stimmt mich versöhnlich, als ich auf die Rückbank sehe. Geschaftt und friedlich schlafen ein 16 jähriges polnisches Mädchen, ihre Mutter und eine 16 jährige Austauschschülerin aus Conneticut. Sie fahren geminsam mit Paul und mir, den Erben dieser Geschichte, vertrauensvoll und versöhnlich zurück nach Krakau.

Mehr Bilder gibts hier:

Surf City USA - Huntington Beach

Den gestrigen Tag haben wir ganz gemütlich oder wie Paul und Emma sagen, ganz gechilled, am Pool begonnen. Frühstücken, sonnen, baden, Seele baumeln lassen. Mehr als 4 Stunden halten wir das allerdings nicht aus und so haben wir uns dann auf den Weg nach Huntington Beach gemacht.

Der Weg, nur knappe 30 Minuten mit dem Auto von unserem Hotel in Anaheim entfernt, hat sich durchaus gelohnt. Huntington Beach präsentiert sich als schicker Surferort und trägt ganz offiziell und sehr berechtigt, den Beinamen Surf City U.S.A. Die Main Street bietet Surfshops und Modegeschäfte, Bars, Cafès und Restaurants. Am Ende kreuzt sie den Highway No. 1 und führt direkt auf die sehr gepflegte Pieranlage.

Von der Pier aus kann man die Weite und Breite des tollen Pazifikstrands von Huntington Beach super erfassen, den Surfen und Anglern zuschauen, die Seele baumeln lassen und einfach so seinen Gedanken hinterher jagen. Das ist ein Stück Kalifornien, wie es sich viele, die noch nier hier waren immer vorstellen. Mir gingen dabei die ganze Zeit die Melodien von Bryan Wilson und den Beach Boys duch den Kopf. Surfin´ U.S.A., Good Vibrations, California Girls ... .

Meinem Sohn Paul, der mit mir direkt im Anschluss unseres Urlaubs den Fischereischein machen wird, waren die Angler ein besonders willkommener Spass und ehe ich mich versah, war Paul im Gespräch mit einem der Männer und hatte schwups, seine Rute in der Hand. Danach gab es kein halten mehr und Paul war für den Rest des Nachmittags bestens aufgehoben. Am Ende waren es 7 Sardellen, die er aus dem Pazifik geangelt hat. Was für ein Spaß!

Den Fang seines Tages, vielleicht Lebens, hatte Aaron, ein nur noch für 3 Tage, wie er berichtete, in Kalifonrien stationierter US Soldat. Unter großem Jubel und voller, ansteckender Euphorie zog er einen doch beachtlichen Thresher Shark aus dem Wasser. Haie gehören hier, wie bei uns Rehe, dazu und so war es auch nicht verwunderlich, dass sich die Surfer nicht viel daraus machten, dass sie in sichtbarer Gesellschaft die Brandung miteinander teilten.

Wir konnten und wollten uns einfach nicht von Huntington Beach losreißen und haben den Sonnenuntergang in einer der Bar-Restaurants genossen. Vielleicht macht Ihr Euch beim anschauen meiner Bilder einen der Beach Boys Titel an und könnt Euch nach Huntington Beach träumen.

Traumfabrik Hollywood - Zu Gast in den Warner Brothers Studios

Da wir L.A. schon von früheren Aufenthalten kennen, können wir uns die Zeit nehmen und ganz ausgewählte Ausflüge unternehmen. Heute waren wir in einem der ältesten Studios der Traumfabrik Hollywood zu Gast - Warner Brothers.

Jeder von Euch kennt Kinofilme und Fernsehserien, welche hier in Burbank produziert werden, doch kennt ihr auch die Geschichte des Studios? Es waren vier aus Polen stammende Brüder, die im Jahr 1903 mit einem Edison-Kinetoskop den Grundstein für das im Jahr 1923 gegründete Unternehmen Warner Brothers Pictures Inc. legten.

Gerade die frühen Erfolge kennt jeder - ich liebe die Kleinen über alles und war total erstaunt, dass die Winzlinge schon so alt sind. Die Rede ist von den "Looney Tunes". Hättet ihr gedacht das Daffy Duck bereits 1935 und Bugs Bunny 1937 das Licht der Leinwandwelt erblickten? Die haben sich gut gehalten und erfreuen noch immer Millionen von Kindern und Erwachsenen. Ich kann mir die alten Filme immer wieder ansehen und mich an den Geschichten erfreuen. Viele haben einen derart großen Bezug zum Lebensraum Kalifornien: Road Runner und Koyotee zum Beispiel - beide Tiere haben wir auf unserer Reise sehen können.

Auch Klassiker wie "Cassablanca"oder Alfred Hitchcocks "Bei Anruf Mord" sind hier in den Warner Brother Studio entstanden. Apropos entstanden, Warner hat nicht nur gigantisch große Studiohallen, auch das Außengelände ist mit umfangreichen Straßenzügen ausgestattet. Um die Gebäude so breit wie möglich nutzen zu können, verzichtet Warner Brother die auf dem Gelände stehenden Gebäude der einzelnen Subsidiarys und untervermieteten Produktionsfirmen zu beschriften. So zum Beispiel arbeiten Produktionsfirmen in Bürogebäuden, die wie ein Motel aussehen, andere in Gebäuden die hervorragend auch als Airportgebäude und wiederum andere als typisch amerikanisches Haus im viktorianischen Stil für Produktionen mit Außenaufnahmen genutzt werden können.

Originale Spots werden ganz selten genutzt und so konnten wir New Yorker und Chicagoer Straßenzüge sehen. Fast alles was wir im Kino zu sehen bekommen ist nicht real. Hydranten, welche noch im Abstand von nur 30 cm wie echt aussehen, entpuppen sich als leicht anzuhebende Attrappen und Straßenzüge werden für Filmaufnahmen mitten im Hochsommer in eine Winterlandschaft verwandelt.

Die Neuzeit brachte mit den enormen Rechenkapazitäten der Computer noch ganz andere Möglichkeiten und so sind Filme wie Harry Potter, Matrix und auch der Große Getsby reine Fiktion und nahezu vollständig vor Blue Screens entstanden. Es gibt hier einfach nichts was es nicht gibt. Der Hubschrauberlandeplatz und Fronteingang des "ER" aus der Fernsehserie Emergency Room ist ein Parkplatz für Mitarbeiter und zahlreiche Cafès auf dem Gelände erkennen wir ebenfalls aus Filmen.

Wir alle sind große Fans der Big Bang Theory und hatten gehofft, heute einen Blick in das Studio werfen zu können - leider fanden gerade Dreharbeiten zur neuen Staffel in Halle 25 statt, sodass uns dieser Einblick nicht möglich war. Dafür saßen wir auf der Couch, im Wohnzimmer der berühmten Serie "Friends", haben uns am Set der aktuellen TV-Serie "The Fosters" umsehen können, standen vor der Kirche in Blue Rich Mountain aus "Die Waltons", sowie in der fiktiven Kleinstadt Starts Hollow aus "Gilmore Girls" und, und, und.

Stars haben wir keine gesehen aber irgendwie war ich Penny ganz nah und hätte beinahe "knock, knock Penny, knock knock Penny, knock knock Penny" an die Tür der Studiohalle 25 geklopft und immerhin - ein "Bazinga" Shirt habe ich erstanden.